17 Gründungsmitglieder brachten den Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen auf den Weg.
(Foto: Heinig)

Der Paukenschlag ist nach zweistündiger Diskussion über Formulierungen in der Satzung gekommen: Der neu gegründete Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen ist bereits im Besitz von 19 beschrifteten Stolpersteinen und sicher, dass diese über kurz oder lang dort in den Boden gelassen werden, wo sie hingehören. Diese Stolpersteine sollen an Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

In finanzielle Vorleistung getreten ist dafür der am Montagabend zum kommissarischen Vorsitzenden gewählte Friedrich Engelke. Deutlich machte er damit, dass die Initiative, die jetzt Verein ist, nicht lockerlassen wird. „Jetzt haben wir eine Aufgabe vor uns“, sagte Engelke angesichts der blankpolierten Pflastersteine mit einem Wert von je 129 Euro.

Jeder einzelne trägt den Namen und die Daten von jüdischen einst in Villingen lebenden Nazi-Opfern. Der Künstler Gunter Demnig hat sie autorisiert und werde sie eines Tages auch selbst verlegen, so Engelke. Davon zeigten sich er und seine beiden am Montagabend ebenfalls kommissarisch gewählten Mit-Vorsitzenden, Heinz Lörcher und Theo Leute, überzeugt. Bis es so weit ist, werden die Steine zunächst Schülern der St.-Ursula-Schulen für Projektarbeiten zur Verfügung gestellt.

17 Gründungsmitglieder

In der Satzung hatten die 17 Gründungsmitglieder zuvor Ziele und Zweck des neuen Vereins festgehalten. Die Förderung des Andenkens an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ein „verantwortungsvolles Erinnern für die Zukunft“ soll durch die Verwirklichung der Aktion Stolpersteine realisiert werden. Aber nicht nur: Forschungen über Bürger der Stadt, die Opfer wurden, sollen betrieben und veröffentlicht, Veranstaltungen „wider das Vergessen“ und für die Bedeutung des Erinnerns für Gegenwart und Zukunft organisiert werden. Dabei wird der Dialog mit Minderheiten aller Art angekündigt.

Der Verein nimmt Förderer und Spender des Kunstprojekts unter seine Fittiche und zeichnet laut Satzung auch für die Erhaltung und Pflege der Stolpersteine verantwortlich. Besonders beschäftigen wird den Verein aber wohl das „Einholen der erforderlichen Erlaubnis, um öffentlichen und privaten Grund und Boden zur Erinnerung nutzen zu können“. Engelke und sein Team werden dazu „die Kunst der kleinen Schritte“ weiterverfolgen. „Das war heute allerdings ein größerer“, schloss Engelke die Gründungsversammlung.

Stolpersteine sind mit Metallplatten belegte Pflastersteine, auf denen mit Namen und Daten an Schicksale von Menschen erinnert wird. Vorgesehen ist laut Künstler Gunter Demnig das Versenken der Steine in das Straßenpflaster direkt vor dem Ort des letzten freiwillig gewählten Aufenthaltsortes des Genannten.

Einer von ihnen, Berthold Haberer, 1882 geboren, lebte in der Villinger Herdstraße 18, als er 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert wurde und dort 1942 starb.

Die Verlegung der Steine wurde im November 2013 vom Gemeinderat nach 2004 zum zweiten Mal abgelehnt.

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