Das mögliche Aus für die Kulturstätte Scheuer in Villingen-Schwenningen sorgt für Diskussionen in der Kommunalpolitik, bei Nach
Das mögliche Aus für die Kulturstätte Scheuer in Villingen-Schwenningen sorgt für Diskussionen in der Kommunalpolitik, bei Nachbarn, Nutzern und Fans. (Foto: Archiv)
Eva-Maria Huberund Cornelia Spitz

Die Solidarität ist so groß wie der Ärger: Ist das Aus für die Kulturstätte Scheuer besiegelt, weil ein Anwohner sich durch Konzerte belästigt fühlt? Oder gibt es doch noch eine Lösung im Lärm-Streit?

Die Nachricht des Folk-Clubs Villingen, weniger bekannt für laute Töne, wirkte wie ein Donnerschlag nicht nur in der örtlichen Kulturszene: Der Rockclub ist bereits mit seinen Veranstaltungen ins Café im Jugendhaus abgewandert, nun kündigte der Folk-Club seinen Rückzug zum Jahresende an. Während sich Enttäuschung und Wut in den sozialen Netzwerken wie Facebook einen Weg bahnen, rumort es auch bei Kommunalpolitikern.

Die Freien Wähler-Stadträte Bertold Ummenhofer und Ulrike Heggen sowie FDP-Stadtrat Frank Bonath machen sich für einen Erhalt der Scheuer als Kulturstätte stark. Und auch die SPD möchte das Thema Scheuer auf die Tagesordnung setzen. Gunnar Frey, SPD--Mitglied, kündigte jetzt an, dass „wir uns nochmals im Ortsverein damit beschäftigen, „Schlusszeiten um 23 Uhr sind zumutbar.“

Geht da noch etwas? In den Augen der Stadt eigentlich nicht. Sie beharrt darauf, dass das festgezurrte Veranstaltungsende von 22 Uhr einzuhalten sei, im Zuge des Lärmschutzes. OB Rupert Kubon lenkte allerdings im Gemeinderat am Mittwochabend in einer Diskussion über die Scheuer dahingehend ein, dass unter der Moderation des Kulturamtes nochmals ein Gespräch mit allen Beteiligten geführt werden solle. Eine Änderung der dieser für viele recht strengen Vorschriften sei aber nur möglich, wenn „alle, wirklich alle“ Beteiligten einverstanden seien.

Dass es allerdings mit dem Feingespür und der Empathie bei manchem Mitarbeiter der Verwaltung nicht weit her ist, sah der Grünen-Sprecher Joachim von Mirbach mit eigenen Augen: Er habe den Brief zu lesen bekommen, den der Folk-Club erhalten habe, und ihm sei die Kinnlade heruntergeklappt: „Sowas habe ich noch nicht gelesen. Ich fand das unverschämt!“

Klage riskieren

Ummenhofer will ins Detail gehen und wissen, was die Stadt in punkto Lärmschutz überhaupt geprüft habe. Der Freie Wähler geht noch einen Schritt weiter. Man werde die Verwaltung bitten, „es mit dem Lärmschutz nicht so eng zu sehen“. Auch FDP-Stadtrat Bonath spielt diesen Gedanken weiter. Warum nicht einfach den Konflikt mit dem Anwohner suchen und sogar eine Klage riskieren? Nicht nur die genannten Stadträte wollen es nicht einfach widerstandslos hinnehmen, dass „eine solche Kultureinrichtung durch einen Anwohner kaputt gemacht wird“.

Und was sagen Vertreter der Vereine dazu, Jürgen Kern vom Rockclub oder Richard Hehn (Folk-Club)? Hehn schließt eine Rückkehr in die Scheuer nicht aus, „falls dort durch entsprechende Lärmschutzmaßnahmen auch Veranstaltungen nach 22 Uhr wieder genehmigungsfähig werden. Es gibt in Villingen kaum einen Ort, der besser für uns geeignet wäre als die Scheuer“, schreibt er via Facebook.

Kern hat sich zwar mit dem Café im Jugendhaus als Veranstaltungsort arrangiert, „aber beengt ist es schon und lange nicht so prickelnd wie in der Scheuer“. Auch er hat noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es doch noch einen Kompromiss geben könnte.“Vielleicht sollte man nochmal das Gespräch mit dem Anwohner suchen?“, meint er und schlägt einen Kompromiss vor: „Zweimal im Monat könnten Konzerte bis 23 Uhr stattfinden“, und damit eine exakt begrenzte Zahl an Veranstaltungen im Jahr. „Damit könnten sicher alle leben.“

Ob der Anwohner damit leben kann, bleibt offen. „Wir werden Kontakt mit den Vereinen aufnehmen und über diesen Kompromiss sprechen“, reagiert Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt VS. Dann ließe sich gegebenenfalls mit dem Anwohner sprechen.

Warum können Bands in VS nicht generell bis 23 Uhr spielen? „In anderen Städten gibt es ja auch Konzerte nach 23 Uhr“, blickt Bonath auf andere Kreisstädte. Sicherlich lässt sich nicht alles Eins zu Eins vergleichen. Fakt ist aber, dass es in anderen Städten, Rottweil beispielsweise Veranstaltungsorte gibt, in deren Umfeld es auch so etwas wie privates Leben und damit Anwohnerbedürfnisse gibt, und deren Schlusszeiten für Konzerte sich meist an den üblichen Sperrzeiten orientieren.

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