Vermutlich aus Villingen-Schwenningen stammen die jungen Leute, die sich immer wieder bei der Besteigung von hohen Bauwerken sel
Vermutlich aus Villingen-Schwenningen stammen die jungen Leute, die sich immer wieder bei der Besteigung von hohen Bauwerken selbst in Lebensgefahr bringen. Die Polizei sucht nach ihnen. (Foto: Youtube/GraveYardKidz)

Erneut muss sich die Polizei mit den „Grave Yard Kidz“ beschäftigen. Dieses Mal haben die Kletterer, die mutmaßlich aus VS stammen, einen über 200 Meter hohen Kamin in Nordrhein-Westfalen erklommen.

Todesmutig spazieren die beiden jungen Männer auf 220 Metern Höhe am Rand eines stillgelegten Kamins eines Energieversorgers in Herdecke. Es sind Bilder, die einem den Atem rauben – denn die Kletterer sind ohne Sicherung unterwegs.

Doch die beiden sind keine Unbekannten. Denn die „Grave Yard Kidz“ haben sich auch in unserer Region einen Namen gemacht. Für besonderes Aufsehen haben die „Friedhofskinder“ (so lautet ihr Name auf Deutsch übersetzt) mit dem Erobern des 256 Meter hohen Baukrans am Aufzugstestturm in Rottweil im Oktober 2015 gesorgt. Ein halbes Jahr später kletterten sie in Ulm auf den höchsten Kirchturm der Welt – selbstverständlich ebenfalls ohne jede Sicherung.

Todesmutiger Kletterer auch am Ulmer Münster

Recherchen haben damals ergeben: Mindestens einer der todesmutigen Kletterer stammt vermutlich aus Villingen-Schwenningen. Zumal sie sich bereits in der Vergangenheit mit Vorliebe verschiedenen Objekten in der Doppelstadt gewidmet hatten. Nun sorgt der Auftritt in Nordrhein-Westfalen für reichlich Wirbel. Dort haben die Jugendlichen, zum Teil auch mit weiteren Gleichgesinnten, den Kamin eines seit Jahren stillgelegten Kraftwerks des Energieversorgers Mark E bestiegen. Entdeckt wurden die Videoaufnahmen bei der Internetplattform Youtube zunächst von der Westfälischen Rundschau.

„Der Betreiber hat Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet, nachdem das Video bekannt wurde“, berichtet Sonja Wever, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr-Kreis. Derzeit werden von der Polizei drei Videos, die bereits im Juni dieses Jahres veröffentlicht wurden, ausgewertet. Dabei erhoffen sich die Beamten, Rückschlüsse auf die Identität der anonymen Kletterer schließen zu können.

Vorwurf: Hausfriedensbruch

Kontakt zu anderen Polizeipräsidien, in deren Wirkungsbereich die Kletterer bereits unterwegs waren, habe man allerdings noch nicht aufgenommen. Wever: „Der Sachbearbeiter ist bei anderen Behörden noch nicht aktiv geworden – es handelt sich hier auch lediglich um Hausfriedensbruch.“ Gleichwohl betont die Polizeisprecherin die extreme Gefahr der illegalen Aktion.

Genau so wenig Spaß verstehen auch die Kraftwerksbetreiber. Uwe Reuter von der Pressestelle des Energieversorgers Mark E sieht sich nicht zum ersten Mal mit der Problematik von illegalen Eindringlingen konfrontiert. Deshalb seien die Sicherheitsmaßnahmen am Kamin erhöht worden. „Der Zugang zum Kamin ist mit einer Tür gesichert, an der in den letzten Monaten mehrere Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden, die alle geknackt wurden. Auch ein zusätzlich angebrachter Stahlriegel hielt nur zwei Wochen“, berichtet Reuter.

Polizei versteht keinen Spaß

Zudem sei die Tür sogar zugeschweißt gewesen – dennoch gelang den beiden Kletterern der Zutritt zu dem 220 Meter hohen Objekt. Die „Grave Yard Kidz“ betonen derweil auf Youtube: „Wir haben bei der Aktion nichts beschädigt und niemand ist zu Schaden gekommen.“ Bereits in der Vergangenheit erklärten sie, dass die Gebäude wieder so verlassen werden, wie so vorgefunden wurden – Vandalismus sei nicht im Sinne der Kletterer. Obwohl auch nach der Kletter-Aktion auf dem Rottweiler Testturm reichlich Ungemach drohte, waren die „Grave Yard Kidz“ noch einige Male aktiv.

Täter fallen immer wieder auf

Neben dem Ulmer Münster (161 Meter), veröffentlichten die jungen Männer zudem Videos von Kletter-Aktionen in Stuttgart und Frankfurt sowie das Erklimmen von Europas höchstem Strommast (227 Meter) an der Elbekreuzung 2 bei Hamburg.

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