Der Kindergarten Wilhelmspflege in der Metzgergasse kann nicht mehr lange bestehen, so marode ist er.
Der Kindergarten Wilhelmspflege in der Metzgergasse kann nicht mehr lange bestehen, so marode ist er. (Foto: Kratt)
sbo und Mareike Kratt

Nach der Hiobsbotschaft, dass die Wilhelmspflege aufgegeben wird, sind die Wellen bei Kirche und Stadtverwaltung hochgeschlagen. Diese sind mittlerweile wieder geglättet – auch wenn eine Lösung für den maroden Kindergarten noch nicht absehbar ist.

„Wir haben zu einer normalen Umgangsform gefunden und versuchen, eine Lösung für die Kinder zu erarbeiten“, sagt Klaus Gölz, Pfarrer der evangelischen Stadtkirche. Manch ein Mitglied des Jugendhilfeausschusses mag das Bild aus der Mai-Sitzung noch im Kopf haben: Nachdem sich OB Jürgen Roth und Klaus Gölz bei der Präsentation der Zahlen für die Wilhelmspflege ein emotionales Wortgefecht geleistet hatten, hatte der evangelische Pfarrer den Raum verlassen. „Die aufgeheizte Stimmung ist mittlerweile wieder abgekühlt“, fügt Gölz hinzu. Bereits seit Jahren kocht das Thema um die sanierbedürftige Wilhelmspflege, die seit rund 165 Jahren besteht, hoch. Seit März ist klar, dass ein Neubau durch zu enorme Kostensteigerungen – von einst 3,85 auf 11 Millionen Euro – doch nicht infrage kommt. Aber wie geht es weiter?

Noch gebe es keinen konkreten Plan, sagt der Stadtkirchen-Pfarrer, der für die Schwenninger Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft zuständig ist. Sowohl Interimsals auch Dauerlösung würden derzeit geprüft, die Beteiligten dächten unterschiedliche Richtungen durch. „Alle sind bemüht im Interesse der Kinder, Mitarbeiter und Eltern.“

Denn nicht nur Gölz selber, sondern alle anderen Beteiligten rund um den Kindergarten in der Metzgergasse treiben die Zukunftsängste um. Während der Planungen für einen Neubau, die bis ins Frühjahr vorangeschritten waren, habe man große Hoffnungen in den Fortbestand des Kindergartens gesteckt. „Wenn man weiß, dass etwas Neues kommt, kann man vieles ertragen“, sagt der Pfarrer in Bezug auf den maroden Zustand. Doch diese Hoffnung sei nun erst einmal dahin.

Die Stadt stehe derzeit in konstruktivem Kontakt mit der evangelischen Kirchengemeinde und Pfarrer Gölz, berichtet auch Madlen Falke von der städtischen Pressestelle. Geprüft würden verschiedene von der Kirchengemeinde vorgeschlagene Möglichkeiten und Szenarien, im Sozialraum Schwenninger Innenstadt eine Kita unter Trägerschaft der evangelischen Kirche zu etablieren. Die Liegenschaft der Wilhelmspflege selbst komme dabei derzeit nicht mehr in Betracht – auch nicht für Containerlösungen.

Noch in den Mai-Sitzungen des Jugendhilfeausschusses und des Gemeinderats hatte die Stadt eine provisorische Unterbringung in Containern nicht ausgeschlossen, um zumindest zwei Gruppen der Wilhelmspflege kurzfristig unterzubringen. Auch die Nutzung eines ehemaligen Kaufhauses in der Muslen, das der Kirche gehört, stand im Frühjahr zur Diskussion. „Wir sind zuversichtlich, dass mit der Kirchengemeinde eine gemeinsam getragenen Lösung erarbeitet werden kann“, fasst Falke zusammen.

Pauluskindergarten wartet

Und noch ein weiterer evangelischer Kindergarten darf längerfristig nicht aus den Augen verloren werden: der Pauluskindergarten im Neckarstadtteil, der ebenso als unsanierbar gilt. Die Wilhelmspflege habe erst mal Priorität, macht Pfarrer Klaus Gölz deutlich. „Aber dass auch dort bald etwas passieren muss, ist ganz klar.“

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