„Informationspolitik ist eine Katastrophe“: Zukunft von Mitarbeitern des Real-Marktes ist ungewiss

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Rund 100 Mitarbeiter des Real-Markts im Schwarzwald-Baar-Center bangen um ihre Zukunft.
Rund 100 Mitarbeiter des Real-Markts im Schwarzwald-Baar-Center bangen um ihre Zukunft. (Foto: Marc Eich)
Marc Eich

Nach dem Verkauf der Supermarkt-Kette Real herrscht bei den Mitarbeitern große Unruhe. Auch die Zukunft am Standort im Schwarzwald-Baar-Center ist ungewiss. Während Verdi die Arbeitsplätze in Gefahr sieht, brodelt es in der Gerüchteküche hinsichtlich einer möglichen Übernahme.

Die Mitarbeiter der Real-Märkte in ganz Deutschland blicken derzeit in eine ungewisse Zukunft. Der Grund: Der Real-Mutterkonzern Metro will die Supermärkte verkaufen, was mit den Filialen geschieht, ist bislang aber unklar. Überregionale Medien berichten, dass Edeka an der Teilübernahme interessiert ist, die Verantwortlichen schweigen derzeit noch zu den Informationen.

Und auch in Villingen-Schwenningen ist die Unsicherheit am Standort im Schwarzwald-Baar-Center spürbar. Denn seit Frühling scheint es nicht klar, ob oder in welcher Form es für die knapp 100 Mitarbeiter am Neuen Markt im Zentralbereich der Doppelstadt weiter geht.

Die Informationspolitik ist eine Katastrophe, nicht einmal die Betriebsräte wissen Bescheid!

Markus Klemt, Fachbereichssekretär Handel beim Bezirk Südbaden Schwarzwald

Die Unruhe dürfte seit den jüngsten Medienberichten nochmals zugenommen haben. Und auch die Gewerkschaft Verdi beobachtet die aktuelle Situation mit Argwohn. Markus Klemt, Fachbereichssekretär Handel beim Bezirk Südbaden Schwarzwald, erklärt, dass jegliche Informationen zur Zukunft der Märkte und der Belegschaft derzeit „im Bereich der Spekulation“ liegen würden. Klemt: „Die Informationspolitik ist eine Katastrophe, nicht einmal die Betriebsräte wissen Bescheid!“ So würden die Betroffenen derzeit in einer Starre verharren und jeden Tag auf neue Nachrichten warten.

Klemt, der für die Märkte in Villingen-Schwenningen, Donaueschingen, Oberndorf, Tuttlingen und Singen zuständig ist, sieht die Entwicklung jedoch mit Sorgen. Auch für den Real-Markt am Schwarzwald-Baar-Center. Denn aus seiner Sicht dürfte Edeka nicht an dem dortigen Standort interessiert sein. So ist der Handelsriese bereits bestens in der Region vertreten, eine weitere Expansion kann sich der Gewerkschafter nicht vorstellen.

Viel mehr sei eine andere Kette im Gespräch. So ist bereits seit Längerem bekannt, dass auch Kaufland in die Doppelstadt drängen möchte. Diese Informationen liegen Klemt ebenfalls vor. So habe der Lebensmittelvollsortimenter, der wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe und in Bad Dürrheim vor Ort ist, wohl auch Interesse daran gehabt, im geplanten Forum VS in Schwenningen einer der Ankermieter zu werden. Es liegt daher nahe, dass Kaufland nun den Real-Markt am Neuen Markt im Blick hat.

Villingen-Schwenningen ist grundsätzlich ein interessanter Standort.

Ein Sprecher von Kaufland

Und tatsächlich: Bei der Pressestelle des Unternehmens zeigt man sich nicht abgeneigt. So heißt es auf Anfrage, dass man „immer an attraktiven Standorten“ interessiert und darüber hinaus bestrebt sei, das „Filialnetz in der Region weiter auszubauen“. Zitat: „Villingen-Schwenningen ist grundsätzlich ein interessanter Standort.“ Nähere Angaben wolle man zum derzeitigen Zeitpunkt jedoch noch nicht machen.

Was zunächst für Mitarbeiter von Real positiv klingen könnte, hat aber eine Kehrseite. Denn sollte es tatsächlich zu einer Übernahme kommen, ist eine längere Umbauphase sicherlich nicht zu vermeiden. Und das hat Folgen. Klemt: „Ab einem dreiviertel Jahr Umbau gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Betriebsübergang.“ Das heißt die Arbeitsplätze seien in diesem Fall in Gefahr. „Das haben wir auch bei der Pleite von Praktiker erlebt“, erinnert sich der Gewerkschaftssekretär zurück.

So kann das Unternehmen Personal, welches zu teuer geworden ist, loswerden.

Markus Klemt, Fachbereichssekretär Handel beim Bezirk Südbaden Schwarzwald

Ganz Schwarzmalen möchte Klemt jedoch nicht. Denn die Unternehmen seien sich ebenfalls bewusst, dass es im Bereich des Handels schwierig sei, neues Personal zu finden. Kündigungen seien deshalb nicht immer zielführend.

Allerdings bestehe grundsätzlich die Gefahr, dass beispielsweise ältere Verkäufer, die noch mit guten Verträgen ausgestattet sind, zukünftig möglicherweise durch 450-Euro-Kräfte ausgetauscht werden. „So kann das Unternehmen Personal, welches zu teuer geworden ist, loswerden.“

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