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Photovoltaik-Anlagen werden allgemein begrüßt. Allerdings gibt es Diskussionen darum, ob sie Freiflächen belegen dürfen oder doch eher auf Dächer gehören. (Foto: Pleul)
sbo und Eva-Maria Huber

Wieder eine Photovoltaikanlage auf freiem Feld? Nicht bei allen geht angesichts solcher Projekte die Sonne auf. Landwirte befürchten eine Verknappung der Flächen, während andere den Beitrag zur sauberen Energiegewinnung beklatschen.

Mit den ersten Plänen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen kamen auch die hitzigen Diskussionen. Die intensiv diskutierte Freiflächenanlage in Pfaffenweiler ist das jüngste Paradebeispiel. Das Unternehmen BayWa plant, in einem der kleinen Stadtbezirke von VS eine zehn Hektar große Photovoltaikanlage zu bauen. Der Widerstand kam prompt, vor allem Landwirte stemmten sich gegen die Planungen. Der Gegenwind war so stark, dass sich der Ortschaftsrat Pfaffenweiler Bedenkzeit geben wollte. Im Juli 2020 winkte der Ortschaftsrat dann die Pläne für den Solarpark durch. Geplatzt ist dagegen ein ähnliches Vorhaben im kleinen Stadtbezirk Obereschach. Im November 2018 lehnte das Ortschaftsratsgremium das Freiflächen-Projekt klar ab.

Doch es sind nicht nur Landwirte, die den Freiflächenanlagen eher skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Für die Landwirtsfamilie Thoma aus Herzogenweiler war es keine Frage, auf erneuerbare Energiegewinnung zu setzen. Auf dem 3000 Quadratmeter großen Dach ihres neuen Laufstalls sollen Solarkollektoren installiert werden.

Agrarflächen schrumpfen

Angelika und Jürgen Thoma sowie ihr Sohn Heiko befürchten durch die Entwicklung hin zu Freiflächenanlagen, dass sich die Agrarflächen noch weiter verringern. Durch das Ausweisen von neuen Baugebieten seien die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung ohnehin geschrumpft, so die Familie. Eine Verknappung der Fläche, so das Argument, habe automatisch eine Erhöhung der Pachtpreise zur Folge. Eine zusätzliche Belastung für die durch die Folgen des Klimawandels ohnehin gebeutelte Landwirtschaft. „Wir wissen manchmal nicht mehr, woher wir das Futter nehmen“, so die Thomas.

Wenn sich einer in die Sorgen des Familienbetriebes hineinversetzen kann, dann ist es Bernhard Bolkart. Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes braucht nicht lange, um seine Stellungnahme darzulegen: Photovoltaikanlagen seien zwar als Beitrag zur Energiewende zu begrüßen, „aber die gehören in erster Linie aufs Dach“. Auch er sieht mit Sorge die „zunehmende Verknappung landwirtschaftlicher Flächen“. Immerhin handle es sich bei rund 70 Prozent des Acker- und Grünlandes um Pachtflächen. Zudem, so ein weiterer Kritiker, entstünde durch solche Vorhaben ein ungleicher Wettbewerb. Unternehmen könnten andere Pachten zahlen als Landwirte. Wenn Module, bekräftigt Bolkart, dann sollten diese auf die Dächer, zum Beispiel auf kommunale Dächer (Schulen oder Hallen etwa) oder auf jene von Industrieunternehmen.

Heißes Eisen im Gremium

Was, wo und wie installiert werden könnte, damit soll sich der Gemeinderat beschäftigen. In den Sitzungen ab Herbst werde das Gremium über die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen und weiteren nichtlandwirtschaftlich genutzten Flächen im Stadtgebiet diskutieren, erläutert Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt. Hierzu gebe es einen interfraktionellen Antrag. Außerdem arbeite das Stadtplanungsamt gerade an einer Vorlage, wie klimapolitische Grundsätze in Bebauungsplänen umgesetzt werden können, zum Beispiel, ob man PV-Anlagen in Bebauungsplänen festsetzen könne. Das Thema PV-Anlagen sei auch präsent im Rahmen des European-Energy-Award Prozesses (EEA-Prozesses), der gerade in VS laufe. Dabei werden verschiedene Projekte auf ihre Umsetzung hin geprüft und diskutiert.

Feuer und Flamme für den neuen Solarpark ist freilich Projektplaner Markus Wanckel von der BayWa. Er preist den „guten Standort“ wie das „gute Konzept“ und spricht Netzanschluss und Biodiversität an, die auf dem Gelände nahe der Spitalhöfe umgesetzt werden sollen. Zwischen den Modulen, so die Vision, sollen Schafe weiden, mit einem Schäfer aus Tannheim sei man bereits im Gespräch. Blühwiesen seien geplant und Bereiche für Wildbienen, zudem sei der Einsatz von Pestiziden ein Tabu. Und damit holt er zum argumentativen Gegenschlag aus. Statt konventioneller Landwirtschaft und dem Einsatz von Düngemitteln etwa, schaffe man hier das genaue Gegenteil. „Klar nimmt man hier auch Fläche weg, aber dafür schaffen wir neue Werte“, so Wanckel im Gespräch.

Verbände im Dilemma

Freiflächenanlagen ja oder Nein? Nicht einfach ist diese Frage auch für Umwelt- und Naturschutzverbände. Grundsätzlich befürwortet der BUND solche Anlagen. Andererseits stehe mit der vom Verband geforderten Umstellung auf ökologischen Landbau nur wenig landwirtschaftliche Fläche für die Energieerzeugung zur Verfügung, zeigt der Verband das Dilemma auf. Der BUND hält deshalb eine Steuerung von PV-Freiflächenanlagen für sinnvoll. Deutlicher wird der Landesnaturschutzverband. Den Konkurrenzkampf um knappe Flächen sollte man nicht in den Bereichen künstlich verschärfen, „in denen Alternativen einfach umzusetzen sind“. Stattdessen sollte die Förderung von Photovoltaikanlagen auf Gebäuden und über Parkplätzen vorangetrieben werden.

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