sbo und Lea Kuenz

In den nächsten Wochen kann rund um den Stadtwald von Villingen-Schwenningen ein seltenes Schauspiel beobachtet werden: Ein graues Pulver wird über den Baumwipfeln von einem Helikopter verteilt. Doch was genau hat es damit auf sich?

Das graue Pulver dient zur gezielten Kalkung von Waldflächen, und soll zur Verbesserung der Waldbodenqualität beitragen. Denn besitzt der Waldboden zu hohe Säureeinträge, wird die Gesundheit der Bäume und die des Waldbodens geschädigt. Die Säureeinträge haben zu einer Auswaschung von wichtigen Nährstoffen im Boden geführt. Denn Nährstoffe wie Magnesium, Calcium und Phosphor sind deshalb wichtig für den Wald, da ohne sie die Ernährung und Vitalität der Bäume beeinträchtigt ist.

Außerdem wird durch den Kalk die Abwaschung von toxischen Elementen wie Aluminium und Schwermetallen verhindert. Diese können die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Insbesondere gelangten die Säureeinträge im Laufe der Industrialisierung im 20. Jahrhundert in die Böden der Wälder. Im Zuge von bereits früher durchgeführten Kalkungen, hat sich die Situation des Oberbodens im Vergleich zur Zeit der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich verbessert. Damals gelangten Luftschadstoffe durch den Regen in die Waldböden, wo in den tieferen Bodenschichten der Regenerierungs-Prozess aber immer noch nicht abgeschlossen ist.

Die Versauerung der Böden kann von den Wäldern nur zu Teilen selbstständig regeneriert werden, was zur Folge hat, dass der Waldboden für einige Bodenlebewesen zu sauer ist. Das führt dazu, dass viele Waldböden ihrer Funktion als Lebensraum, Pflanzenstandort und Trinkwasserfilter nur noch eingeschränkt nachkommen können.

Die Bodenschutzkalkung wurde erstmals Mitte der 1980-er Jahre in Baden-Württemberg eingesetzt. Dabei werden Gemische aus Holzasche, Dolimit und und Wasser verwendet, welche entweder mit Hubschraubern verteilt, oder mit Hilfe von speziell ausgerüsteten Fahrzeugen vom Waldboden aus, verblasen werden. In der Doppelstadt hat die Bodenschutzkalkung am 20. August gestartet und wird voraussichtlich bis zum 20. September andauern. Der Zeitraum ist jedoch davon abhängig, ob ab nächster Woche wie geplant ein zweiter Helikopter im Einsatz ist, und inwiefern das Wetter mitspielt. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die Kalkung sogar bis Anfang Oktober anhalten. Die Fläche, die zu kalken ist, beträgt laut dem Forstamt VS 1200 Hektar. Betroffen sind die Waldgebiete von Tannheim bis Villingen. Insgesamt werden 4000 Tonnen Dolimit und Dolimit-Holzaschgemisch verteilt.

Die nächste Kalkung ist in zwei Jahren geplant, anschließend wird nach etwa zehn Jahren überprüft, ob eine weitere Waldkalkung erforderlich ist. Sehr viel Arbeit in die Vorbereitung musste Christoph Vögele, der Projektleiter für den Stadtwald, investieren. Umso ärgerlicher für die Verantwortlichen ist es, wenn trotz gut sichtbarer Absperrschilder sich weder Fußgänger noch Radfahrer an die Absperrungen halten. Laut Forstamtleiter Tobias Kühn bliebe das Risiko einer Kalkdusche somit nicht aus.

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