Beyers Anekdoten fesseln Publikum

Lesedauer: 5 Min
 Heiko Beyer bestieg bei seiner Reise entlang der Anden auch Berge. Bei story VS erzählt er von seinen Naturerlebnissen – hier i
Heiko Beyer bestieg bei seiner Reise entlang der Anden auch Berge. Bei story VS erzählt er von seinen Naturerlebnissen – hier in Peru. (Foto: Heinig)
Birgit Heinig

Der Fotojournalist Heiko Beyer ist für die Event-Reihe story VS kein Unbekannter. In der erneut ausverkauften Neuen Tonhalle erzählte er am Freitagabend von seiner 7000 Kilometer langen Reise entlang der südamerikanischen Anden.

Start war für den Ingenieur und Doktor der Mikroelektronik im Norden Venezuelas. Entlang dem als das mächtigste der Welt geltenden Gebirge machte er sich auf den Weg durch Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und überschritt im Süden die Grenze zwischen Argentinien und Chile mehrmals, bevor er sein Sehnsuchtsziel, das Kap Horn am Eingang des Südpolarmeeres erreichte. Dabei ließ er sich Zeit, das jeweilige Land und vor allem die Leute kennenzulernen, schloss Freundschaften, erlebte faszinierende Gastfreundschaft und kam mit unglaublichen Bildern nach Hause.

Als hätten sie das geahnt, kamen die Zuschauer am Freitagabend in so großer Zahl, dass die 700 Stühle in der Neuen Tonhalle nicht ausreichten und Veranstalter Michael Hoyer etliche Interessenten schweren Herzens abweisen musste. Es sei vorausgeschickt: Der anhaltende Applaus nach zweieinhalb Stunden Multivisionsschau zeigte, dass Heiko Beyer den Nerv seines Publikums getroffen hatte. Daran waren nicht nur die begeisternden Fotografien und Filme Schuld, sondern auch seine Gabe, mit Anekdoten und rührseligen Geschichten zu dienen, die bei einer Reise dieses Ausmaßes zwar kaum ausbleiben, aber auch treffend erzählt sein wollen.

So berichtete er von seiner Freundschaft zu der Ecuadorianerin Hilaria, einer eingeborenen Quechua, die in elender Sklaverei aufwuchs, in Armut lebte und an Arthritis erkrankte. Als Heiko Beyer sie bei einer früheren Reise kennenlernte und erfuhr, dass die Analphabetin ihre Biografie diktiert hatte, brachte er diese als kleines Buch heraus, das er bis heute für sie verkauft und Hilaria mit den Einnahmen versorgt. Sie hat den Geldsegen dazu genutzt, für das ecuadorianische Parlament zu kandidieren, wurde gewählt und blieb darin, trotz aller Steine, die ihr als traditionelle Ureinwohnerin auch von der eigenen Partei in den Weg gelegt wurden, zwei Legislaturperioden lang.

Großen Eindruck auf Beyer und sein Publikum machten aber auch die schweren Gewitter am venezolanischen Maracaibo-See, die jedes Jahr drei bis vier Fischern das Leben kosten, die Millionenmetropole Bogota, Hauptstadt von Kolumbien, die Weisheit der in den ecuadorianischen Bergen lebenden Mamo (“Die Menschen müssen lernen, was bewahren bedeutet. Sie müssen ihr Leben ändern“) und die Lässigkeit aller Latinos, besonders im Straßenverkehr.

Beeindruckend Beyers Fahrt entlang der „Straße der Vulkane“, von der er gigantische Filmsequenzen vom immerwährend aktiven „Reventador“ mitbrachte, sein Besuch im Reich der Inkas und der „verlorenen Stadt“ Machu Picchu.

Bergsteigen in den peruanischen Anden, Bekanntschaft mit der bolivischen Wrestlerin Sonja und ein Tag als Minenarbeiter – Heiko Beyer tauchte tief ein in das lateinamerikanische Leben. Das Ziel seiner Reise, das Kap Horn, überhaupt erreichen zu können, war aus militärischen und meteorologischen Gründen lange ungewiss. Doch schließlich stand er am „Ende der Welt“, auf einer kleinen Insel inmitten der „gefährlichsten Gewässer der Erde“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen