Flüchtlingskinder um die Geschenke gebracht

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Diese Geschenke warten noch darauf, bei den Kindern in der Notunterkunft auf der Messe verteilt zu werden.
(Foto: Bloss)
Mareike Bloss

Der Bedarf an Spenden für die Flüchtlinge der Erstaufnahmestelle (BEA) auf dem Messeareal ist nach wie vor groß. Trotzdem musste eine Schwenningerin jetzt eine bittere Erfahrung machen: Sie wurde am Eingang wieder weggeschickt.

Es war an Heiligabend, als sich Rotraud Gruber mit zwei Taschen vollgepackt mit Kinderspielzeug und Bastelmaterial voller Vorfreude auf den Weg zur Messe machte. Bereits einen Tag zuvor war sie vor Ort gewesen, um sich nach möglichen Empfängern für die zahlreichen Spielsachen, die sie noch von ihrer Tochter übrig hatte, zu erkundigen.

Nur ungern und nach nachdrücklicher Bitte, so berichtet die Schwenningerin, hätten an diesem Tag zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes Securitas am Eingang eine zuständige Kinderbetreuerin der Notunterkunft herbeigerufen. Deren Augen jedoch hätten geleuchtet, als Gruber von ihrem Anliegen, pünktlich zu Weihnachten den Kindergarten mit Spielsachen versorgen zu wollen, erzählte. Denn bisher habe keiner so sehr nach dem Wohl der Kinder gefragt wie sie.

So hatte Gruber mit der Kindergärtnerin im Beisein der Securitas-Mitarbeiter ausgemacht, am nächsten Tag mit den Spielsachen wiederzukommen. Doch was sie am Morgen des 24. Dezember erleben musste, macht die Schwenningerin noch bis heute wütend: „Die Mitarbeiter weigerten sich, die Kinderbetreuerin ein zweites Mal zu informieren und zum Eingang zu holen, obwohl es ausgemacht war.“ Stattdessen sei Gruber vor die Wahl gestellt worden: Entweder, sie liefere die Sachen vorne ab, oder sie könne sie direkt wieder mitnehmen. „Dieses abwertende Verhalten ist wirklich unglaublich. Man sollte schon ein bisschen mehr Vertrauen in die Menschen haben“, sagt Gruber, die daraufhin „frustriert“ mit den vollgepackten Taschen wieder weggefahren sei. Denn eines war Rotraud Gruber bei der Spendenaktion besonders wichtig: nicht anonym zu bleiben und sicher zu sein, dass die Spenden an den richtigen Adressaten gelangen. „Ich möchte die Spielsachen dort wissen, wofür ich sie gedacht habe: um den Kindern eine Freude zu machen.“

Auch weitere Versuche, die Spende an den Mann zu bringen, scheiterten: So habe das Bürgeramt Gruber ans Landratsamt verwiesen – mit dem Zusatz, in Schwenningen kümmere sich sowieso niemand um die Flüchtlinge. Und auch das Landratsamt konnte nicht weiterhelfen. „Es fühlt sich wohl keiner zuständig“, so die Schwenningerin empört.

„Die Sache ist unschön gelaufen“, meint Matthias Henrich, Pressesprecher vom Regierungspräsidium Freiburg. Und verweist sowohl auf die mangelnde Erreichbarkeit der zuständigen Personen rund um die Feiertage als auch auf die strengen Auflagen und Sicherheitsmaßnahmen, die in der BEA herrschen, sowohl zum Schutz der Flüchtlinge als auch der Bürger.

Mitarbeiter vorher informieren

Wichtig sei, dass die Mitarbeiter vor Ort vorher Bescheid wüssten, wenn Bürger kommen. Telefonnummern von Zuständigen würden bei Bedarf ebenso weitergegeben. Trotz ihres Ärgers hat Rotraud Gruber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Spielsachen doch noch ihren gewünschten Empfänger erreichen. „Die beiden Taschen stehen immer noch gepackt im Auto. Und schenken, das kann man natürlich nicht nur an Weihnachten.“

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