Vielfach werden die Leitungen bis zu Verzweigungspunkten, nicht aber bis zur Haustür gelegt.
Vielfach werden die Leitungen bis zu Verzweigungspunkten, nicht aber bis zur Haustür gelegt. (Foto: Kneffel)
Cornelia Spitz

Wenn es um den Glasfaser-Ausbau geht, bläst ein rauer Wind. Im Wettbewerb um Kunden werden Ellbogen ausgefahren – und die Endverbraucher in und um VS sind längst verunsichert.

Es ist ein Schlagabtausch, den sich der Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar und die Telekom in der Region in den Augen der Kunden liefern. Erst tat sich lange nichts, dann wurde der Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar aktiv und nun wirbt die Deutsche Telekom für einen geplanten Netzausbau. Und jeder wartet mit Argumenten für seine Sache und wider das Angebot des anderen auf. Der Durchblick fällt Laien schwer.

Die daraus resultierende Verunsicherung ist so groß, dass sie sich offenbar bis zum Zweckverband und der Stadt Villingen-Schwenningen durchschlug. Gemeinsam legten sie deshalb einen Flyer auf und räumten mit offenbar gestreuten Vorurteilen auf. Die VDSL-Technologie, die andere Telekommunikationsanbieter benutzen, stoße schnell an ihre Grenzen. Die Glasfaser reiche nur bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen auf den Gehwegen. Von dort kommt das Signal wie früher über Kupferleitungen zum Kunden. Zwar verstärke ein Einsatz von Vectoring die Leistung, stoße aber dennoch schnell an seine Grenzen. „Der Einsatz dieser Technologien kann den Glasfaser-Hausanschluss auch kurzfristig nicht ersetzen“, so das Fazit, das die Stadtverwaltung VS und der regionale Zweckverband ziehen. „Eine Seifenkiste ist ja auch nicht mit einem Rennwagen zu vergleichen“, sagt Jochen Cabanis, der Geschäftsführer des Zweckverbandes.

Seit die Telekom für ihren Netzausbau werbe, herrschten in der Bevölkerung von Stadt und Ortsteilen „Verwirrung und Unverständnis“. Besorgte Bürger wenden sich an die Kommune oder den Landkreis und bitten um genauere Informationen. Aufklärung tue Not. Vereinzelt berichten Kunden sogar von Haustürbesuchen durch Drückerkolonnen. Auch Jochen Cabanis kam so etwas schon zu Ohren: „Wenn das jemand macht, spricht das nicht für die Seriosität des Unternehmens – wir machen so etwas nicht“, stellt er klar. Doch die Motivation solcher Vorgehensweisen sei klar: Im Türrahmen werde die Oma dann davon überzeugt, diesen Vertrag zu unterschreiben.

Ist auf dem Glasfasermarkt von VS der Krieg ausgebrochen? Zumindest liege die Vermutung nahe, „dass auf Grund der Aktivität des Zweckverbandes im Auftrag der Kommunen jetzt die etablierten Unternehmen aufwachen und zumindest ihre alte Kupfertechnologie mit VDSL und Vectoring etwas aufrüsten“, erklärt Cabanis. In deutschen Großstädten sei dies im übrigen längst passiert, doch hier, im ländlichen Raum habe “keiner der etablierten Telekommunikationsanbieter etwas ohne öffentliche Zuschüsse zur Verbesserung der Breitbandsituation unternehmen„ wollen. Deshalb sei der Zweckverband ja überhaupt erst aktiv geworden.

„Wir ermöglichen es, unseren Unternehmen und den Bürgern eine adäquate Technologie zu nutzen, die in fast allen anderen europäischen Ländern der Standard ist“, sagt er. Aber: Unter dem Strich haben die Kunden in VS und Umgebung nun die Qual der Wahl: Glasfaser-Hausanschluss des Zweckverbandes oder VDSL. Durch den „doppelten Ausbau“ seien nun viele Bürger völlig verunsichert, beziehungsweise sie würden „durch gewisse Äußerungen beeinflusst“.

Dass sich diese Äußerungen nicht nur mit der Technik an sich, sondern bisweilen auch mit dem späteren Kundenservice des Anbieters des Zweckverbandes befassen, schildert eine Kreisbewohnerin. In Canabis’ Augen eine Ungeheuerlichkeit. Ihm selbst seien dahingehende Reklamationen nicht bekannt.

Mit dem bisherigen Verlauf im Geschäftsgebiet zeigt sich Canabis zufrieden. Die Akzeptanz sei im Schwarzwald-Baar-Kreis „schon enorm hoch“. „Wir haben mit die höchsten Anschlussquoten und man muss schon länger suchen, bis man ähnlich erfolgreiche Aktivitäten findet.“ Dies belege auch den hohen Bedarf und sei auch dadurch möglich geworden, dass der Zweckverband in enger Zusammenarbeit mit den Verwaltungen, den Ortsvorstehern und Meinungsbildnern wie beispielsweise der IHK Hand in Hand arbeite. (sbo)

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