Jutta Opel (links) und Margarethe Kugler Paschke berichten von Sterbebegleitung in Zeiten von Corona.
Jutta Opel (links) und Margarethe Kugler Paschke berichten von Sterbebegleitung in Zeiten von Corona. (Foto: Heinig)
sbo und Birgit Heinig

„Du warst so nah und doch so fern. Eine Umarmung mit Dir wurde uns verwehrt. Die Zeit der Krise hat es geschafft. Sie hat uns nicht mehr zusammengebracht. Deinen letzten Weg gingst Du allein, ein Platz im Herzen wird für Dich immer sein“. So der Text einer Todesanzeige, der zeigt, dass die Arbeit bei der Begleitung Sterbender sehr eingeschränkt ist.

„Die Coronapandemie hat unsere Begleitung Sterbender sehr verändert„. Jutta Opel koordiniert gemeinsam mit Karin Schleicher bei der Hospizbewegung Schwarzwald-Baar die Einsätze von 43 ehrenamtlichen Sterbebegleitern. Das Coronavirus hat deren Arbeit sehr eingeschränkt. Sterbenden in ihren letzten Stunden beizustehen, einfache nahe zu sein, dabei auch Angehörige zu unterstützen und damit den Abschied ein wenig leichter zu machen – das hat sich die Hospizbewegung zur Aufgabe gemacht. Eine Aufgabe, die in Zeiten von Corona fast nicht mehr erfüllbar ist.

Die meisten Anfragen nach Sterbebegleitung erhält die Organisation in normalen Zeiten aus Alten- und Pflegeheimen. Mit Auftreten der Infektionsgefahr schlossen diese, Besuche waren nur noch in Ausnahmefällen möglich. „Und auch die wurden immer weniger“, erzählt Margarethe Kugler-Paschke, seit vier Jahren Sterbebegleiterin. Zu Beginn der Pandemie durfte sie noch nach Desinfektion und Fiebermessen mit Mundschutz und Ganzkörperanzug in allen Heimen zu den Sterbenden. Mit fortschreitenden Fallzahlen ging das in einigen Einrichtungen irgendwann nicht mehr.

Auch der Ruf nach häuslicher Begleitung ließ mit Corona nach. Als Teil der speziellen ambulanten palliativen Versorgung (SAPV) sind Ehrenamtliche der Hospizbewegung zwar nach wie vor im Palliativzentrum willkommen, doch die Schutzausrüstung flößt manchen Patienten Angst ein. Sterbende mit einer Corona-Erkrankung hatte man bislang noch nicht zu betreuen. Das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Donaueschingen, in dem die Coronapatienten des Kreises behandelt werden, „hat uns ohnehin nicht auf dem Schirm“, bedauert Jutta Opel. „Auch das Personal von Intensivstationen denkt nicht daran, Sterbebegleiter anzufragen“.

Da sie selbst aus der Pflege komme, könne sie das allerdings gut verstehen: „An diesen Orten steht einfach die medizinische Versorgung im Fokus“. Im Blick hat Jutta Opel freilich auch den Schutz der Sterbegleiter. Einige gehören zur Risikogruppe und pausieren, manche bieten alternativ telefonische Begleitung an, andere wiederum machen einfach weiter.

So wie Margarethe Kugler-Paschke. „Ich habe keine Angst“, sagt sie. Den Empfehlungen, Schutzausrüstungen zu tragen und mit den Sterbenden nicht zu singen, komme sie nach, doch beim Einhalten des Mindestabstandes sieht sie Probleme: „Wie soll ich denn da eine Hand halten?“ Die heikle Frage der Nähe am Lebensende könne mit einer Patientenverfügung beantwortet werden, weist Jutta Opel darauf hin, dass dieses Dokument wichtig und neben Tipps dazu bei der Hospizbewegung zu bekommen ist. So könne jeder selbst entscheiden, ob und in welcher Form er einst eine Sterbebegleitung in Anspruch nehmen will.

Weniger Fallzahlen bedeuten für die Hospizbewegung auch weniger Fördergeld aus den Töpfen der Krankenkassen. Und da bekommt die Coronapandemie für den gemeinnützigen Verein eine wirtschaftliche Relevanz. Für 154 Begleitungen erhielt man im vergangenen Jahr etwas mehr als 90 000 Euro, ein normalerweise ausreichender Betrag. Jetzt befürchtet Jutta Opel Einschränkungen, zum Beispiel bei der Ausrichtung eines neuen Ausbildungskurses für ehrenamtliche Sterbegleiter, der für September geplant ist. 24 Interessenten stehen auf der Liste, angesichts einer Altersstruktur des aktiven Teams von 50 bis 84, eine erfreuliche Zahl. Die Kosten und die Auflagen wegen Corona setzen allerdings noch ein Fragezeichen dahinter.

Schwierige Zeiten erfordern alternative Ideen. In der „Kreativbox“ der Hospizbewegung werden sie gesammelt und sie reichen von Postkarten-, Blumen- und Kuchensendungen, über die Vermittlung von Videoaufnahmen oder Fotocollagen, Gesprächsangebote für leidende Angehörige und die Organisation von Skypesitzung bis hin zum Einkaufs- und Besorgungsservice. Jutta Opel sagt dazu: „Es geht uns schließlich um die Menschen“.

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