Die Narren sind los: Als erste Amtshandlung befreien sie am Schmotzigen Dunschtig die Schwenninger Schüler aus dem Unterricht (
Die Narren sind los: Als erste Amtshandlung befreien sie am Schmotzigen Dunschtig die Schwenninger Schüler aus dem Unterricht (großes Bild). Den Tross der Musiker und Narren führen Zunftmeister Lutz Melzer (kleines Bild unten, rechts) und Narrenpolizist Florian Schütze an. Am Ende geht’s in die Sporthalle, wo erst der Fanfarenzug und dann die Schülerband spielt. (Foto: Parage)
Verena Parage

Blauer Himmel, Sonnenschein und viele Narren: So zeigt sich der Schmotzige Dunschtig in VS-Schwenningen. Für die Schüler bedeutet diese Kombi am frühen Morgen vor allem eines: unterrichtsfrei.

Zu den Klängen der Fanfaren läuten die Gschell der Hansel: Dann geht’s los in Richtung Gymnasium am Deutenberg (GaD), vorne draus marschieren Zunftmeister Lutz Melzer sowie dessen Stellvertreter und Narrenpolizist Florian Schütze. Die Abordnung der Schwenninger Narrenzunft ist unterwegs, um am Schmotzigen die Schüler zu befreien. Während das im GaD noch nötig ist – da sitzen die Jugendlichen noch im Unterricht –, wummern vom Schulverband her bereits die Bässe von Partyhits.

So ganz einfach ist die Aufgabe für die Zunft dennoch nicht: Die Gymnasiasten sind verteilt auf den Neubau und die Container, dem Ausweichquartier während der Sanierung des Hauptgebäudes. Schulleiter Manfred Koschek weist den Narren deshalb den Weg. Für ihn ist es die letzte Schülerbefreiung vor der Pensionierung, dagegen feiert der Narrenpolizist Schütze seine Premiere. Ob Koschek wegen seines nahenden Abschieds glimpflich davonkommt? „Die haben mich nicht einmal abgesetzt“, bemerkt er mit einem Staunen. Gemeinsam mit seinen Schülern und den Narren läuft er deshalb ganz ungeschoren Richtung Sporthalle, wo in diesem Jahr gefeiert wird und sich Manfred Koschek kurzum selbst als abgesetzt erklärt.

Trotz Fanfarenzug und Band kommt nur langsam Stimmung auf

Der nun Amtslose muss sich von Narrenmeister Lutz Melzer dann gleich mal anhören, wie langweilig es sei, unverkleidet den Schmotzigen zu begehen: „Du kommst ja her wie jeden Tag!“, bemängelt Melzer. Koscheks Entgegnung: „Die Narren sind überall“ – ob man Chef derselben oder des GaDs sei, mache da keinen Unterschied, eine Verkleidung sei nicht mehr nötig. Viele seiner Kollegen – sie kommen etwa als Taucher, Clown oder Zwerg – und zahlreiche Schüler sehen das anders. Die sind zum Beispiel als Kreuzritter, Fee oder Teufelinnen verkleidet. Lediglich an der Stimmung hapert es ein bisschen: Selbst Fanfarenzug und Schülerband müssen sich anstrengend, damit die Masse etwas in Bewegung kommt.

Nach dem Besuch am GaD geht es für die Narren weiter an die Gartenschule. Kollegen von ihnen sind zeitgleich bereits an den anderen Bildungseinrichtungen unterwegs. Lutz Melzers Erfahrung ist es, dass sich vor allem die Grundschüler vom Besuch der Narren und vom Brauchtum begeistern lassen. „Da glänzen die Augen“, hat auch Florian Schütze beobachtet. Und ein Stück Brauchtum macht er dann doch in den Reihen der Gymnasiasten aus: Der Narrenpolizist sichtet bei seinem ersten Einsatz zumindest zwei Schwenninger Bären und ein Schantle in der Menge.

Erster Beigeordneter hat Kreisverkehre in der Stadt und auf dem Kopf

Während für die Schüler am Donnerstagmorgen erst einmal Schluss ist mit dem Ernst des Lebens, wird es für Baubürgermeister Detlev Bührer erst so richtig ernst. Eine Gruppe Schwenninger Hansel stattet ihm im Rathaus einen Besuch ab – und ist erstaunt, dort auch Oberbürgermeister Jürgen Roth anzutreffen. Der habe überraschend eine Dienstbesprechung angesetzt, munkeln die Weißnarren. Die Hansel machen den Verkehr zu ihrem Thema.

Zum Glück sind sie selbst gut zu Fuß, mit dem Auto hätten sie das Rathaus nämlich gar nicht gefunden, wie sie mutmaßen. „Ganz Schwenningen ist ein einziger Kreisverkehr, und kein einziges Schild weist eim den Weg hierher“, dichten sie. Die Kreisel sind es dann auch, die die Narren neben den Schlaglöchern besonders bewegen: „Im Culinara stehen Regale leer, jeder zweite LKW steckt eingeklemmt im Kreisverkehr.“

Runder läuft es nach Meinung der Hansel dafür nach dem Abschied von Rupert Kubon anderswo in der Stadt. „Jetzt, wo dem Verwaltungskreisel diese Bremse fehlt, liegt’s an Dir und OB Roth, dass sich manches wieder schneller dreht“, erklären sie dem Ersten Beigeordneten. Um auch dessen graue Zellen einmal pulsieren zu lassen, haben die Narren das passende Geschenk dabei: Sie setzen Detlev Bührer einen Bauhelm samt Kreisverkehr auf. Es dreht sich eben immer was in Schwenningen – erst recht an der Fasnet.

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