Eine einzige Schlaglochpiste ist inzwischen die Sebastian-Kneipp-Straße in Villingen: Seit die Wald- und die Richthofenstraße g
Eine einzige Schlaglochpiste ist inzwischen die Sebastian-Kneipp-Straße in Villingen: Seit die Wald- und die Richthofenstraße gesperrt sind, dient sie als Umleitungsstrecke. Diese hohe Auslastung und der Winter haben dem Belag zugesetzt. (Foto: Eich)
Martina Zieglwalner

In Sachen Straßenzustand kochen regelmäßig die Emotionen hoch. Jetzt auch bei Baubürgermeister Detlev Bührer: Wenn kein Umschwenken bei der Sanierungsstrategie einsetze, gehe Jahr für Jahr eine Unsumme an Wert verloren, zeichnete er im Technischen Ausschuss ein düsterer Szenario des unaufhaltsamen Verfalls.

In den vergangenen 30 Jahren habe die Stadt ihr Straßennetz vernachlässigt und ohne langfristige Strategie gehandelt, schilderte Bührer die Situation. Wenn es jetzt nicht gelinge, neben den total kaputten Passagen auch weniger baufällige Strecken zu richten, sei das Straßennetz in wenigen Jahren in einem katastrophalen Zustand, forderte er einen Kurswechsel ein. Denn sonst müsse die Stadt noch viel mehr Geld für die Sanierung in die Hand nehmen. „Wir können es uns nicht mehr leisten, alles kaputt gehen zu lassen“, appellierte er an den Ausschuss, genügend Mittel im Haushaltsplan bereitszustellen.

Die Freien Wähler hatten bereits eine Untersuchung beantragt, welche sanierungsbedürftigen Hauptverkehrsstraßen in Villingen-Schwenningen sich mittels einer Oberflächenbehandlung auf Vordermann bringen lassen und welche Investitionen anfallen. Ein willkommener Anlass für das Amt für Straßenbau, Stadtgrün und Altlasten, eine umfangreiche Bestandsaufnahme mit einem mittelfristigen Arbeitsprogramm auf den Tisch zu bringen.

Dass die Stadt mit einem Straßennetz von 471 Kilometern einiges zu tun hat, verdeutlichte der neue Amtsleiter Ulf Millauer. Allein 136 Kilometer sind Hauptverkehrsadern, denen das besondere Augenmerk gilt. Um sich einen genauen Überblick zu verschaffen, heißt es nun, diese Hauptverbindungen abzufahren und die Schäden systematisch zu untersuchen, teils auch mit Bohrungen. So sei es in Zukunft möglich, rechtzeitig einzugreifen und viele Straßen instandzusetzen anstatt sie komplett zu erneuern.

Zwischen den beiden bisher angewandten Methoden, als Billigvariante nur Schlaglöcher, Fugen und Risse zu beseitigen und als teuerste Lösung die gesamte Fahrbahn aus- oder umbauen, gebe es noch weitere, teils schnellere und günstigere Möglichkeiten. Die Oberfläche zu behandeln, dünne Schichten im Kalteinbau aufzubringen oder die Asphaltdecke abzufräsen und die Deckschicht zu erneuern, nannte Millauer einige Verfahren. Angesichts der Schäden komme bei vielen Straßen inzwischen aber nur noch der Ausbau der gesamten Fahrbahn in Frage.

Allein in diesem Jahr stehen 1,5 Millionen Euro für den Unterhalt der Straßen im Haushaltsplan. Um das Netz zu erhalten, seien zusätzliche Investitionen von mindestens 4,5 Millionen Euro erforderlich, heißt es im Arbeitsprogramm. „Wir brauchen künftig mehr Geld“, brachte es Millauer auf den Punkt.

Diesen Standpunkt vertraten denn auch die Ausschussmitglieder. Die CDU hoffe, dass es vorangeht, betonte Dietmar Wildi, und mahnte an, für die Haushaltsplanberatungen auch eine Liste jener Straßen vorzulegen, die im Rahmen vom Erschließungen noch nicht umgesetzt, teils aber mit den Anwohnern abrechnungsfähig seien.

Mit dieser Strategie sei die Stadt auf dem richtigen Weg, stellte Andreas Flöß, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, fest. Um noch effizienter vorzugehen, schlug er vor, sich in Eigenregie eine Teerkolonne zu leisten. Ein Vorschlag, der auch in der Verwaltung aufgekommen ist: Marina Kloiber-Jung, Betriebsleiterin der Technischen Dienste Villingen-Schwenningen (TDVS), habe bereits den Auftrag, Angebote einzuholen, erklärte Bührer.

Die Arbeiten selbst in die Hand zu nehmen, hielt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Edgar Schurr angesichts hoher Preise und der ausgelasteten Bauunternehmen für sinnvoll. Pessimistisch zeigte er sich jedoch, tatsächlich in einem Zeitraum von 30 Jahren einmal durch alle Straßen in der Stadt durchzukommen. Der Landkreis erreiche dieses Arbeitspensum, entgegnete Ernst Reiser von den Freien Wählern.

Grundsätzlich stellten sich die Gemeinderäte unisono hinter die vom Bauamt vorgegebene Marschroute. Einstimmig bewilligten sie 120 000 Euro im Haushaltsplan 2019, um im ersten Schritt den Zustand aller Straßen zu erfassen. Zudem stellten sie weitere 324 000 Euro bereit, um durch das Aufbringen dünner Schichten im Kalteinbau die Herd-, die Rieten-, die Schopfelen- und die Weiherstraße sowie die Niedereschacher, die Peterzeller und die Pfaffenweiler Straße so zu richten, dass sie für die nächsten zehn bis 15 Jahre in Ordnung sind. (sbo)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen