Die Unternehmensnachfolge zu regeln, wird zunehmend schwerer.
Die Unternehmensnachfolge zu regeln, wird zunehmend schwerer. (Foto: Eich)
Eva-Maria Huber

Michael Schmid ist seit bald 40 Jahren Geschäftsmann. Seit Jahren eher unfreiwillig. „Ich möchte kürzertreten.“ Doch die Suche nach einem geeigneten Nachfolger wird zum „Drama“. Ein Drama, das die IHK der Region nur zu gut kennt.

Wie man es dreht und wendet, es gestaltet sich schwierig. Ob nun der Handwerksmeister seinen Betrieb in jüngere Hände legen will, der Wirt es müde geworden ist, weiterhin spätabends Bier zu zapfen, ob Geschäftsleute sich gerne zur Ruhe setzen würden oder Unternehmer lieber die Verantwortung an Jüngere abgeben. Wer sucht, hat oft ein Problem und zwar „quer durch alle Branchen“, beschreibt Marlene Hauser, bei der Industrie und Handelskammer (IHK) der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg für die Bereiche Unternehmensförderung und Nachfolgeregelung zuständig.

„Die Suche nach geeigneten Nachfolgern ist generell schwierig“, zeichnet sie die Situation, „und die Lösung eine Herzensangelegenheit der IHK“. Hauser geht davon aus, dass das Problem aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge, die sich in den nächsten Jahren zur Ruhe setzen wollen, noch ausgeprägter werde. „Das wird sich noch weiter zuspitzen“, so ihre Prognose.

Unterschiedliche Hürden

Die Hürden auf dem Weg zur Nachfolge sind so vielschichtig und unterschiedlich, wie die Betriebe selbst. Nicht wie selbstverständlich übernehmen Kinder mittlerweile den elterlichen Betrieb, oft auch „weil sie sahen, wie Mutter und Vater schufen mussten oder sie haben ganz einfach andere Interessen“, so Hauser. Und nicht immer findet sich ein Mitarbeiter, der das Zeug dazu habe, in die Fußstapfen seines ehemaligen Chefs zu treten. „Wenn Sie ein Unternehmen oder einen Betrieb kaufen“, erläutert Hauser, dann sei dies eine größere finanzielle Belastung, als wenn man eine Neugründung plane. Noch schwieriger sei es, Nachfolger für kleine Betriebe zu finden, in denen „eine Person alles abdecken muss und die ganze Arbeit an einem einzigen hängenbleibt“.

Zusagen, Absagen

Wie schwer sich die Chefs kleinerer Betrieb bei der Suche tun, das kann nicht nur der Villinger Geschäftsmann bestätigen. „Wem sagen Sie das“, erinnert sich Michael Schmid an die Bemühungen der vergangenen Jahre, die Nachfolge für seinen Schlüsseldienst nebst Sicherheitstechnik zu regeln. Seit 39 Jahren steht er im Ladengeschäft am Benediktinerring, repariert, macht Notöffnungen von Türen. „Seit dem Jahr 2011 suche ich“, erzählt er, er sei doch schon längst im Rentenalter, fügt der gelernte Mechaniker hinzu. „Ich möchte einfach nur kürzertreten“, starrt er auf die säuberlich aufgereihten Schlüsselmodelle an der Wand. Vereinzelte Zusagen hatte er schon, berichtet er, „doch die sind alle abgesprungen“.

Schmid weiß, dass er mit seinem Nachfolge-Problem nicht alleine ist. Es sei ja auch kein Wunder, dass nicht nur seine Bemühungen so erfolglos seien, „wir arbeiten bald rund um die Uhr und es bleibt nicht viel hängen“. Eigentlich möchte er bis zum Jahresende deutlich weniger arbeiten, „kürzer treten“ und einen Nachfolger gefunden haben. Einen, der das Geschäft auch würdig, „anständig eben“, weiter betreibe.

Diesen Anspruch haben die meisten Geschäftsleute oder Unternehmer, beobachtet Marlene Hauser von der IHK . „Sie haben das alles aufgebaut und möchten das Geschaffene in gute Hände geben.“ Und damit vermeiden, dass „das Lebenswerk in kürzester Zeit“ an die Wand gefahren werde. Welche Kriterien erschweren zudem eine flüssige Nachfolgereglung? „Wenn die Konjunktur gut läuft“, so Hauser, dann gehen viele Beschäftigte lieber in sichere Arbeitsplätze, als sich auf eine eher unsichere Selbstständigkeit einzulassen. In nächster Zeit dürfte es auch aus konjunkturellen Gründen deshalb eher noch schwieriger mit der Nachfolge werden. Zudem müssen die Partner hinter der Entscheidung stehen, und genügend Kapital müsse auch vorhanden sein.

Was lässt sich bei der Nachfolge-Regelung besser machen? Grundsätzlich gelte, sich recht früh mit dem Thema auseinander zu setzen. „Mitte 50“, so Hauser, „ist eine gute Zeit. Die meisten, beobachtet sie, kommen jedoch deutlich später und damit viel zu spät. Zudem vermittelt die IHK auch Beratungen mit Jens Haas, einem ehemaligen Unternehmer, der ehrenamtlich für die IHK arbeitet. Darüberhinaus bestehe über eine „Börse“ die Möglichkeit, adäquate Nachfolger zu finden.

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