Alexander Weiß ( links) gratulierte am 19. Januar dem Berliner Frank Hördler zum 5:3-Sieg der Eisbären in Schwenningen. Jetzt is
Alexander Weiß ( links) gratulierte am 19. Januar dem Berliner Frank Hördler zum 5:3-Sieg der Eisbären in Schwenningen. Jetzt ist Weiß froh, dass es am Neckarursprung wenigstens mit dem Trockentraining losgeht. (Foto: Heinz Wittmann)
Heinz Wittmann

Die Spieler der Deutschen Eishockey Liga (DEL), also auch die Schwenninger Wild Wings, sollen auf 25 Prozent ihres Gehaltes verzichten.

Um die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten, müssen die DEL-Klubs ihre Spieler-Gehälter um 25 Prozent reduzieren. „Bestandsverträge sollen so geändert werden, dass 25 Prozent des Gehalts von einer garantierten Zahlung in eine variable umgewandelt werden. Für Neuverträge soll das direkt so festgehalten werden“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Die freiwillige Zustimmung etlicher Spieler wird somit zur Voraussetzung für die Lizenz der Klubs. Selbst wenn diese auch ohne Gehaltssenkung einen ausgeglichenen Haushalt nachweisen könnten, würde demnach ohne Zustimmung der Spieler die Lizenz verweigert. „Ohne diese Maßnahme werden wenige den Plan ausgeglichen gestalten können“, meinte Tripcke. Viele Klubs seien aufgrund der Corona-Krise in Not und hätten Probleme, Sponsorenverträge zu fixieren. „Das gilt für fast alle Klubs“, sagte Tripcke, der für die Lizenzprüfung am 24. Mai indes zunächst mit einer „normalen Saison“ ab dem 18. September plant. „Dabei rechnen wir noch nicht mit Alternativkonzepten“, so der DEL-Geschäftsführer. „Aber wir wollen natürlich keine Lizenzprüfung machen und einfach alle durchwinken. Gerade jetzt müssen wir ja noch vorsichtiger sein.“

Dass die Freiwilligkeit der Spieler heikel ist, ist der Liga bewusst. „Aber wenn die Spieler 'nein' sagen, schaden sie ihren Klubs“, meinte Tripcke. „Die Personalkosten und dabei insbesondere die Spielergehälter sind der zentrale Kostenfaktor und der einzige Posten, der steuerbar ist“, machte der Geschäftsführer deutlich. Die Spielergehälter machen zwischen 50 und 70 Prozent der Kosten aus. Der Gehaltsverzicht darf nicht zur Erlössteigerung der Gesellschafter führen. Etwaige Gewinne müssten jeweils ins Team reinvestiert werden. Spieler sollen das variable Gehalt erhalten, sobald Clubs „zwischen 75 und 100 Prozent der Umsatzerlöse des Vorjahres erreichen“. Kommt ein Klub bei seinen Einnahmen auf 75 bis 100 Prozent der Vorsaison, „wird das Gehalt anteilig aufgestockt“, so Tripcke. Die „75/25-Prozent-Klausel“ sieht vor, dass die Spieler aller 14 Klubs bei laufendem Spielbetrieb zunächst nur drei Viertel ihres Lohns erhalten. Die Auszahlung des offenen Viertels soll in der Saison 2020/21 abhängig von den Einnahmen des jeweiligen Klubs sein, bei dem der Spieler unter Vertrag steht. Bewegen sich diese auf dem Niveau des Vorjahres, erhalten die Profis am Saisonende die einbehaltenen 25 Prozent ausbezahlt. Konnte der Club zum Beispiel nur 90 Prozent erlösen, werden noch 15 der fehlenden 25 Prozent überwiesen. Liegt der Umsatz nur bei 75 Prozent oder darunter, gibt es keine weitere Auszahlung.

„Ich wundere mich über die öffentlichen Aussagen von Herrn Tripcke. Wir von den Wild Wings äußern uns über Vertragsbestandteile in der Öffentlichkeit nicht“, so Wild-Wings-Geschäftsführer Christoph Sandner auf Anfrage unserer Zeitung. Gleichwohl bestätigte Sandner, dass die Wild Wings mit ihren Spielern bezüglich variabler Gehaltszahlungen in Gesprächen sind. Am Lizenzierungsverfahren der DEL werde man teilnehmen und deshalb auch fristgerecht bis zum 24. Mai die Unterlagen abgeben. Sandner: „Wir wollen doch alle, dass wieder Eishockey gespielt wird, das ist das Allerwichtigste.“

Auch die Schwenninger Spieler geben sich zum Thema Gehaltsverzicht bedeckt. „Dazu sage ich nichts“, erklärte Verteidiger Benedikt Brückner auf Nachfrage. „Wir hatten letzte Woche ein Meeting und werden auf dem Laufenden gehalten. Das funktioniert sehr gut“, fühlt sich der 30-Jährige immerhin von den Wild Wings gut informiert. „Da gibt es noch nichts zu sagen, die Verhandlungen laufen. Ein, zwei Spieler sind bei uns in die Gespräche eingebunden“, erklärte SERC-Stürmer Alexander Weiß.

Wie aus den Reihen von Ligarivale Eisbären Berlin zu hören ist, haben dort Klub und Spieler noch keine Einigung erzielt. „Dass es einen Gehaltsverzicht geben würde, war klar. Dazu ist auch jeder bereit. Was verlangt wird, ist aber schwierig“, sagte ein Profi, der nicht genannt werden wollte. Zumal den Spielern quasi der schwarze Peter zugeschoben wird. Wer die 25 Prozent nicht akzeptiert, könnte den Bestand des Klubs gefährden. Ein Insider meinte aber gegenüber unserer Zeitung, dass wenn einzelne Profis die Gehaltskürzungen nicht akzeptieren würden und sie auf ihren Vertrag pochten, dass dadurch nicht die gesamte Lizenz des Klubs in Gefahr sei.

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