Fabian Riesterer

Etwa 260 Interessierte haben sich am Donnerstag zu einem Forum mit den OB-Kandidaten im Münsterzentrum eingefunden, zu dem die Kirchen eingeladen hatten. Einer fehlte jedoch „unentschuldigt“: Jam von der Linde.“

„Wir wollen heute Abend den sozialen Themen eine besondere Gewichtung geben“, erklärte, Wolfgang Rüter-Ebel, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Villingen, der als Moderator durch das Forum führte. Organisiert hatten dieses die Arbeitskreise Christlicher Kirchen Villingen und Schwenningen, die Diakonie wie auch die Caritas. Sieben Bereiche wurden thematisiert, von denen die Kandidaten je vier wählten, zu denen sie sprechen wollten.

Das waren (bezahlbares) Wohnen, Migration/Integration, Kitas/Work-life-balance, bürgerliches Engagement, Jugendliche/Jugendarbeit, Alter/Pflege sowie Leben mit Behinderung/Inklusion. Zudem hatten die Kandidaten anfangs eine Kreativaufgabe zu lösen: In fünf Minuten sollten sie ihre zehn bis zwölf Jahre in der Zukunft liegende Version der Doppelstadt anhand von Bauklötzen darstellen und erläutern.

Jörg Röber sprach weniger emotional, betonte seine Ausführungen jedoch gezielt und unterstrich sie mit seinem Wissen über Zahlen oder Hintergründe. Er punktete mit der Vorgabe, vor allem integrative Projekte zu verstetigen: „Wir müssen den Ehrenamtlichen das Versprechen geben, dran zu bleiben.“ Sein VS der Zukunft ist eine Stadt des Zusammenlebens mit einem starken Zentrum, aber auch sozialen Zentren in den Ortschaften. Arbeiten und Wohnen können vereint werden, weil Freizeit und Erholung neben den „klassisch wichtigen Themen“ wie Infrastruktur Beachtung finden.

Marina Kloiber-Jung überraschte mit flotten, schlagfertigen Antworten, als die Kandidaten angefangene Sätze beenden sollten (Der Islam gehöre zu unserer Kultur dazu, sowie sei Kloiber-Jung abends zufrieden, wenn keine Arbeit liegen geblieben ist). Zuvor hatte sie fachlich fundiert, jedoch rhetorisch eher stichwortartig ihre Argumente und Konzepte dargestellt. Ihr VS der Zukunft bestehe aus vielen Verbindungswegen, die Villingen, Schwenningen und die Ortschaften verbinden. Eine optimale Nutzung der Innen- wie auch Außenflächen schaffe auf wirtschaftlicher Basis kulturelle wie auch freizeitliche Begegnungsräume.

Gaetano Cristilli begründete Argumentation und Lösungen häufig mit eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen, die er als Geschäftsmann, Vereins- und Familienmensch sowie Ehrenamtlicher gesammelt hat. Es gelte, die Stärke jedes Einzelnen „herauszukitzeln“ und die Strukturen von Trägern, Stadt und Vereinen zusammenzubringen. Sein VS der Zukunft ist darum ein zusammengeführtes VS, das über einen gestärkten Zentralbereich mit Schwimmbad, Sportplätzen aber auch Schulen sowie dem „Herzstück Klinikum“ verfügt.

Fridi Miller sorgte anfangs mit ihrer Vision einer Gesellschaft voller Toleranz, Akzeptanz, Vertrauen, Integration, Gemeinschaft und Liebe für vereinzeltes Nicken im Publikum. Diese Punkte schlugen sich in ihrem symbolischen, herzförmigen VS der Zukunft sowie ihren häufig kostengünstigen Vorschlägen nieder etwa Mehrgenerationenhäuser, Containerkindergärten, private Kinder- oder Alterspflegeprogramme und dem Bürgerhaushalt. Sie verlor die Zuhörer und ihren Faden zunehmend in den Vergleichen zu ihrer Heimat Sindelfingen.

Jürgen Roth konnte zu den vorgegebenen wie auch zu den im Anschluss von Bürgern vorgebrachten Themen (Sanierung Richthofenstraße, Barrieren am Villinger Bahnhof, Umgang mit Suchtkranken und Einführung eines Bürgerfonds) Fakten nennen und lieferte konkrete Lösungsvorschläge, statt Probleme lediglich anzuprangern oder zu versprechen, sich im Falle einer Wahl um diese zu kümmern. Er verband hohe Fachtiefe mit Lockerheit, lächelte häufig und suchte den Blickkontakt zum Publikum. In seinem VS der Zukunft thront im zentralen, höchsten Turm symbolisch die Jugend, untermauert von Elementen wie einer starken Wirtschaft, preiswertem Wohnen oder genügend Kindergartenplätzen. Augenzwinkernd bemerkte er, dass die Straßen auch in Ordnung seien. „Da sind kaum noch Löcher.“

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