Unterschedlich bewerten die Besucher den Jahrmarkt in VS-Schwenningen. Für Eltern mit Kindern ist er aber durchaus ein Anziehu
Unterschedlich bewerten die Besucher den Jahrmarkt in VS-Schwenningen. Für Eltern mit Kindern ist er aber durchaus ein Anziehungspunkt. (Foto: Fotos: Parage)
Verena Parage

Der Jahrmarkt in Schwenningen findet dreimal jährlich statt: im März, September und November. Am gestrigen Sommerjahrmarkt nahmen rund 80 Händler teil, viele sind bereits seit Jahren dabei. Die nächste Auflage findet am 11. November statt, am selben Tag ist verkaufsoffener Sonntag.

Vom Muslen- bis zum Hockenplatz verteilen sich in VS-Schwenningen die Stände der 80 Händler beim Sommerjahrmarkt. Die Auswahl der angebotenen Waren ist groß. Oder doch nicht? Die Bilanz von Händlern und Kunden fällt gemischt aus.

Brausestäbchen, Magenbrot, gebrannte Mandeln und Gummischlümpfe: Am Stand von Hardy Nerpel gibt es das, was Kinder an Jahrmärkten so lieben. Und Erwachsene. Ein älterer Herr stellt seinen Rollator ab und schaut sich die Auslage an. „Ich krieg’ 100 Gramm Erdnüsse“, sagt er. „Und ein bisschen Lakritz.“ Seit rund 20 Jahren ist Nerpel mit seinen Süßwaren in VS-Schwenningen vertreten. „In der Regel dreimal im Jahr.“ Ob er den Schwenninger Jahrmarkt mag? „Wir mögen nicht mehr viel“, sagt Hardy Nerpel. Viele alte, traditionelle Händler hören auf, erklärt der Engener. Stattdessen gebe es immer mehr Kleiderstände und Handtaschenverkäufer. Das ist es, was er meint, wenn er sagt, das Marktbild habe sich verändert.

Und das ist es, was auch Eleonore Ebert auffällt. Sie bietet an ihrem Stand Ledergürtel, Bürsten und andere Haushaltswaren an. Auch die Mariazellerin beobachtet, dass an vielen Ständen Billigprodukte aus China angeboten werden. „Das ist auch für die Leute schlecht. Sie sagen: Es gibt ja nichts Gescheites mehr.“ In BS-Schwenningen sei dies ganz besonders so. Auch Ebert macht ihre Arbeit nicht mehr so gern wie früher: „Es ist schwierig.“ 15-Stunden-Tage (“mindestens“) seien normal. Zudem habe sich das Kundenverhalten verändert. Manchen sei die Auswahl nicht groß genug, andere wollten übermäßig viel Beratung. Ihre Söhne werden den Betrieb nicht übernehmen, in drei oder vier Jahren sei deshalb Schluss.

Mohammad Jameel ist einer, der an seinem Stand günstige Kleidung anbietet. Sein Angebot mag anders sein, seine Sorgen sind dieselben wie die von Nerpel und Ebert. Die Kunden bleiben aus. Schon seit ein paar Jahren laufen die Geschäfte nicht so gut, berichtet der Villinger. Auch auf dem Markt in seinem Stadtbezirk – der findet zweimal im Jahr viertägig statt – sei es nicht besser. Seit 27 Jahren verkauft er Kleider, viele seiner Kollegen sind schon in Rente, sagt Jameel. Hardy Nerpel denkt ebenfalls ans Aufhören. Zwar erst in zehn Jahren, schiebt allerdings hinterher: „Wenn es so lange noch geht.“ Er hat festgestellt, dass es in vielen Städten einen „Trend gegen Märkte“ gibt – in seiner Heimat Engen etwa hat der Gemeinderat 2016 beschlossen, Jahrmärkte seien nicht mehr zeitgemäß. In Schwenningen zumindest hat Nerpel das Gefühl, dass es anders ist: Der Marktmeister setze sich ein für die Jahrmärkte. Gleichwohl wäre es Nerpel lieber, der Markt wäre kleiner, dafür die Qualität der Stände höher.

Marianne Neubieser, die über den Markt schlendert, vermisst ebenfalls das Besondere: Keramik oder anderes Kunsthandwerk. Eben Stände, bei denen man sich sage: „Da gehe ich nächstes Jahr wieder hin.“ Doch es gibt auch andere Stimmen. Beispielsweise Debora und Slavko Presnec. Der Papa dreht mit Söhnchen Adrijan schon die dritte Runde auf dem Kinderkarussell. Das Paar findet den Markt schön und die Auswahl gut. „Es gibt auch viel Gutes für Kinder“, ergänzt die Schwenningerin.

Walting und Sonja Goedhart geht es ähnlich. Die beiden Niederländer machen seit vielen Jahren Urlaub in Vöhrenbach. Früher seien sie viel gewandert. Inzwischen, mit zunehmendem Alter, sind sie eher in den Städten der Region unterwegs. Sie mögen Schwenningen. Und sie mögen den Sommerjahrmarkt.

Der Jahrmarkt in Schwenningen findet dreimal jährlich statt: im März, September und November. Am gestrigen Sommerjahrmarkt nahmen rund 80 Händler teil, viele sind bereits seit Jahren dabei. Die nächste Auflage findet am 11. November statt, am selben Tag ist verkaufsoffener Sonntag.

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