Hansy Vogt und sein weißes Kaninchen vervollständigen das „badisch-schwäbische Freundschaftsspiel“.
Hansy Vogt und sein weißes Kaninchen vervollständigen das „badisch-schwäbische Freundschaftsspiel“. (Foto: sbo)
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„Zusammensitzen und miteinander reden – ohne Handy.“ Wie unterhaltsam das funktionieren kann, demonstrierten am Sonntagabend in der Neuen Tonhalle vor 800 Zuschauern Dui do on de Sell und Hansy Vogt.

Der Schwarzwälder Bote hatte zum neuen Format der drei Comedians, dem „badisch-schwäbischen Freundschaftsspiel“, eingeladen – und es blieb kein Auge trocken. Neben dem gesellschaftlichen Auftrag, dafür zu werben, sich im ungestörten Gespräch wieder mehr miteinander zu beschäftigen, erfüllten die beiden „Schwabenköniginnen“ und der „Schwarzwaldbotschafter“ zudem einen politischen, in dem sie zeigten: das klappt auch zwischen Badenern und Schwaben.

Mit Campingsack und -pack machten es sich die drei auf der Bühne gemütlich, schlugen ein Zelt auf, ließen sich in ihren Klappstühlen nieder und entzündeten – sehr zum Leidwesen der Hallentechniker – sogar einen Grill. Bei heißer Bockwurst und Bier ließ es sich doch gleich noch einmal so gut plaudern – auch einige Zuschauer bekamen etwas ab. Der große Rest labte sich an den Gesprächen der drei und den Anekdoten, die sie wie ein Trommelfeuer zwei Stunden lang abschossen. Mit dem Älterwerden, dem eigenen Alltag und insbesondere ihren Männern und erwachsenen Kindern hatten Petra Binder und Doris Reichenauer, seit 15 Jahren erfolgreich als schwäbische Kabarettistinnen unterwegs, Gesprächsstoff en masse.

Wenn sie sich die Schuhe zubinde, überlege sie stets, was sie „da unten gleich noch miterledigen könnte“, gibt Petra Binder zu. Ihre Kollegin klagte über einen Hexenschuss, doch ihr Dieter habe sie beruhigt: „des isch koiner – die schießet net uff iire eigene Leut’“. Im Umgang mit ihren Männern gaben sich die beiden ausgebufft und pfiffig und hatten für die Damen im Saal so manchen Tipp: „Eine Frau muss immer so viel Geld ausgeben, dass sich der Mann keine zweite leisten kann“. Oder: Wenn er das Online-Paket mit den neuen Highheels entgegennimmt, sagt sie: „Das ist ein Geschenk für dich“. Sobald er sie ausgepackt hat und stirnrunzelnd betrachtet, schlägt sie zu: „Wenn se dir et g’falle, nemm i se halt“.

Ein Dauerbrennerthema waren Geschichten rund um den nachlassenden Sex im Alter. Wenn sie sich ins Negligé hüllt und sexy guckt, erschrickt er: „Jessas, hosch du ä Schlägle?“ Die Zuschauer hingen den beiden an den Lippen und schütteten sich aus vor Lachen, erkannten sie sich und ihren eigenen Alltag doch in jedem Satz wieder.

In Witz in nichts nach stand den beiden „der Schlagerfuzzi“ Hansy Vogt. Der aus dem SWR-Fernsehen bekannte Kabarettist, Sänger und Musiker überzeugte auch als Bauchredner. Sein weißes Kaninchen machte vor Frechheiten nicht Halt: es habe sich vor Thyphus und Malaria impfen lassen. Wo denn die Reise hingehe? „Na, nach Villingen.“ Hansy Vogt wusste seine Verwandtschaft aus Urach im Publikum und zog ebenfalls mit Genuss vom Leder – sehr zur Freude des Publikums.

Lachsalven lösten die Schilderungen über seinen Alltag aus, etwa wenn seine Frau jammere, dass das Auto nicht mehr fahre. „Schatzi, wenn ich nicht da bin, musst du links sitzen.“ Oder als er den „Fliegenschnapperschnarcher“ demonstrierte. Nach der Pause wurde die Unterhaltung der drei spontaner und wirkte zunehmend uneinstudiert. Mit dem sympathischen Erfolg, dass sich die Akteure an etlichen Stellen selbst wegschmissen vor ansteckendem Lachen. Auftrag erfüllt!

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