Die Wärmestube im Paradies ist geschlossen. Das Risiko des Coronavirus ist für Gäste und Mitarbeiter zu hoch.
Die Wärmestube im Paradies ist geschlossen. Das Risiko des Coronavirus ist für Gäste und Mitarbeiter zu hoch. (Foto: Pohl)
sbo und Michael Pohl

Die Corona-Pandemie macht vor niemandem Halt – erst recht nicht vor denjenigen, die es auch ohne Viruskrise nicht leicht haben. Die Wärmestube in VS-Schwenningen ist bis auf Weiteres geschlossen. Einrichtungsleiter Ralf Großmann berichtet von den Folgen für die Gäste.

Die Türen der Wärmestube im Paradies sind verschlossen. Die Auswirkungen des Coronavirus machen sich auch hier bemerkbar. Ein tägliches Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen, die aufgrund ihres Alters, aber teils auch wegen ihres gesundheitlichen Zustands zur Risikogruppe zählen, kann Einrichtungsleiter Ralf Großmann nicht verantworten. Hinzu komme, dass sich auch das Personal – „Ehrenamtliche, die das Renteneintrittsalter deutlich überschritten haben“ – einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen müsste.

Was diese Pandemie grundsätzlich für Auswirkungen habe, wisse wohl noch keiner, sagt Ralf Großmann. Auf seine Gäste in der Wärmestube sieht er jedoch schwierige Zeiten zukommen. „Wir haben ein gemischtes Publikum. Es sind nicht alle obdachlos. Es kommen auch viele Rentner, bei denen das bestimmende Thema die soziale Armut ist“, erklärt Großmann. Sie kämen, um der Einsamkeit zuhause zu entfliehen und unter Leute zu kommen. Gerade das soll aufgrund der Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr jedoch so gut wie möglich vermieden werden. Dieses Klientel, so der Einrichtungsleiter, werde weniger Probleme haben, sich vorübergehend zuhause zu versorgen.

Aber es gibt durchaus andere Fälle: „Es gibt auch Menschen, die zwar meist ein Dach über dem Kopf haben, weil sie irgendwo abwechselnd bei Bekannten unterkommen, aber grundsätzlich keine eigene Wohnung haben“, schildert Großmann deren Situation. Sie werde es mutmaßlich härter treffen, da diese Personen sich zumindest tagsüber meist draußen aufhalten. „Im Moment haben wir glücklicherweise eine milde Witterung. Nicht auszumalen, wenn uns die Pandemie in den Wintermonaten getroffen hätte“, sagt Großmann.

Grundsätzlich, so glaubt der Einrichtungsleiter, könnte vor allem die Versorgung mit Lebensmittel eine große Herausforderung werden. „Und die sehe ich nicht nur für unser Publikum, sondern für uns alle.“ Vor allem ältere Menschen hätten seinen Erfahrungen nach Angst, in Supermärkten einkaufen zu gehen. „Die wissen meist nicht, wann sie ihre Einkäufe am besten erledigen, um nicht auf große Menschenmengen zu stoßen.“ Die Wärmestube bleibt auch zum Schutz der Mitarbeiter vorerst geschlossen. „Einen zeitlichen Ansatz kann ich nicht prognostizieren. Dazu ist meiner Meinung nach noch vieles zu ungewiss“, sagt Ralf Großmann.

Auf Veränderungen müssen sich die Kunden auch bei der Fachberatungsstelle für Wohnungslose einstellen. Grundsätzlich kann Großmann alle Empfänger von Geldleistungen erst einmal beruhigen: „Die Auszahlung von Transfergelder in Form von Tagessätzen ist gesichert.“ Momentan hätten sie zwar Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter zu schützen, aber die Übergabe funktioniere trotz des größeren Sicherheitsabstands. „Wir arbeiten gerade mit einer Art Schleuse.“ Das sei eben eine Herausforderung, wenn es um Bargeld-Übergaben gehe und nicht einfach Geld auf die Konten überwiesen werden könne. Dennoch sei natürlich niemandem geholfen, wenn die Mitarbeiter krank würden und die Zahlungen dann nicht mehr erfolgen könnten.

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