Festival feiert 60 Jahre Jazz in Villingen

 Georg Seiler (von links), Simeon Disch, Friedhelm Schulz und Dieter Dorer haben sich um das Jubiläum „60 Jahre Jazz in Villinge
Georg Seiler (von links), Simeon Disch, Friedhelm Schulz und Dieter Dorer haben sich um das Jubiläum „60 Jahre Jazz in Villingen“ gekümmert. (Foto: Marc Eich)
sbo und Marc Eich

Mit einem hochklassigen und umfangreichen Programm werden 60 Jahre Jazz in Villingen gefeiert. Anlässlich des besonderen Ereignisses wird auch der legendäre Villinger Jazzclub geöffnet – allerdings nicht für Konzerte.

Jazzin’ The Black Forest“ heißt es auch in diesem Jahr in der Doppelstadt. Das Festival steht dabei unter einem besonderen Stern – so werden 60 Jahre Jazz in Villingen gefeiert.

Es sind gleich zwei für die Jazz-Szene in Villingen einschneidende Ereignisse im Jahr 1961, die nun – genau 60 Jahre später – für ein besonderes Jubiläum in VS sorgen. So gab es neben der Gründung des Jazzclubs, der zu den ältesten seiner Art in ganz Deutschland gehört, auch erste Jazz-Aktivitäten rund um das ebenso legendäre MPS-Studio.

„Das war eher Zufall“, sagt Friedhelm Schulz, Verantwortlicher beim Förderverein des MPS-Studios. So habe die Saba-Radiofabrik in den 50er-Jahren ein Studio aufgebaut, um Musikbände zu bespielen. Dass sich zu dieser Zeit junge Jazz-Begeisterte in Stellung brachten und die herausragende Aufnahmequalität nutzten, beschwingte die Jazzszene in Villingen nachhaltig.

Grund genug, das Doppeljubiläum mit einem besonders umfangreichen Programm zu feiern – als Kooperation zwischen dem Jazzclub Villingen und dem Förderverein MPS-Studio.

Das Programm

Die inoffizielle Eröffnung der Feierlichkeiten ist bereits am kommenden Freitag. Eingeladen wird zu einer ungewöhnlichen Ausstellung in den Jazzclub in der Webergasse. „Wir zeigen alte Poster und Requisiten aus der Anfangszeit“, sagt Schulz. Ein von Simeon Disch produzierter Film, der in Dauerschleife laufen wird, hat zudem die Gründer aus der Anfangszeit des Jazzclubs als Protagonisten – inklusive zahlreicher Anekdoten und Erinnerungen an besondere Zeiten.

Nachdem die Räume aufgrund der Coronapandemie mehr als anderthalb Jahre nicht mehr genutzt werden durften, wolle man die Tür über das komplette Wochenende öffnen. Die Eröffnung findet um 18 Uhr statt, Samstag und Sonntag ist jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 8. September, „schenkt“ das Guckloch-Kino dem Jazzclub den Film „Jazz on an Summer’s Day“. Die Vorführung beginnt um 20.15 Uhr.

In die Vollen geht’s dann im MPS-Garten (ausgelegt auf 200 Zuschauer) in der Richthofenstraße – und zwar mit insgesamt elf Konzerten. Mit „Tres“ und dem Tom Timmler Quintett eröffnen am Donnerstag, 9. September, jeweils Bands mit regionalem Bezug. Am Freitag gibt es mit Keita Brönnimann Niggli afrikanische Grooves, bevor die eigene Festival-Formation „Remember Hans Koller“ an einen Musiker mit besonderem Bezug zu Villingen erinnert. Er war einer der Ersten, der 1950 bei Hans-Georg Schwer im Wohnzimmer Aufnahmen anfertigte. Auch Jasper Van’t Hof, der den Freitagabend schließt, gilt als „MPS-Star“ und war gern gesehener Gast im Studio.

Am Samstag freuen sich die Organisatoren um Friedhelm Schulz, Dieter Dorer und Georg Seiler auf drei „europäische Acts der Super-Klasse“ (Schulz). „KUU!“ sei insbesondere beim jungen Publikum angesagt, Elina Duni sorgt für poetisches und folkloristisches Flair, während mit Shake Stew die amtierenden Preisträger beim Deutschen Jazzpreis zu Gast sind. Schulz: „Da fliegen wirklich die Fetzen.“

Am Sonntag werden außergewöhnliche Akzente gesetzt, wie die Programmmacher erklären. Neben dem dadaistischen Jazz von „mottel_shea_barnett_helm“ und dem russisch-estnischen Quartett um Alexej Kruglov und Jaak Sooäär ist insbesondere der Auftritt von Cobody ein Höhepunkt. Denn dort wird erstmals die vom Förderverein über Spendengelder finanzierte Hammond B3-Orgel vom verstorbenen Jazzmusiker Dieter Reith eingesetzt.

Der Ausblick

Doch wie sieht es mit dem weiteren Programm des Jazzclubs aus? Dieter Dorer: „Wir haben zunächst das Gemeindehaus bis Weihnachten gebucht.“ So fand der Club bereits im vergangenen Herbst Exil im Martin-Luther-Haus in Villingen, weil die Pandemie Konzerte in der Webergasse unmöglich machte. Die Atmosphäre sei sicherlich eine andere, sind sich die Verantwortlichen bewusst, aber Dorer freut sich über ideale Rahmenbedingungen in den Gemeinderäumen. „Wir wollen nur mit absehbarer Sicherheit in die Webergasse“, so Dorer. Auch deshalb, weil sich dort nun die gesamte Ausstattung befindet.

Der Zeitplan

Donnerstag, 9. September – 19 Uhr: Tres; 20.30 Uhr: Tom Timmler Quintett. Freitag, 10. September – 17 Uhr: Keita Brönnimann Niggli; 19 Uhr: Remember Hans Koller; 20.30 Uhr: Jasper Van’t Hof, Greetje Bijma, Hans Fickelscher. Samstag, 11. September – 17 Uhr: KUU!; 19 Uhr: Elina Duni; 20.30 Uhr: Shake Stew. Sonntag, 12. September – 17 Uhr: mottel_shea_barnett_helm; 19 Uhr: Cobody; 20.30 Uhr: Alexej Kruglov und Jaak Sooäär Quartett.

Karten gibt es beim Ticketservice der Stadt VS: 07721/822525 oder sommer-vs.de. Weitere Informationen unter mps-villingen.de oder jazzclub-villingen.de.

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