Junge Familien zieht es vor allem in umliegende Gemeinden von Villingen-Schwenningen.
Junge Familien zieht es vor allem in umliegende Gemeinden von Villingen-Schwenningen. (Foto: Marcel Kusch/dpa)
sbo und Simone Neß

Junge Familien verlassen mehr und mehr die Doppelstadt. Diese Erkenntnis zieht die Stadt aus ihren Bevölkerungsvorausrechnungen. Dass sich Villingen-Schwenningen zur Großstadt entwickeln wird, kann mit den Statistiken nicht belegt werden.

Mit einem Anstieg auf 94 941 Einwohner rechnet das Stadtplanungsamt bis zum Jahr 2035. Das ergibt sich aus den Vorausrechnungen des Amtes, das alle fünf Jahre eine Bevölkerungsvorausrechnung für einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren erstellt. Die Berechnungen dienen als Grundlage für zentrale planerische Entscheidungen.

Analysiert wurden insgesamt 29 Raumeinheiten, darunter elf Stadtviertel in Villingen, neun Stadtviertel in Schwenningen und neun Ortschaften. Die Vorausrechnungensannahmen wurden auf Basis der Jahre 2016 bis 2019 erstellt. Dabei wurden unter anderem natürliche Bewegungen wie Geburten und Sterbefälle sowie Wanderungsbewegungen betrachtet. Berücksichtigt wurden auch die zukünftigen Wohnraumpotenziale der Stadt.

Gerade einmal um 1,7 Prozent wichen die Vorausrechnungen der Wohnbevölkerung aus dem Jahr 2014 für das Jahr 2019 von dem tatsächlichen Stand ab. „Das entspricht quasi einer Punktlandung“, erklärt Heike Heuser, Abteilungsleiterin des Stadtplanungsamts.

Die Bevölkerung in der Doppelstadt ist in den vergangenen fünf Jahren um 3732 Einwohner gestiegen. Der Anteil der Ausländer hat seit 2014 um 40 Prozent zugenommen, der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund um 16,9 Prozent.

Die natürliche Bewegungen zeigen außerdem, dass die Bevölkerung in Villingen-Schwenningen ohne Zuzug schrumpfen würde. 53 Prozent der zugezogenen Personen kamen zwischen 2016 und 2019 aus einer Gemeinde oder Stadt innerhalb Baden-Württembergs.

Weg zieht es die Doppelstädter vor allem nach Bad Dürrheim, aber auch Stuttgart. Der enorme Zuzug von Flüchtlingen im Jahr 2015 wurde durch einen beinahe genau so großen Wegzug im darauffolgenden Jahr ausgeglichen, weshalb man die Entwicklungen erst ab dem Jahr 2016 betrachten kann.

Das Wanderungssaldo der deutschen Bevölkerung war in den vergangen Jahren durchweg negativ. 184 Kinder zwischen null und zehn Jahren sind mit ihren Familien aus Villingen-Schwenningen vor allem in umliegende Städte und Gemeinden gezogen. Anders ist es hingegen bei den ausländischen Mitbürgern, die seit 2016 um 2612 Einwohner zugenommen haben.

Die Vermutung, dass Villingen-Schwenningen in den nächsten Jahrzehnten zu einer Großstadt mutieren wird und damit die 100 000-Einwohner-Marke knackt, kann mit den erstellten Berechnungen nicht belegt werden. „Dafür müsste schon etwas Besonderes passieren“, erklärt Bürgermeister Detlev Bührer.

Die Prognose zeigt: Ab 2033 wird die Bevölkerung in Villingen-Schwenningen wieder abnehmen. Bis dahin soll eine Einwohnerzahl von knapp 95 000 Personen erreicht werden, wenn man von dem mittleren Szenario ausgeht. „Es ist eher unrealistisch, dass alle Potenziale, die in einer Kommune vorhanden sind, in einem bestimmten Zeitraum tatsächlich umgesetzt werden“, erklärt Bührer. Nicht alle Baulücken können bis 2035 geschlossen und nicht alle Wohnbaupotenziale ausgeschöpft werden.

Auswirken auf die doppelstädtische Bevölkerung wird sich vor allem der demografische Wandel. Das Stadtplanungsamt geht davon aus, dass im Jahr 2035 etwa ein Viertel der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt sein wird. Das bedeutet, dass der Bedarf an Pflege- und Alteneinrichtungen, aber auch an altersgerechten Wohnformen wachsen wird.

Der Stadtbezirk Villingen wird im Mittel um 18,1 Prozent, der Stadtbezirk Schwenningen um 4,4 Prozent und die Ortschaften um 3,6 Prozent bis 2035 wachsen. Durch die Zuwanderung aus dem Ausland geht die Stadt außerdem davon aus, dass im Jahr 2035 50 Prozent der neugeborenen Kinder mindestens ein Elternteil haben, dass nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Das Wohnbaupotenzial in Villingen sei höher als das in Schwenningen. Bis 2035 rechne man vor allem im Schilterhäusle, im Stadtviertel Hubenloch sowie im Wohngebiet Sauerwasen/Dickenhardt mit einem Einwohnerzuwachs. „Wir versprechen uns von dem Angebot, junge Familien in der Stadt halten zu können“, betont Bührer. Nach wie vor bestehe außerdem ein hoher Bedarf an sozial gefördertem Wohnraum, erklärt Heuser.

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