Die Färberstraße tickt manchmal anders

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Na dann Prost – in der Färberstraße allerdings bitte nur bis 22 Uhr, zwei Straßen weiter in der
 Niederen Straße gerne bis 23 U
Na dann Prost – in der Färberstraße allerdings bitte nur bis 22 Uhr, zwei Straßen weiter in der Niederen Straße gerne bis 23 Uhr. (Foto: Ole Spata)
Cornelia Spitz

Ticken in der Villinger Färberstraße die Uhren anders als in der Niederen Straße? Oder warum muss dort mit der Außenbewirtschaftung um 22 Uhr Schluss sein, während in der Haupt-Einkaufsstraße bis 23 Uhr bedient werden darf? Der FDP-Stadtrat Dirk Caroli hakte nach und stieß rund um die Färberstraße auf viele „Besonderheiten“.

„Was hier an Ausnahmen gemacht wird, geht auf keine Kuhhaut“, meint Dirk Caroli und wird deutlich. Immer wieder sei er in jüngster Zeit von Gastronomen und Händlern auf Irritationen aufmerksam gemacht worden, die sich auch ihm nicht so ohne weiteres erschließen, wie er offen zugibt. „Warum gelten in der Färberstraße andere Vorschriften?“, wollte Caroli daher in der jüngsten Gemeinderatssitzung bezüglich der Außenbewirtschaftungen wissen. Laut Ordnungsamtsleiter Ralf Glück gelten mitnichten andere Vorschriften – in der Färberstraße habe man jedoch aufgrund der besonderen Anwohnersituation und Lärmbelästigung für diese im Einvernehmen mit den Wirten einst beschlossen, dort auf 22 Uhr als Schlusszeit für die Außenbewirtschaftung herunterzufahren. Für die Gastronomen jedoch blieb dieser Beschluss offenbar nicht folgenlos: Wenn nach 21 Uhr seitens der Bedienungen der Hinweis auf die „letzte Runde draußen“ fällt und ein Umzug ins Innere bevorsteht, dann reagierten die Gäste häufig damit, stattdessen gleich ganz in ein Lokal in der Niederen Straße umzuziehen, schildert Caroli die Lage.

Und auch sonst sei in der Färberstraße manches anders. Der Durchgangsverkehr sei tagsüber nach wie vor ein Problem für die Wirte – der Stadtrat möchte daher anregen, dass Poller an den Zufahrtsstraßen um 12 Uhr mittags hochgefahren werden und der Verkehr damit verdrängt wird. „Dann würde sich auch das Parkplatzproblem für die Anlieger entschärfen“, meint er.

Neben den Wirten sind es auch Inhaber der vielen kleinen Geschäfte, die unter den Bedingungen ächzen. So sei schon 2006 eigentlich beschlossen worden, in der Niederen Straße Pylonen mit Hinweisen auf die Geschäfte in den Nebenstraßen aufzustellen, um die Kundenströme auch dorthin zu lenken. Doch außer einem Schilderturm an der Ecke Niedere Straße/Brunnenstraße sei nichts mehr passiert. „Man setzt es halt nicht um“, bemängelt Caroli. Und die Möglichkeiten, in den Nachbarstraßen mit Kundenstoppern auf sich aufmerksam zu machen, die hätten im übrigen auch nicht alle, sondern nur ältere Geschäfte. Vor über zehn Jahren habe der Gemeinderat beschlossen, das künftig nicht mehr zu erlauben – Unternehmer, die bereits eine Genehmigung in der Tasche hatten, haben Glück, neue aber sollten nicht mehr ausgestellt werden.

Die Unregelmäßigkeit bezüglich der Passantenstopper könnte sich erledigen, wenn Caroli mit seinem Anliegen Erfolg hat, weitere Schilder-Türme in der Niederen Straße zu installieren, auf welchen die Geschäfte in den Nachbarstraßen dann mit ihrem Schriftzug für ihren Laden werben können. Für manche anderen Probleme aber bedürfe es grundlegender Debatten für die Zukunft.

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