Künftig eilt Matthias Frey den Wueschten voraus

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 Matthias Frey soll ab der Fasnet 2020 der neue Wueschtvatter der Historischen Narrozunft werden.
Matthias Frey soll ab der Fasnet 2020 der neue Wueschtvatter der Historischen Narrozunft werden. (Foto: Birgit Heinig / sbo)
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Die Bestätigung der gesamten Historischen Narrozunft steht zwar noch aus, doch dass der neue Wueschtvatter ab der Fasnet 2020 Matthias Frey heißen wird, gilt als sicher.

Dass er nach 20 Jahren Amtszeit von Roland Weißer in dessen Fußstapfen treten könnte, das ahnte der 38-Jährige schon länger. Denn Weißer fragte ihn frühzeitig gezielt, ob er sich eine Nachfolge vorstellen könne. „Das habe ich natürlich mit meiner Frau Nicole besprochen“, sagt Matthias Frey, wohl wissend, dass er dann „nicht nur mitlaufen“, sondern die Wueschtgruppe anzuführen und zu repräsentieren hat. Er sagte ja und wurde Anfang Juli von allen Wueschten zum neuen Chef gewählt.

Am 5. Januar wird das bei der Mitgliederversammlung der Narrozunft offiziell, und einen Tag später wird Matthias Frey beim Brunnenschmücken dann schon seinen ersten offiziellen Termin als neuer Wueschtvatter wahrnehmen.

Der gebürtige Villinger ist bis heute ein Südstädtler, lernte den Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs und erwarb als 23-Jähriger den Meistertitel. Heute arbeitet er in seinem damaligen Lehrbetrieb.

Schon als Zweijähriger war er als Stachi auf der Villinger Fasnet, an der Seite von Mutter Isolde und seiner Schwester Sybille. Vor rund 30 Jahren – Matthias Frey war gerade sieben Jahre alt – suchte der damalige Wueschtvatter Georg Baur Kinder, die man aufnehmen und damit den Fortbestand der Gruppe sichern wollte. Glück für Matthias Frey, der einem Freund in die Wueschtgruppe folgte. Seither hat er im Stroh-Häs „keinen einzigen Tag“ der Villinger Straßenfasnet verpasst.

Inzwischen sorgen die Kinder von damals selbst für den Wueschtnachwuchs. Neben den rund 60 großen Hästrägern ziehen auch 40 kleine durch die Straßen und Gassen, darunter sogar schon zwei der drei Kinder von Matthias Frey. „Wir sind rappelvoll und haben eine lange Warteliste für Gastwueschte“, sagt er. Bis zu fünf dürfen – nach einem kleinen Aufnahmeritual – jedes Jahr einmal mitlaufen.

Der Gruppengröße sind aus organisatorischen Gründen Grenzen gesetzt. Schließlich will man an der Fasnet gemeinsam unterwegs sein, auch in den Stüble und Wirtschaften.

Gedanken über seine neue Verantwortung habe er sich schon gemacht, sagt Matthias Frey, wolle aber das Rad nicht neu erfinden. Seit 15 Jahren ist er Mitglied des Orga-Teams, das sich nicht nur um den Ablauf der Fasnet, sondern auch um Arbeitseinsätze in der Zehntscheuer und beim Zunftfest, um Familien- und Aktivenausflüge und um das Besorgen von Stroh kümmert. Daher weiß er ganz genau, dass Roland Weißer ihm ein gut bestelltes Feld übergeben wird. Und dass sein Terminkalender noch etwas voller wird.

Eishockey und Wasserball

Neben Beruf, Familie und Wueschtgruppe liebt Matthias Frey nämlich noch das Eishockeytraining und die Freundschaftsspiele mit den „Pinguinen“, einer Hobbygruppe. Zeit hätte er eigentlich auch gerne noch für seine weitere Leidenschaft Wasserball, was er früher aktiv bei der Wasserballgemeinschaft VS betrieb.

„Im Januar, im Februar, im März un im April, da sin die Maidle kitzelig, da ka mer, wemmer will. Im Mai, im Juni, im Juli un Auguscht, da isch die saure Gurkeziet, da hän se konne Luscht. September, Oktober, November un Dezember – Maidli lupf’ der Rock in’d Höh’ und zeig’ mer de Kalender.“ Die Wueschte, die „wüsten Kerle“, sind für ihre markigen Sprüche bekannt. Dieser ist Matthias Freys Liebling, nicht zuletzt deshalb, weil er dessen Sinn als Kind freilich lange nicht verstanden hat. "Die derbsten Sprüche werden aus Rücksicht auf die kleinen Wueschte erst nach 20 Uhr aufgesagt, doch dieser gehörte komischerweise noch nie dazu“, sagt Frey lachend.

Dass er als zukünftiger Wueschtvatter alle der rund 50 Verse auswendig kennt, versteht sich von selbst. Nicht bange wird es dem „Neuen“, wenn er künftig vorauseilt, im Vorfeld die Kneipen klarmacht, die man als Wueschtgruppe aufsuchen kann und die ganze Truppe zusammenhalten muss. Die Augenbrauen zieht er allerdings ein wenig hoch, wenn er an die Verpflichtungen als Repräsentant denkt. „Das ist nicht so mein Fall“, sagt er und lächelt leicht gequält, fügt aber hinzu: „Da wachse ich rein.“

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