Über diesen Müll ärgert sich eine Anwohnerin.
Über diesen Müll ärgert sich eine Anwohnerin. (Foto: Schwarzwälder Bote)
Eva-Maria Huber

Kathrin H. platzt der Kragen. Zum wievielten Mal schaut sie in dieses Chaos? Eine kaputte Plastikpistole liegt neben einer Windel, dazwischen Filtertüten und verwelkte Blumen. Sieht es mit dem Mülltrennungsverhalten in VS generell so desolat aus?

Kathrin H. (Name von der Redaktion geändert) lässt ihrem Ärger mit der Veröffentlichung eines Fotos in den sozialen Netzwerken freien Lauf. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten wird sie noch deutlicher: An die zehn Jahre lebe sie in einem Wohnblock, doch seit einiger Zeit geht ihr das „Müllchaos ganz gewaltig auf die Nerven“.

In der Restmüllsammeltonne sehe es aus wie in einem großen Gemischtwarenladen: „Da wird alles reingeschmissen“, ärgert sie sich. Erst kürzlich entdeckte sie zwischen Restmüllmengen neben Altglas einen Sack mit Kleidern „und das, obwohl in der Nähe ein Altkleidercontainer steht“. Selbst Sperrmüll werde in den Behälter hineingestopft. Von Bekannten weiß sie, dass dies keine Einzelfälle seien und sich die Fehlwürfe über das gesamte Stadtgebiet verteilen.

In manchen Wohnanlagen befinden sich Mülltonnen nun hinter verschlossenen Türen. Aus Sorge davor, erzählt ein Anwohner, „dass weiterhin illegal Müll entsorgt wird“. Jüngstes Beispiel und die erboste Ansage eines Gewerbetreibenden aus Schwenningen: „Mülltrennung, Gelber Sack, Biomüll scheinen für euch totale Fremdworte zu sein. Nächstes Mal seid wenigstens so intelligent und entfernt die Adressen von Euren Paketen. Kommt vorbei und entsorgt das ordentlich. Morgen geht die Anzeige raus, wenn das noch da liegt.“

Wie halten es die Doppelstädter mit der Mülltrennung? Gibt es da wirklich ein Problem, das sich auch in Zahlen darstellen lässt? Wer dieser Frage auf die Spur gehen möchte, fragt am besten im Landratsamt nach, bei Martin Fetscher, dem Leiter des Abfallwirtschaftsamtes. Für VS separat kann er zwar nicht sprechen, dafür aber für die Situation im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Unterm Strich, fasst er zusammen, sei das Mülltrennungs-Verhalten eigentlich gut. Wer in die Materie tiefer einsteigen möchte, kann sich auf der Seite des Umweltministeriums Baden-Württemberg schlau machen. Jährlich werden dort Abfall- und Wertstoffmengen pro Kopf dargestellt und in der Folge davon Kennzahlen berechnet, ein Abbild von Konsum- und Trennverhalten. Mit Blick auf das Jahr 2018 wird deutlich, resümiert Fetscher: „Wir befinden uns im guten Mittelfeld.“

Alles andere als „gutes Mittelfeld“ dagegen ist der teils sehr saloppe Umgang mit Biomüll. Teilweise, entnimmt Fetscher den Zahlen, lande dieser zu häufig in Restmülltonnen. Ein Grund dafür sei sicher ein hoher Grad an Befreiung von der Biotonne, wenn Bürger auf eigene Kompostierung verweisen oder sich eine Tonne mit dem Nachbarn teilen. Die Realität sehe mitunter anders aus. Stichproben werden zwar gemacht, was es mit eigenen Komposthäufen und gemeinsamen Biotonnen so auf sich habe, „aber wir können ja nicht durch die Küchen spazieren“. Ein anderes und nicht weniger gravierendes Problem: Im Grüngut landen gerne Plastikteile, Folien oder Blumentöpfe. „Jeder Schnipsel Plastik ist jedoch zu viel.“ Fetschers Fazit: „Es gibt eben Bürger, die schlecht trennen oder gar nicht.“

Davon kann auch Christian Hitschler ein Lied singen. Das Mülltrennungs-Verhalten der Doppelstädter ist in den Augen Hitschlers, der bei der Entsorgungsfirma Remondis die kommunale Einsatzleitung innehat, „ausbaufähig“. Vor allem mit Blick auf das, was regelmäßig in Gelben Säcken und Biomülltonnen landet. „Das ist ein Dauerthema“, resümiert er. Geändert habe sich jedoch das öffentliche Bewusstsein: „Es wird stärker darauf geachtet, wenn da was falsch läuft.“ Wenn Gelbe Säcke an der Straße liegen und die roten Hinweiskleber auch Nachbarn nicht verborgen bleiben, „wird das schnell zum Ärgernis“.

Was läuft genau falsch? Beispiele gebe es viele, denkt Hitschler an die Beobachtungen und Erfahrungen der Müllwerker, die in VS unterwegs sind: Plastiktüten, abgelaufene Lebensmittel und selbst alte Schuhe werden in den Biomüll geworfen. Das Chaos in den gelben Säcken falle nicht geringer aus: von Speiseresten über verdorbene Lebensmittel bis hin zur verdreckten Windel finde sich darin: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“

Ein Problem, das häufig vor großen Wohnanlagen auftauche. Manchmal seien solche teils unappetitlichen Fehlwürfe auch die Folge von Sprachproblemen. Was die Entsorgungsarbeit nicht einfacher macht: Nicht immer reagieren die Betroffenen auf die roten Aufkleber und beginnen mit der Trennung von vorne. „Manche Säcke bleiben dann wochenlang an der Straße liegen.“ Und dann? „Der Verursacher bleibt und ist verantwortlich“, kommentiert die Pressestelle der Stadt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen