Die Werkrealschule wird bald vom Schild am Portal der Friedensschule verschwinden müssen.
Die Werkrealschule wird bald vom Schild am Portal der Friedensschule verschwinden müssen. (Foto: Parage)
Verena Parage

Die Schwenninger Friedensschule steht vor einer großen Veränderung: Im kommenden Schuljahr wird sie zur Ganztagsgrundschule. Bei vielen Eltern führte das erst einmal zu Verunsicherung, vor allem, was die Betreuungszeiten betrifft.

Gleich am Haupteingang der Friedensschule hängt ein Zettel: „Liebe Eltern, wir der AWO-Schülerhort sind auch weiterhin für Sie und Ihre Kinder da. Im nächsten Schuljahr 2019/2020 betreuen wir Ihre Kinder in der Außenstelle Friedensschule (ehmalige Hirschbergschule).“ Die maximale Betreuungszeit von Montag bis Freitag wird mit 12 bis 18 Uhr angegeben. Damit ist klar: Das Thema Betreuung ist es, das Eltern bei der bevorstehenden Umwandlung in eine Ganztagsgrundschule am meisten umtreibt. Gerüchte machten die Runde, der AWO-Hort verlasse die Schule und die künftigen Betreuungszeiten an der Ganztagsgrundschule seien kürzer als bisher im Hort. Gar von Ärger war die Rede. Dem sollte und konnte offenbar der Montagabend entgegenwirken. Da gab es eine Infoveranstaltung mit Vertretern der Stadt in der Friedensschule, und die Eltern erfuhren, wie sich die Bildungseinrichtung als Ganztagsgrundschule in Wahlform verändern wird.

Infoabend verschafftvielen Klarheit

Die städtische Pressesprecherin Madlen Falke spricht von einer positiv verlaufenen Veranstaltung. Fragen seitens der Eltern hätten sich vor allem auf die Betreuungszeiten, aber auch auf das pädagogische Konzept bezogen. Unerwartetes sei nicht gefragt worden. Das liegt wohl auch daran, dass VS bereits reichlich Erfahrung mit Ganztagsgrundschulen gesammelt hat. Die Friedensschule legt im kommenden Schuljahr mit dem neuen Konzept los, sechs weitere solcher Einrichtungen gibt es in der Stadt bereits. Mitte März hatten die Eltern ein Schreiben von der Friedensschule erhalten. Mit dabei war ein Anmeldeformular für die künftige Ganztagsbetreuung.

Das dürfte wohl der Auslöser für die Aufregung im Vorfeld gewesen sein. Denn die Anmeldungen sollten bis Donnerstag, 11. April, erfolgen. Die Ganztagsgrundschulen mit ihrem Betreuungsangebot kommen vor allem berufstätigen Eltern entgegen. Im Fall der Friedensschule können sie entscheiden, ob ihr Kind daran teilnehmen soll oder ob es die Schule wie gehabt nach Unterrichtsende verlässt. Wer eine Entscheidung trifft, legt sich allerdings fürs ganze Schuljahr fest.

Angebot wird sogarausgedehnt

Folgende Betreuungszeiten sind an der Friedensschule geplant: montags bis donnerstags 8 bis 16 Uhr und freitags 8 bis 12.30 Uhr. Diese Betreuung ist kostenlos. Wer zusätzliche Zeiten benötigt, kann sein Kind im Rahmen der verlässlichen Grundschule darüber hinaus von 7 bis 13.30 beziehungsweise 18 Uhr (Montag bis Donnerstag) sowie freitags von 7 bis 16 Uhr beaufsichtigen lassen. Dies dann allerdings gegen Bezahlung.

Mit diesem Angebot versuche die Stadt „möglichst große Zeiträume der üblichen Arbeitszeit abzudecken“, erklärt Madlen Falke. Und: „Die Betreuungszeiten werden ausgebaut.“ Tatsächlich sind es lediglich an Freitagen zwei Stunden weniger als im AWO-Schülerhort. Allerdings habe die Stadt die Erfahrung gemacht, dass die Freitagnachmittagsbetreuung so gut wie gar nicht in Anspruch genommen werde. Sollte dies an der Friedensschule anders sein, müsse man prüfen, ob die Betreuung verlängert werden soll. Falkes Fazit: „Die Sorge der Eltern ist Gott sei Dank unbegründet.“

Weil der Werkrealschulzug an der Friedensschule nach und nach ausläuft, kann die neue Ganztagsgrundschule bereits im kommenden September starten. Der AWO-Schülerhort wird bis dahin in die Außenstelle der Friedensschule umgezogen sein. Auch dort wird weiterhin Betreuung angeboten. Die Eltern haben also zunächst eine Auswahl. Allerdings baut die Arbeiterwohlfahrt auf der Möglingshöhe neu. Ist dieses Gebäude fertig, soll der Hort dorthin umziehen und einen neuen, heilpädagogischen Schwerpunkt bekommen. Bis dahin dürfte dann auch an der neuen Ganztagsgrundschule längst Routine eingekehrt sein.

Ganztagsgrundschulen

Politik

Die Landesregierung baut die Ganztagsgrundschulen nach eigenen Angaben kontinuierlich aus. Aus Sicht der Regierung sind sie ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit, sie ermöglichen bessere Lernleistungen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dennoch würden Ganztagsgrundschulen nicht von oben verordnet, heißt es auf der Internetseite www.baden-wuerttemberg.de: „Sie werden nur dort eingerichtet, wo es die jeweilige Kommune und die Schulkonferenz wünscht.“

Zwei Formen dieser Einrichtung gibt es: eine verbindliche und eine freiwillige. Bei Ersterer sind alle Schüler den ganzen Tag lang in ihrer Bildungseinrichtung, bei Letzterer entscheiden Schüler und Eltern selbst, ob sie am Ganztagsbetrieb teilnehmen oder nicht. Zum Ganztagsangebot gehören neben dem Unterricht Lernphasen, Förderangebote, Bewegungsphasen, Aktivpausen oder Kreativzeiten. Auch Verbände und Vereine können sich dabei einbringen.

Vor Ort

In Schwenningen ist die Gartenschule bereits eine Ganztagsgrundschule. In Villingen sind es die Südstadt-, die Klosterring- und die Haslachschule, dazu kommen die Grundschulen Golden-Bühl und Bickeberg. Letztere ist die einzige gebundene, also verbindliche Ganztagsgrundschule in der Stadt.

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