Gegn Widerstände den Aufstieg geschafft

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 Hatten in der Reihe „Lebensweisen“ ein gutes Gespräch: Knud Eike Buchmann (von links), Birgit Hakenjos-Boyd, Sandro Camilli und
Hatten in der Reihe „Lebensweisen“ ein gutes Gespräch: Knud Eike Buchmann (von links), Birgit Hakenjos-Boyd, Sandro Camilli und Christa Lörcher (Foto: Heinig)
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Die Gesprächsreihe „Lebensweisen“, kreiert von der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Christa Lörcher und dem Psychologieprofessor Knud Eike Buchmann, hat sich etabliert. Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) standen nun Birgit Hakenjos-Boyd und Sandro Camilli Rede und Antwort.

Die IHK-Präsidentin ist in Schwenningen, der Immobilienökonom in Villingen aufgewachsen. Beide haben in der Wirtschaft Karriere und sich dazu auch ihre Gedanken gemacht, die sie am Dienstagabend mit den beiden Moderatoren und rund 30 Zuhörern teilten.

Birgit Hakenjos-Boyd und Sandro Camilli eint eine prägende Kindheit. Sie stammt aus zwei Schwenninger Familienunternehmen, dem Capitol und einer kleinen Firma am Neckar. „Wir waren aber alles andere als reich“. Dank der Oma wurde kein – kostenloser – Kinofilm für Kinder verpasst. Der Vater sorgte dafür, dass Birgit Hakenjos-Boyd kein Abitur machte, denn „die Familie braucht keine Akademiker“. Die Tochter holte nach der Realschule das Abitur nach und studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Nachdem sie die väterliche Firma übernommen hatte, wurde sie „behandelt wie ein Sohn“.

Bis heute bemerke sie kaum, im Job anders wahrgenommen zu werden als ein Mann, auch wenn „ich auf einer Messe schon manchmal gebeten werde, doch bitte Kaffee zu holen. Aber darüber sehe ich entspannt hinweg“, sagt sie und lacht.

Begonnenes zu Ende zu bringen

Sandro Camilli ist im Steppach in Villingen als Sohn einer Deutschen und eines Italieners aus einer Gastarbeiterfamilie groß geworden. Der Kiosk seiner Mutter war Mittel- und auch Brennpunkt des damals recht verrufenen Wohngebietes. An der Kasse habe er das Kopfrechnen und am Tresen viele Menschen mit gebrochenen Lebensläufen kennen gelernt. Daraus sei sein Anspruch erwachsen, alles, was er einmal begonnen habe, auch zu Ende zu bringen, sagt Camilli. Er besuchte die Hotelfachschule, holte ebenfalls die Hochschulreife nach und studierte in Stuttgart Immobilienwirtschaft.

Als Ökonom auf diesem Gebiet arbeitete er 17 Jahre lang für weltweit namhafte Firmen und wagte aus der Sicherheit heraus den Sprung in die Selbstständigkeit. Das Risiko einzugehen, habe sich gelohnt, resümierte der 55-Jährige und rät deshalb jungen Menschen, etwas zu wagen.

Um die wirtschaftliche Situation Deutschlands und der Region befragt, ist Birgit Hakenjos-Boyd nach „vernünftigen Gesprächen“ mit Politikern optimistisch, allerdings „dauert alles einfach zu lange“. Unternehmen heiße es zu unterstützen, um Arbeitsplätze gleich Wohlstand zu erhalten in der industriestärksten Region Europas und dem Weltzentrum der Medizintechnik.

Camilli hob die soziale Marktwirtschaft, die duale Ausbildung und die Familienunternehmen hervor, die Deutschland zu Wohlstand geführt haben, was derzeit häufig vergessen werde. Trotz teilweise „bedenklicher“ Entwicklungen, sei er aber guter Dinge, „dass wir die Kurve noch kriegen“.

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