Können eigentlich zufrieden sein (von links): Alexander Türschmann (Polizeirevier Schwenningen), Detlef Eggert (Kriminalpolizei
Können eigentlich zufrieden sein (von links): Alexander Türschmann (Polizeirevier Schwenningen), Detlef Eggert (Kriminalpolizei VS) und Thomas Barth (PolizeirevierVillingen), bei der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018. (Foto: Eich)
Eva-Maria Huber

Für eine Tatort-Reihe reicht es sicherlich nicht: In der Doppelstadt lebt es sich vergleichsweise sicher. Was den Beamten der beiden Polizeireviere in Villingen.Schwenningen und Bürgeramtsleiter Ralf Glück jedoch an die Nieren geht ist eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst (KOD).

Was nicht nur Oberbürgermeister Jürgen Roth am Dienstag brennend interessiert: „Was hat sich denn verändert?“ Die gute Nachricht hörte er bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2018 von Polizeioberen der VS-Reviere zuerst: Die Zahl der Straftaten ist rückläufig. Im Vergleich zu anderen Städten mit teils deutlich geringeren Einwohnerzahlen lasse es sich in VS in punkto Sicherheit gut leben. Wenn auch mit einer Einschränkung, die Detlef Eggert (Kriminalpolizei VS) formuliert: 2019 könnte die Bilanz wieder etwas anders ausfallen, „denn die Straftaten steigen wieder“.

Weg von den Spekulationen über eine mögliche Verschlechterung und hin zu den harten Fakten, die fast zwei Stunden lang präsentiert werden. Die Zahlen sprechen jedoch nicht nur für sich, relativiert Alexander Türschmann vom Polizeirevier VS-Schwenningen. Diese seien nur das Abbild einer bekannten Kriminalität und seien nur seriös, wenn man auch Dunkelfeldforschung betreibe. VS mit seinen 845 77 Einwohnern habe im abgelaufenen Jahr 2018 einen Rückgang der Straftaten um 9,5 Prozent erlebt (und damit um 397 Taten), der Landkreis um stark zehn Prozent. Was die Häufigkeitszahl anbelangt (der Gradmesser in punkto Kriminalitätsbelastung einer Kommune) liege VS unter dem Landesdurchschnitt. Der Vergleich mit anderen Kreisstädten zeige zudem, dass Städte mit deutlich niedrigeren Einwohnerzzahlen schlechter dastehen, eklatantes Beispiel: Tuttlingen.

Kein Wunder lächelten die Beamten in die Runde, als es um die Aufklärungsquote ging. Die sei zwar leicht zurückgegangen. Im langjährigen Vergleich erreiche VS aber noch einen hohen Wert mit mehr als 61 Prozent 2018. Der Grund, so die Analyse der Beamten, liege im Rückgang von Straftaten mit generell hoher Aufklärungsquote. Gestiegen sind dagegen die Wohnungseinbrüche in beiden großen Stadtbezirken.

Zweimal Totschlag

Mord und Totschlag ein Thema für VS? Sicherlich nicht. Steht in der Rubrik „Straftaten gegen das Leben“ im Jahr 2017 eine Null, waren es im darauffolgenden Jahr drei Delikte: „Mord ist bei uns sehr selten der Fall, dann schon eher Totschlag.“ Beim ersten Fall handle es sich um einen Behandlungsfehler, um den sich jedoch die Gutachter der Ärztekammer kümmern. Bei den anderen sei es um versuchten Totschlag gegangen, (einmal mit Baseballschläger, das andere Mal sei ein Messer verwendet worden); in beiden Fällen habe es sich um Streitereien wegen „geschäftlicher Aktivitäten“ gehandelt. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung habe es einen Anstieg um fast fünf Prozent gegeben. Eine Tendenz, die Thomas Barth (Polizeirevier Villingen) auch mit einem verschärften Strafrecht und einer gestiegenen Bereitschaft, Taten anzuzeigen, erklärt.

Wenn es um die „Kriminalitäts-Torte“ geht, beanspruchen Diebstahl, Sachbeschädigung, Rauschgiftdelikte und Rohheitsdelikte (Körperverletzung) den größten Anteil. Brennpunkte in der Stadt, so Barth, seien schwierig zu orten. Zum Thema Färberstraße hat er klare Worte: Weder Körperverletzungen noch Ruhestörungen seien dort ein „Massenphänomen“, die Zahlen liegen im mittleren bis unteren zweistelligen Bereich.

Hier schaltet sich auch Bürgeramtsleiter Ralf Glück ein, er verweist darauf, dass der KOD an bestimmten Punkten in der Stadt eine hohe Präsenz zeige, „um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen“. Fakt ist auch anderes. Das Täterprofil ist auch in VS wie bundesweit gleich: jung, männlich und vielfach auch ausländischer Herkunft. Der Anteil der ausländischen Straftäter liege je nach Delikt, zwischen 52 (Rohheitsdelikte), 66 Prozent (Sexualdelikte), und 100 Prozent (gewerbsmäßige Hehlerei) und sei gestiegen.

Auge auf die Jugend

Ein Auge haben die Beamten um so mehr auf die Jugendkriminalität, seitdem im Jahr 2017 eine „Kanakengang“ (so nannten sich die jugendlichen Täter laut Polizei selbst), Schwenningen unsicher gemacht hat. 80 Prozent dieser jungen Leute haben sich laut Eggert positiv entwickelt, im Zusammenspiel mit Polizei, Jugendamt, Schulsozialarbeit und Staatsanwaltschaft. Die Folge: Der Aufbau einer regionalen Ermittlungsgruppe Jugend, um frühzeitig ausufernde jugendliche Gewalt zu stoppen. „Ein Erfolgsmodell für die Zukunft“, so die Polizeibeamten.

Unerfreulicher Trend: Die Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamten. Barth spricht zwar von einem “stabilen Niveau„, aber nur, wenn man die vielen Beleidigungen nicht mit einbeziehe: Nicht umsonst führe auch die Polizei VS „bodycams“ ein. Der der KOD dagegen erlebt häufig Beleidungen und respektloses Benehmen.

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