Ewald Baumann sucht seit Oktober 2019 einen alternativen Standort für sein Fahrradlager. Seit März versucht er die Stadt Villing
Ewald Baumann sucht seit Oktober 2019 einen alternativen Standort für sein Fahrradlager. Seit März versucht er die Stadt Villingen-Schwenningen dazu zu bewegen, ihm das Beethovenhaus als Lagerort vorübergehend zur Verfügung zu stellen. (Foto: Pohl)
sbo und Michael Pohl

Nach eineinhalb Jahren Aufschub ist nun endgültig Schluss: Das Projekt „Fahrräder für Afrika“ hat ab 1. Juli keinen Lagerraum mehr. Initiator Ewald Baumann sucht bislang vergeblich nach einem neuen Standort und bringt das leer stehende Beethovenhaus ins Gespräch.

In einer E-Mail richtet sich Ewald Baumann mit seinem Problem nicht nur an die Presse, sondern informiert und sucht Hilfe bei sämtlichen Gemeinde- und Kreisräten. Kurz schildert er die Sachlage: „Die Firma Industriebau Haller hat nun endgültig eine Räumungsfrist des ,Fahrräder für Afrika’-Lagers in der Lichtensteinstraße bis zum 30. Juni wegen dringendem Eigenbedarf (Sanierung) angemahnt, ansonsten droht ab dem 1. Juli die Zwangsräumung durch ein bereits beauftragtes Entsorgungsunternehmen. Bereits gegen Ende 2018 hätten wir das Lager in der Lichtensteinstraße offiziell räumen sollen, und ich kann verstehen, dass die Firma Industriebau Haller mit der Geduld am Ende ist.“

Zukunftspläne des Beethovenhauses kommen in den Rat Nach eigenen Angaben hatte sich Baumann keinesfalls auf dem eineinhalbjährigen Aufschub der Schwenninger Firma, die ihre Halle mietfrei zur Verfügung gestellt hatte, ausgeruht. Vielmehr, so schildert er, seien seine Bemühungen, eine Alternative zu finden, ins Leere gelaufen. „Bereits am 30. Oktober 2019 habe ich in einem Schreiben an Herrn OB Roth auf die äußerst missliche Lage hingewiesen, und die Stadt VS und den Schwarzwald-Baar-Kreis um die Bereitstellung einer weiteren Fahrradlager- und Werkstattmöglichkeit gebeten.“ Eine für Baumann denkbare Option wäre das leer stehende Beethovenhaus. Er schlägt der Stadt eine Zwischennutzung des Beethovenhauses – „wenigstens für ein halbes Jahr“ – gegen eine Kautionszahlung vor. Doch das lehne die Stadt laut Baumann „kategorisch“ ab. Er beruft sich auf eine schriftliche Begründung, die ihm ein Kreisrat zukommen lassen habe. Darin heiße es: „Egal was mit dem Gebäude oder Gelände geschieht, die Stadt möchte frei sein, sie möchte sich in keiner Weise binden.“

Ewald Baumann interpretiert diese Ansicht so: „Man befürchtet bei Verkauf oder Abriss den nicht rechtzeitigen Auszug des Nutzers. Ein besenreiner Leerstand, anstelle einer Zwischennutzung bis zum Verkauf/Abriss ist der bequemere Weg, er bedeutet für die Stadt weniger Arbeitsaufwand und weniger Risiko.“ Die Stadt äußert sich dazu auf Nachfrage so: „Wir sind schon sehr lange mit Herrn Baumann immer wieder in Gesprächen, aber wir sehen keine Möglichkeit, Räume zur Verfügung zu stellen, weil wir diese, wie sie Herr Baumann benötigt, nicht haben“, erklärt die städtische Sprecherin Madlen Falke. Seinen konkreten Vorschlag, das Beethovenhaus zu nutzen, sei laut Falke keine Option, weil nur für kurze Zeit möglich. „Die Zukunftsplanung des Beet hovenhauses kommt in einer der nächsten Sitzungen auf die Tagesordnung des Gemeinderates. Hier wird sich also demnächst etwas tun“, begründet Falke die Sachlage.

Auch bei einem anderen Eisen, das Ewald Baumann seinen Angaben nach im Feuer habe, seien die Verhandlungen mühsam. Eine vorübergehende Unterbringung kann sich Baumann auch im „ehemaligen Kinderkurheim an der Frühlingshalde“ vorstellen. Diese Immobilie gehöre dem Land Baden-Württemberg und stehe ebenfalls leer. Auch um Lagerhallen am Güterbahnhof in Villingen habe er sich schon bemüht. Bislang beides ohne Aussicht auf Erfolg. Viel Zeit bleibt Ewald Baumann nicht mehr, um zahlreiche Fahrräder, die in Containern ihren Weg nach Ghana, Uganda oder Burundi finden sollten, zwischenzulagern. Denn am 30. Juni ist definitiv Räumungszeitpunkt.

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