Almut Meyer (im Rollstuhl) verliest beim Gedenken der Atombomenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki Erinnerungen von Opfern, nebe
Almut Meyer (im Rollstuhl) verliest beim Gedenken der Atombomenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki Erinnerungen von Opfern, neben ihr Christa Lörcher. (Foto: Heinig / sbo)
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„Gedenken reicht nicht – Atomwaffen abschaffen“ steht auf dem Banner, das das Regionale Friedensbündnis VS auf dem Osianderplatz zwischen zwei Bäume gespannt hat. Rund 60 Menschen nahmen am Gedenken der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki teil.

Das Grauen jährt sich zum 74. Mal. Dass seine Entsetzlichkeit nicht in Vergessen gerät, dafür sorgen die örtlichen Aktivisten um Helmut Lohrer, Christa Lörcher, Almut Meyer, Ekkehard Hausen, Isabell Kuchta-Papp, Heide Muthschler und Alexander Schleicher mit einer alljährlichen Mahnwache für die Opfer der von Menschen verursachten Katastrophe. Über 200 000 Menschen wurden damals getötet, Zehntausende starben an den Spätfolgen von Verletzungen, Verbrennungen und Radioaktivität.

Mit den Worten „wir verharmlosen schon, wir wollen ja nicht, dass es jemandem übel wird“, beginnt Almut Meyer über Schicksale derjenigen Japaner zu berichten, die „diesen kobaltblauen Blitz“ am 6. August 1945, morgens um 8.15 Uhr sahen.

Ein damals 25-jähriger Soldat berichtet von „Schmerzen, als hätte ich Gift geschluckt“, von einem Boden, so heiß wie eine angeschaltete Herdplatte und von Stille und Dunkelheit. Er erinnert sich an die vielen Menschen, die „haarlos und mit nackten und russgeschwärzten Körpern“ neben ihm auf dem Boden lagen und keinen Laut von sich gaben. „Es waren Höllenbilder ohne Höllenlärm“, schreibt der spätere Jurist in seinem Buch, das 2015 auch auf Deutsch erschien.

„Little Boy“ war der verharmlosende Name dieser Bombe, erinnerte Helmut Lohrer, aktiv im Vorstand Internationaler Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), am Dienstagabend die Zuhörer daran, dass der Abwurf für den Kriegsverlauf zudem nicht mehr relevant war, weil Japan bereits kapituliert hatte. „Das ist Geschichte, Atomwaffen sind aber leider keine Geschichte“, so Lohrer.

Er sorge sich darum, dass die Erinnerungen verlorengehen und wünsche sich mehr Menschen, die gedenken, „wir sind noch viel zu wenige“. Japan ist weit, doch Atomwaffen sind nah: Im deutschen Büchel lagern bis heute 20 atomare Bomben, jede 25 Mal stärker als „Little Boy“. Insgesamt seien in Deutschland 15 000 Atomwaffen stationiert, die in ein „fehlerhaftes“ Frühwarnsystem eingebunden seien.

Lohrer zitierte einen ranghohen Militär, der drei Gründe dafür nannte, dass „wir noch am Leben sind“: erstens durch „militärische Disziplin“, zweitens aufgrund „schieren Glücks“ und drittens Dank „göttlicher Vorsehung“.

„Wir müssen dafür kämpfen, dass die Waffen aus Büchel abgezogen werden“, rief Lohrer. Für eine musikalische Umrahmung der Gedenkfeier bei Kerzenschein sorgte Ekkehard Hausen zusammen mit Ute und Felicitas Bott.

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