Nach den exorbitant gestiegenen Kosten für einen Neubau ist die Zukunft der Wilhelmspflege wieder unklar.
Nach den exorbitant gestiegenen Kosten für einen Neubau ist die Zukunft der Wilhelmspflege wieder unklar. (Foto: Parage)
Verena Parage

Gut drei Wochen ist die Nachricht alt, dass der Neubau der Wilhelmspflege nicht kommen wird. Die Kosten von elf Millionen Euro sprengten das Vorhaben. Doch wie geht es nun weiter mit dem Kindergarten? Die evangelische Kirchengemeinde bezieht Stellung.

Der Schock mag sich etwas gesetzt haben, überwunden ist er noch nicht. Vor allem aber ist das Thema Wilhelmspflege für den Träger der Einrichtung, die evangelische Kirchengemeinde, nicht erledigt: Was wird jetzt aus den Neubauplänen für den Kindergarten? Im vergangenen Herbst hatte es noch geheißen, dass in den Neubau am Standort Metzgergasse 3,85 Millionen Euro investiert werden müssten. Dann der Schock in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 21. März: Plötzlich war von elf Millionen Euro die Rede. Die Stadt, Gebäude- und Grundstückseigentümer, zog daraufhin die Reißleine. Das allerdings ändert nichts daran, dass der Zustand des bestehenden Gebäudes schlecht ist und die Stadt dringend weitere Betreuungsplätze benötigt.

In dieser Woche hat der evangelische Kirchengemeinderat das Thema diskutiert. Das Ergebnis wird als Stellungnahme an die Stadt gehen. Fazit: „Wir legen Wert darauf, dass ein Ersatzbau für die Wilhelmspflege am bestehenden Ort geschaffen wird“, fasst es der geschäftsführende Pfarrer Klaus Gölz zusammen. Der Bedarf für Kindergartenplätze in der Stadtmitte sei einfach vorhanden.

Beethovenhaus und Pauluskindergarten sind keine Alternative

Genau dies ist auch der Punkt, den er und der Kirchengemeinderat nicht nachvollziehen können: Zum einen wolle die Verwaltung die Innenstadt als Sozialraum stärken, zum anderen einen Kindergarten dort wegnehmen. Das sei widersprüchlich. Deshalb bekräftigt er noch einmal, dass bisher angedachte Ersatzlösungen – etwa die Vergrößerung des Pauluskindergartens oder ein Umbau des leer stehenden Beethovenhauses zur Betreuungseinrichtungen – ihn nicht überzeugen. Sie seien zu weit weg vom Sozialraum Stadtmitte.

Darüber hinaus sieht er Vorteile einer Anlaufstelle für Eltern, die sich in der Nähe anderer Einrichtungen befindet. Die Volkshochschule befindet sich ebenfalls in der Metzgergasse, zur diakonischen Beratungsstellen im Muslenzentrum ist es nicht weit. Gleichzeitig weist Gölz daraufhin, dass es gültige Beschlüsse zum Neubau der Wilhelmspflege gibt. Deshalb müssen seiner Meinung nach auch die Gremien in die Entscheidungen mit eingebunden werden.

Dass elf Millionen Euro zu viel Geld sind für einen Kindergartenbau, dem stimmt auch der Pfarrer zu. Er fragt sich aber: Gibt es nicht eine kleinere Version, die bezahlbarer ist? Die Kirchengemeinde sei ohnehin anfangs von einem Ersatzbau für die bestehenden Gruppen ausgegangen. Dann kam seitens der Stadt der Gedanke auf, im Neubau noch zwei Gruppen unter der Regie des Kinderschutzbundes und ein Familienzentrum unterzubringen.

Diese Ideen habe die Kirchengemeinde gern aufgegriffen, „wir sehen darin Chancen“, sagt Klaus Gölz. Derzeit werden in der Wilhelmspflege 40 Kinder in zwei Gruppen betreut. Im Neubau sollten es 100 in sechs Gruppen sein. Doch die wachsende Größe des Vorhabens dürfte dafür verantwortlich sein, dass sich die ursprünglichen Kosten rund verdreifacht haben. Zugleich hat die Stadt signalisiert, dass ein Kindergarten mit zwei Gruppen zu klein ist, um wirtschaftlich zu sein. Nun wird sich zeigen, wie es weitergeht und was die Verwaltung aus der Stellungnahme der Kirchengemeinde macht. „Ich hoffe, dass es eine Lösung gibt, die für die Familien eine Hilfe ist“, sagt Pfarrer Gölz.

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