Eine der wenigen ihrer Art, die in der Stadt steht – die Telefonzelle am Vorderen See.
Eine der wenigen ihrer Art, die in der Stadt steht – die Telefonzelle am Vorderen See. (Foto: Parage)
sbo und Verena Parage

Ein bisschen sieht sie aus wie im Dornröschenschlaf: Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, geputzt wurde hier schon lange nicht mehr, und ein Telefonbuch sucht man vergebens. Tatsächlich erscheint sie wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten: die Telefonzelle am Vorderen See.

Sie ist eine der wenigen ihrer Art in der Stadt. Wie einsam sie dasteht, das verrät nicht einmal die Telekom.

Auf einer Liste der aussterbenden Dinge stehen Telefonzellen ziemlich weit oben. Jetzt, wo jeder ein Handy hat, braucht kaum einer mehr einen „Münzfernsprecher“. Und Telefonkarten? Dass es so etwas gibt, das wissen Kinder von heute gar nicht mehr. Der Telefonzelle in der Rottweiler Straße ist anzusehen, dass sie ihre besten Tage hinter sich hat. Ob sie noch jemand benutzt? Das kann die Telekom nicht einmal sagen. Auch, wie viele Telefonzellen es in Villingen-Schwenningen noch gibt, teilt die Telekom nicht mit. Auf Nachfrage erklärt eine Mitarbeiterin: „Wir halten keine regionalen Daten mehr für die externe Kommunikation vor.“ Bundesweit seien allerdings noch knapp 17 000 öffentliche Telefone in Betrieb. Zum Vergleich nennt sie noch eine andere Zahl: Durchschnittlich hat jeder Einwohner Deutschlands rund 1,6 SIM-Karten, nutzt also Mobilfunk.

Laut Telekom wird der Bestand an Telefonzellen deshalb „fortlaufend dem Bedarf bei den Bürgern“ angepasst. Sprich: Wo der Umsatz niedriger als 50 Euro pro Monat ist, darf das Unternehmen Kommunen „wegen eines Abbaus ansprechen“. Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet nämlich Geld – für Strom, Standortmiete oder Wartung. Selbst bereits stillgelegte Telefone können noch Kosten verursachen. Vandalismus ist ein großes Problem: Um die Schäden zu beheben, fallen jedes Jahr Kosten von etwa einer Million Euro an.

Will eine Gemeinde unbedingt ihre Telefonzelle behalten, dann tauscht die Telekom das Häuschen gegen ein sogenanntes Basistelefon. Dabei handelt es sich um einen Metallpfosten mit Telefon, der nur für Notrufe oder mit Karte genutzt werden kann. So kommen Diebe gar nicht erst in Versuchung, das Münzgeld zu stehlen.

Für den eher idyllischen Standort am Vorderen See wäre das wohl nichts. Unter den Bäumen ist es gut, ein Dach über dem Kopf zu haben – wenn denn mal jemand telefoniert. Denn selbst, wenn keine Daten für dieses Schwenninger Exemplar vorliegen: Die meisten noch erhaltenen Standorte seien heutzutage schlichtweg nicht oder kaum noch rentabel zu betreiben, erklärt die Unternehmenssprecherin.

Mache ausgedienten Telefonzellen erleben nach ihrer Dienstzeit übrigens einen zweiten Frühling: Die Telekom bietet sie zum Verkauf an. Einige werden so zum öffentlichen Bücherregal oder, wie auf dem Skulpturenfeld Kunstdünger in Rottweil-Hausen, zum kleinsten Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Baden-Württemberg.

Die alten, gelben Häuschen sind inzwischen vergriffen. Die „neuere“ Generation ist grau und magentafarben. So sieht auch das Exemplar in der Rottweiler Straße aus. Wer weiß, wie lange es dort noch steht und wo es einmal landen wird.

Meist gelesen in der Umgebung
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen