Auch die Apotheken erleben einen Ansturm; hier auf Medikamente.
Auch die Apotheken erleben einen Ansturm; hier auf Medikamente. (Foto: Zensen)
sbo und Eva-Maria Huber

Sollen die doch Nudeln oder Toilettenpapier kaufen, denken sich manche Kunden und schütteln den Kopf. Doch mit Kopfschütteln ist es in anderen Branchen nicht mehr getan. Der Fake-News-Virus steckt Internet-User an, die sich am liebsten massenhaft mit „Wundermitteln“ gegen Corona eindecken würden: Die VS-Apotheken reagieren, um mögliche Engpässe zu verhindern.

Nicht nur in Lebensmittelgeschäften geht das „Hamstern“ um. Dort decken sich Kunden en gros mit Wurstdosen, Nudeln oder Toilettenpapier ein. Seitdem durch das Netz die Nachricht geistert, dass es Medikamente gebe, die den Verlauf einer Coronainfektion begünstigen oder verhindern könnten, erleben die Apotheken aus der Doppelstadt einen Ansturm auf frei verkäufliche Mittel wie Paracetamol. Noch sei man im „grünen Bereich“, doch wenn der Rohstoff für beispielsweise Paracetamol aufgrund einer in die Höhe geschossenen Nachfrage sprunghaft ansteige, dann „könnten wir Lieferprobleme bekommen“, zeigt Anja Mahler von der Apotheke im Schwarzwald-Baar-Center auf. Und damit auch Versorgungs-Engpässe: „Am liebsten würden manche Leute Mittel wie Paracetamol horten. Doch Hamsterkäufe sind nicht die Lösung.“

Denn kaum lesen die Leute etwas im Netz, stürzen sie gleich zu uns.

Mitarbeiterin einer Apotheke

Die hiesigen Apotheker raten nicht nur dazu, zunächst mit Ärzten, Pharmazeuten oder auch über Experten-Hotlines abzuklären, ob eine Infektion mit dem Coronavirus überhaupt vorliege und sich auch auf der Seite des Robert-Koch-Instituts über Standardregeln im Umgang mit der Epidemie zu informieren. „Bei leichten Verläufen“, so die einhellige Meinung, „sollte man erstmal sowieso lieber Zuhause bleiben“. Und Bürger, appelliert Mahler nochmals gerade an die Nutzer sozialer Netzwerke, sollten jede „Nachricht“ und Neuigkeit in Zusammenhang mit Corona auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre „Nebenwirkungen“ testen. „Denn kaum lesen die Leute etwas im Netz, stürzen sie gleich zu uns“, berichtet eine weitere Mitarbeiterin.

Die Apotheken reagieren auf den Ansturm. Das versuchte „Hamstern“ einzelner Medikamente hat Apotheken zum Reagieren gezwungen, „ansonsten steuern wir wirklich auf einen Engpass zu“, heißt es. Medikamente wie Paracetamol werden beispielsweise nur noch limitiert ausgegeben, pro Haushalt eine begrenzte Anzahl an Tabletten. Auch Ärzte wie Michael Ehret, der Vorsitzender des Ärztlichen Kreisvereins der Landesärztekammer ist, weisen auf die Gefahren hin, die unüberlegt prophylaktisch eingenommene Dosen an Medikamenten mit sich bringen.

„Panikmache ist das letzte, was wir jetzt brauchen können.“ Wichtig sei jetzt vor allem „eine gute Handhygiene“ und ein überlegtes Handeln. Ein anderes Bild in punkto Patienten-Reaktionen zeichnen Ärzte aus VS. „Es ist relativ ruhig“, beschreibt Klaus Dold die Situation und warnt wie Kollege Michael Ehret vor „Panikkäufen von Medikamenten“. Auch der Verbandsvertreter Ehret spricht von äußerst disziplinierten Patienten: „Die trauen sich kaum noch in die Praxen.“

Viel ärgerlicher für die beiden Mediziner dagegen ist, dass Bürger, die bei sich eine mögliche Infizierung sehen, auf eigene Faust zur Testung aufs Schwenninwger Messegelände gehen. „Doch ohne eine ärztliche Überweisung geht das nicht“, appellieren sie. Erst vor kurzem seien rund 60 Bürger wieder weggeschickt worden, weil sie „einfach ohne Zettel an der Teststelle auftauchten“. Wie kommt eine Überweisung in diesen kritischen Zeiten an einen möglich kranken Patienten? Die Mediziner behelfen sich ganz unterschiedlich: „Manche heften den Überweisungsschein hinter ihre Briefkästen.“ Was raten die hiesigen Mediziner? Ruhe bewahren, Hygieneregeln befolgen, Solidarität zeigen.

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