Die trägerübergreifende Kitaplatz-Vergabe für das neue Kindergartenjahr muss in Villingen-Schwenningen erneut verschoben werden.
Die trägerübergreifende Kitaplatz-Vergabe für das neue Kindergartenjahr muss in Villingen-Schwenningen erneut verschoben werden. (Foto: Büttner)
sbo und Cornelia Spitz

Die Eltern in Villingen-Schwenningen werden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Ob sie für ihre Kinder einen Kita-Platz im neuen Kindergartenjahr 2020/2021 bekommen, das bekanntlich bereits im September beginnt, steht noch in den Sternen. Am Donnerstag teilte die Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen mit, dass die trägerübergreifende Kitaplatz-Vergabe für das neue Kindergartenjahr erneut verschoben werden müsse – voraussichtlich erst in der ersten Juli-Woche werde das Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport, kurz: Jubis, Platzzusagen an die Eltern versenden können.

„Die Corona-Pandemie und die Vorgaben der Landesregierung wirken sich auch auf den Ablauf der Platzvergabe aus und erschweren die Abstimmungsprozesse“, erklärt die Stadtverwaltung. Auch die weitere Entwicklung der Pandemie und die erneute, angekündigte Änderung der Landesverordnung hinsichtlich der weiteren Öffnung der Kindertagesstätten sowie des Schulbetriebs werden die Platzvergabe unter Umständen beeinflussen, vermutet man im Jubis.

Für Eltern, aber auch für Arbeitgeber bedeutet das nicht nur eine Nerven zehrende Geduldsprobe, sondern auch einen Kraftakt: Je später Eltern Gewissheit haben, ob sie für den Nachwuchs mit einem für ihre individuellen Planungen zumutbaren Kitaplatz rechnen können oder nicht, desto später können sie auch gegebenenfalls ihren beruflichen Wiedereinstieg planen.

Dass Betreuungssicherheit gerade in Villingen-Schwenningen keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist kommt erschwerend hinzu. In den vergangenen Jahren haben schließlich bis zu 500 Kita-Plätze in der Doppelstadt gefehlt. Ein aufwendiges Verfahren für eine möglichst faire und gleichmäßige Verteilung der Kita-Plätze war die Folge dessen – zur Zufriedenheit aller konnte aber auch das nicht führen. Frust bei den Eltern, Hilflosigkeit bis hin zu beruflichen Existenzängsten waren vielfach die Folge.

Srdjan Zivkovic, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Kitas in Villingen-Schwenningen weiß nur zu gut um diese Problematik: „Generell braucht man ja die Info, um eventuell einen Arbeitsplatz anzunehmen oder nicht – die Eltern brauchen Klarheit.“ Doch der engagierte Vater zweier Kinder weiß auch: „Hier ist gerade nichts mehr normal.“ Die Corona-Pandemie habe sämtliche Planungen auf den Kopf gestellt – jobseitig genauso wie bei der Verwaltung und in den Familien. Viele Eltern kämpften mit akuter Jobangst, bangten angesichts der aktuellen „Weltwirtschaftskrise“ um ihre Arbeitsstellen oder Unternehmen. Und auch davon sei letztlich abhängig, ob sie überhaupt einen Betreuungsplatz für ihre Kleinen benötigen.

Selbst in Kurzarbeit, sei sein Bedarf beispielsweise aktuell viel geringer als vor der Corona-Krise – ganz abgesehen, dass weniger Geld im Geldbeutel auch die Frage aufwirft, wieviel Betreuung sich Eltern derzeit überhaupt noch leisten können. „Momentan gibt es keine gescheite Lösung“, bilanziert er daher hörbar gefrustet – ein Frust, der bei den Kindergartenkindern nicht aufhört, sondern sich in den Schulen fortsetze:. „Die Frage ist ja auch, ob die Schulkinder im September überhaupt wieder in die Schule kommen.“

Bei allem Verständnis dafür, dass auch die Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen gerade in einer Ausnahmesituation agieren und möglichst schnell und flexibel auf Landesvorgaben reagieren muss, ist der Gesamtelternbeiratsvorsitzende aber vor allem auch eines: richtig genervt. „Dieses Abwälzen auf uns nach dem Motto ,Eltern, macht mal!’ geht gar nicht!“

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade