Eine Freinacht ist „aktuell keine Option“

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Die Lange Schwenninger Kulturnacht findet am 6. Juli statt. Auch 2019 gilt im Außenbereich die Sperrzeit 2 Uhr. Archivfoto: Pohl
Die Lange Schwenninger Kulturnacht findet am 6. Juli statt. Auch 2019 gilt im Außenbereich die Sperrzeit 2 Uhr. Archivfoto: Pohl (Foto: Archiv: Pohl)
Fabian Riesterer

Im vergangenen Jahr ist im Diskurs um die Lange Schwenninger Kulturnacht immer wieder die Forderung nach einer Freinacht aufgekommen. Eine solche, heißt es von der Stadt, wird es 2019 sicher nicht geben – wäre diese Regelung überhaupt eine Option?

Anlass für die Diskussion über die Sperrzeiten während der Langen Schwenninger Kulturnacht war ein Bußgeld, das Bierakademie-Wirt Lothar Anders vom städtischen Ordnungsamt aufgebrummt bekommen hatte. Nach 2 Uhr – der Sperrzeit, die während der Veranstaltung für die Außenbewirtung gilt – seien Gäste auf der Terrasse der Bierakademie sitzend angetroffen worden. Anders behauptete, ordnungsgemäß und rechtzeitig die Besucher auf die Sperrzeit aufmerksam gemacht zu haben, und das die Betroffenen sich ohne sein Wissen im Nachhinein wieder dort hingesetzt hatten.

Gastronomen unterstützen

„Die Sache ist inzwischen für mich erledigt“, kommentiert Anders den Vorfall nur knapp, zu dessen Ausgang er keine Angabe macht. Die Gefahr, dass sich Gäste nach der Sperrzeit in bereits aufgeräumten Außenbereichen niederlassen, sei jedoch stets gegeben. „Das Problem ist, dass viele schlicht nicht wissen, was die Konsequenzen für die Wirte sind“, gibt er zu bedenken. Hinsichtlich der Tatsache, dass ein Gastronom seine Augen nicht überall haben könne, hofft Anders auf ein größeres Bewusstsein dieses Problems unter Besuchern.

Nach wie vor hält der Wirt eine Freinacht für ein legitimes Mittel, die Gastronomen in dieser Sache zu unterstützen. Anders betont dabei, es gehe ihm nicht darum, bis in die Puppen Musik im Außenbereich zu spielen. „Die Gäste sollen in der lauen Sommernacht draußen eine Zigarette rauchen und sich normal unterhalten können.“ Gerade, wenn in unmittelbarer Nähe eine Bühne abgebaut werde, würde dies für keinen zusätzlichen Lärm sorgen.

Ähnlich sieht das Michael Steiger, Betreiber der Irish Pubs in VS sowie Dehoga-Kreisstellenvorsitzender. „Natürlich haben wir uns an eine Sorgfaltspflicht zu halten. Ich kann aber auch nichts dafür, wenn meine Gäste grölend das Lokal verlassen. Die Leute kommen und gehen ja trotzdem bis 5 Uhr“, sagt Steiger. Deshalb könne er sich durchaus vorstellen, die Sperrzeiten während der Kulturnacht innen und außen probehalber für ein oder zwei Jahre gleichzuschalten. Andererseits, schließt Steiger, müsse dann auch für die Stände im Außenbereich eine spätere Sperrstunde gelten. Damit verschiebe sich jedoch gleichzeitig die Organisation des Abbaus und nicht zuletzt die Lärmphase für die Anwohner, die jährlich bereits sehr entgegenkommend seien, auch nach hinten. „Zudem muss draußen dann länger für Sicherheit gesorgt werden, was dann auch mit höheren Kosten verbunden ist.“

Die Stadtverwaltung schiebt diesen Überlegungen im Vorfeld der Veranstaltung einen Riegel vor: So sei zwar das Einrichten einer Freinacht während der Planung „stets Teil der Überlegungen“ gewesen, wie Oxana Brunner von der städtischen Pressestelle mitteilt. Gerade bei Veranstaltungen in den Sommermonaten sei es verständlich, dass Gastronomen und Gäste diese so lange wie möglich auskosten möchten. „Die Lange Schwenninger Kulturnacht findet aber nun mal in einem Innenstadtgebiet statt. Und in den vergangenen Jahren gab es regelmäßig und viele Anwohnerbeschwerden – vor allem wegen des Lärms. Diese Interessen gilt es ebenfalls zu schützen“, betont Brunner. Deshalb sei eine Freinacht aktuell keine Option und werde zeitnah sicherlich nicht umgesetzt.

Auch Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier führte im vergangenen Jahr die Bürgerbeschwerden der Vergangenheit als Grund dafür auf, warum eine Freinacht in seinen Augen keinen Sinn mache. Passend zum Motto Die 14. Ausgabe der Langen Kulturnacht findet am Samstag, 6. Juli, Unter dem Motto „VS bewegt!“ statt. „Es kommen regelmäßig Bewerbungen rein“, sagt Sandra Bummel vom Amt für Kultur, die die Veranstaltung betreut. Zum Programm könne sie derzeit noch nichts sagen. „Wir wollen die Resonanz abwarten“, verweist sie auf die laufende Bewerbungsfrist. Die Veranstaltungen finden wie gewohnt an verschiedenen Orten und auf mehreren Open-Air-Bühnen in der Schwenninger Innenstadt statt. Wie die Stadt mitteilt, können sich grundsätzlich alle beteiligen, die ihren Talenten freien Lauf lassen wollen, seien es Bands, Chöre, Theatergruppen, Tanzensembles, Ateliers, Kinos, Vereine oder Gastronomen. Musik von Klassik bis Rock, Theater, Tanz, Filme, Lesungen, Ausstellungen und Kulinarisches – je abwechslungsreicher das Programm, desto besser. Erwünscht seien natürlich Ideen, die einen Bezug zum Motto „VS bewegt!“ haben.

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