„Es fällt mir nicht leicht, zu gehen“

Lesedauer: 6 Min
sbo und Mareike Kratt

Es war zwar nicht die offizielle Verabschiedung von Manfred Koschek in den Ruhestand, aber dafür eine herzliche und emotionale interne Feier: Schüler und Lehrer des Gymnasiums am Deutenberg in VS-Schwenningen überraschten ihren Schulleiter am letzten Schultag mit zahlreichen Höhepunkten.

Am Ende war Rektor Manfred Koschek nur noch sprachlos und zu Tränen gerührt. „Irgendwie haut es mich alles um, der Abschied heute ist besonders heftig“, sagte er bei der Feier im Neubau als Antwort auf die zahlreichen Dankesreden, Einlagen, Geschenke und Überraschungen, die er am Freitag erfahren durfte.

Rund viereinhalb Stunden zurück: In der Turnhalle entlässt Manfred Koschek die Schüler nicht nur wie gewohnt in die Ferien, nein, er muss sich diesmal ganz von ihnen verabschieden. „Sie hatten immer das Wohl aller im Blick, ohne den Einzelnen zu vergessen“, hebt Leonhard Kunze von der Schülermitverantwortung (SMV) hervor. Als Dank für sein Engagement als „hervorragender Schulleiter“ bekommt dieser ein Bild mit GaD-Logo aus den Köpfen aller Schüler. Doch das ist nicht alles, was sich die SMV für den Abschied ausgedacht hat: Zu einem Medley aus aktuellen, passenden Songs, unter anderem Mark Fosters „Au revoir“, rühren die Schüler ihren Chef das erste Mal zu Tränen – oder sind selber gerührt, als sie sich teils persönlich von ihm verabschieden.

Luftballons mit Wünschen fliegen

Draußen im Stadion geht’s weiter mit dem Überraschungsreigen: Jeder Schüler nimmt seinen vorgegebenen Platz ein und lässt Luftballons, an denen er Postkarten mit Wünschen für den Rektor befestigt hat, steigen. Dieser schüttelt nur noch den Kopf. Nach der offiziellen Dienstbesprechung mit Verabschiedung anderer Lehrkräfte im GaD-Neubau hat dann das Lehrerkollegium das Sagen: Mehr als zwei Stunden lang gibt es Dankes- und Lobesworte zu hören. Abteilungsleiterin Christiane King beleuchtet mit einer Bilderschau Koscheks Wirken in seinen unterschiedlichen Funktionen, der bereits zu Beginn seiner 40-jährigen Amtszeit Schulfeste und Schullandheimaufenthalte organisiert habe. Schaue man sich die äußere und innere Entwicklung des GaD an, sähe man, wie „arbeitswütig“ Koschek gewesen sei. „Suche den Chef, finde den Menschen“, fasst King treffend zusammen.

Koscheks Stellvertreter, Michael Schütz, hebt seine Motivation, mit der er auch andere anstecken konnte, hervor. Er habe viele Anstöße für Neuerungen geben können, ganz frisch für den Medienentwicklungsplan, der an das Gymnasium kommen soll. Der ehemalige Stellvertreter Hanno Groh, der mit mehreren anderen ehemaligen Lehrern sich die Verabschiedung nicht entgehen lassen wollte, reimt in Goethe- und Schiller-Manier eine „Ode an den Schulleiter“ und präsentiert ihm anschließend ein Erste-Hilfe-Paket für Pensionäre. Eine Einladung zum monatlichen Treffen der Ehemaligen gibt’s natürlich obendrauf.

Als Geschenk gibt’s einen Roadtrip-Gutschein

Martin Stroh vom Personalrat des GaD lobt die offene Kommunikation und die transparente Zusammenarbeit. Koschek habe die Weichen für die Zukunft der Schule im neuen Gebäude gestellt. „Hastig, teils gehetzt durch die Aufgabenfülle hatte er trotzdem ein offenes Ohr“, fügt Stroh hinzu. Personalrat und Kollegium schenken ihrem ehemaligen Chef einen Roadtrip mit einem Land Cruiser. Musikeinlagen der Band um Alexander Ungelenk – beim Song „Stand by me“ darf Manfred Koschek seinem Jugendhobby frönen und selber einige Gitarrenriffs spielen –, und Lieder des ins Leben gerufenen Kollegiumschores setzen weitere Höhepunkte zwischen die Reden.

Manfred Koscheks Rede ist gespickt mit Begriffen wie Toleranz, Respekt und Vertrauen, die er in seinen 13 Jahren am GaD zu spüren bekommen habe. „Es fällt mir nicht leicht, zu gehen“, gibt er zu. Er blickt zurück: Beim Brand im Jahr 2015, kurz vor dem Schuljubiläum, das daraufhin verschoben werden musste, oder bei Unglücksfällen mit Schülern und Lehrern, habe er „bleischwere“ Tage erlebt. Doch zumeist habe es, trotz der vielen Arbeit, „federleichte“ Tage gegeben. „Sie alle haben dafür gesorgt, dass ich stolz auf unsere Schule bin“, richtet Manfred Koschek seinen Dank an die vielen Gäste, die sich mit stehenden Ovationen von ihm verabschieden. Zumindest vorerst: Am 24. Oktober erfolgt die offizielle Verabschiedung der Stadt VS und des Regierungspräsidiums Freiburg.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen