Die Umstellung der Mehrwertsteuer ist für den Handel eine Herausforderung.
Die Umstellung der Mehrwertsteuer ist für den Handel eine Herausforderung. (Foto: Oliver Berg/dpa)
sbo und Michael Pohl

Was halten die Unternehmer von der Mehrwertsteuersenkung? Während die einen die Entscheidung begrüßen, ist für die anderen ein zu großer Aufwand mit der Umstellung des Steuersatzes auf Zeit verbunden. Dies ergab eine Umfrage unter den Einzelhändlern in der Doppelstadt.

Bei den Schwenninger Einzelhändlern herrschte zunächst noch überwiegend Unklarheit, was durch die Mehrwertsteuersenkung auf sie zukommt. Jürgen Müller, Inhaber des Geschäfts Sport-Müller, kann die Kosten und den Aufwand noch nicht abschätzen. „Wir haben uns das intern auf die Agenda geschrieben, um bis Ende der Woche zu wissen, wie wir es machen.“ Deshalb könne er die durch die Umstellung entstehenden Kosten noch nicht abschätzen. Zeitlich reiche es allemal, wenn bis zum Wochenende der Plan stehe. „Technisch habe ich da auch keine Bedenken. Das wird unsere Software-Firma regeln“, erklärt der Unternehmer. „Ich begrüße die Mehrwertsteuersenkung allerdings auf jeden Fall“, betont Müller.

Kritischer ist da Birgit Messner, Inhaberin des Casa-Moda am Marktplatz und in der Friedrich-Ebert-Straße in Schwenningen. Zwar wisse sie auch noch nicht, was von „Marc Cain“ vorgegeben wird, aber die Situation sei momentan sowieso schon schwer genug. „Wir haben momentan eine Reduzierung von 30 bis 40 Prozent. Und jetzt sollen noch mal drei Prozent runter“, berichtet Messner. Auch bezweifelt sie, dass die Mehrwertsteuersenkung zu mehr Kaufkraft im Einzelhandel führe. „Das ist doch Quatsch. Die drei Prozent merkt man, wenn man ein Auto kauft.“

Bei Mode führe die Ersparnis wohl kaum dazu, dass der Kunde deshalb zwei oder drei Teile mehr kaufe. Für Birgit Messner kommt die Änderung auch zeitlich sehr ungünstig: „Ich bekomme demnächst ohnehin ein neues Kassensystem. Die Umstellung des alten ist also nicht von langer Dauer“, befürchtet sie unnötigerweise zusätzliche Kosten.

So wie Birgit Messner bringt auch Bernd Scheller, der Geschäftsführer des City’s in der Rietstraße in Villingen, das Beispiel mit dem Autokauf. Er glaubt nicht, dass sich die drei Prozent beim Klamottenkauf niederschlagen. „Ich glaube nicht, dass sich der Konsum im Textil-Bereich durch die Mehrwertsteuersenkungen ankurbeln lässt“, meint Bernd Scheller. Dadurch, dass die Senkung nur für eine kurze Zeit gelte, sei es zudem viel Arbeit. Für ihn selbst sei die Umstellung des Kassensystems kein großer Aufwand, dennoch schildert Scheller, dass es für die Kassenbuch-Führung viel Arbeit mit sich bringe. „Ich bezweifle, dass sich der Aufwand wirklich lohnt“, äußert sich Scheller im Gespräch mit unserer Zeitung skeptisch.

Die Inhaberin des Heimathafens in der Brunnerstraße in Villingen, Simone Mader, blickt ebenfalls skeptisch auf den Effekt der Reduzierung bei kleineren Artikeln – im Gegensatz zum Autokauf. Wahrscheinlich bemerke der Kunde bei den vergleichsweise kleinen Dingen, die man in ihrem Laden kaufen könne, kaum einen wirklichen Preis-Unterschied.

Wie das mit dem Kassensystem geregelt werde, weiß Simone Mader noch nicht, sie müsse das erst mit ihrem Kassen-Anbieter besprechen. „Es wird ein Riesen-Aufwand sein und Anfang nächsten Jahres wieder genau dasselbe“, bedauert Simone Mader. „Alleine die Preisauszeichnungen im Laden zu verändern wird ein großer Aufwand“, gibt Mader zu bedenken. Sie glaubt, dass sich am Umsatz in ihrer Branche nicht großartig etwas verändern wird, da die Preise sich allgemein im Rahmen halten.

„Das ist natürlich eine feine Sache“, meint ein Verantwortlicher des Elektronikfachmarktes Hoerco im Gespräch mit unserer Zeitung zur Mehrwertsteuersenkung. Die technische Durchführung werde für Hoerco keine Probleme ergeben, heißt es. Das Unternehmen ist Teilhaber der Expert SE, dadurch kümmere sich deren IT-Abteilung um die Veränderung des Kassensystems. Der Plan von Hoerco ist es, die Kunden zu diesem Anlass mit besonderer Werbung zu überraschen.

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