Projektleiter Norbert Hemmerling (links) und Stadtbauamtsleiter Millauer (Mitte) lassen sich von Michael Schreiner zeigen, wie
Projektleiter Norbert Hemmerling (links) und Stadtbauamtsleiter Millauer (Mitte) lassen sich von Michael Schreiner zeigen, wie er die Lage der Spannglieder per Georadarermittelt. (Foto: Heinig)
Birgit Heinig

Sie trägt täglich bis zu 12 000 Fahrzeuge – am Wochenende wurde auf der Vockenhauserstraße die Brücke über die Goldenbühlstraße einer „objektbezogenen Schadensanalyse“ unterzogen. Die gute Nachricht: nun kann sie erst einmal wieder befahren werden.

Zu Ampelstaus auf den Ausweichstrecken kommt es erst im Frühjahr wieder, wenn Teil drei der gründlichen, vom Schwenninger Planungsbüro Hemmerling und dem Stuttgarter Ingenieurbüro für Bauwesen, Heinrich Bechert + Partner projektierten Prüfung ansteht. Beteiligt daran ist auch die Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart. Mit vereinten Kräften rückte man der 325 Meter langen und damit größten Brücke der Stadt von Freitag bis einschließlich Sonntag zu Leibe, um ihren bautechnischen Zustand und eine eventuelle Ermüdung festzustellen. Das Ergebnis schlage sich in einem Gutachten nieder, kündigt Projektleiter Norbert Hemmerling an. Bei dem 1983 erstellten Bauwerk handelt es sich um eine Konstruktion mit Spanngliedern, die über Koppelfugen miteinander verbunden sind – diese Fugen sind die kritischsten Bauteile. Ihre Funktionstüchtigkeit wird durch schwingungstechnische Messungen festgestellt. Dazu fuhr ein 52 Tonnen schwerer Autokran mehrfach über die Brücke. Über seismische Messungen wurde dabei das statisch-dynamische Brückenverhalten unter Last erfasst und über Sensoren im Koppelfugenbereich ihr Ermüdungsverhalten bestimmt.

„Schwingungen sind wie das Passbild einer Brücke“, erklärt Frank Lehmann von der Materialprüfungsanstalt und vergleicht sie mit einer Geige, deren Steg oder Saiten verschoben sind. „Wenn sie anders schwingt, hat sich das gesamte Bauwerk verändert“.

Grundlage für den Vergleich waren die letzten Messungen 2005. Außerdem wurde der Brückenbau auf Chloridbelastung durch Streusalz untersucht. An zwölf besonders kritischen Stellen wurden dazu Löcher gebohrt und Proben genommen, um eine fortschreitende Korrosion labortechnisch zu analysieren. Die letzte Phase der aufwendigen Prüfung erfolge erst im Frühjahr, kündigt Hemmerling an. Trockenes Wetter sei für eine abschließende magnetische Streufeldmessung notwendig, die eine korrosionsrelevante Beurteilung der Spannglieder ermögliche und Hinweise auf Spannstahlbrüche gebe. Dazu müsse der Asphaltbelage abgeschabt werden, um direkt auf dem Beton messen zu können.

Auch diese Prüfung sei aber innerhalb von drei Tagen durchführbar, versicherte Hemmerling. Aufmerksamer Beobachter der Prüfungen war Stadtbauamtsleiter Ulf Millauer. Alle 155 Brücken der Stadt unterliegen den regelmäßigen Prüfungen nach DIN 1076. Nicht leicht sei es derzeit, sagt Millauer, dafür eine der wenigen Spezialfirmen zu bekommen. Für die Vockenhauser Brücke habe die Auftragsvergabe ein halbes Jahr gedauert. Hinzu komme, so Millauer, dass sich mit Karl-Friedrich Ziegler nur ein Mitarbeiter um das Thema Brücken kümmern könne, aber: „wir haben eine weitere Stelle beantragt“.

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