Bei dem Brand Ende August wurde erheblicher Sachschaden angerichtet.
Bei dem Brand Ende August wurde erheblicher Sachschaden angerichtet. (Foto: Marc Eich / sbo)
sbo und Marc Eich

Wie geht es beim ehemaligen Weinhaus Schunk weiter? Dies ist eine Frage, die auch der Eigentümer derzeit noch nicht beantworten kann. Doch er ärgert sich über den harschen Ton der Stadt zur Absicherung des Objekts. Auch liegen erste Informationen zur Brandursache vor.

„Das war fast bisschen wie Geburtstag, weil sich so viele Freunde gemeldet haben – aber alle haben mir geschrieben, dass mein Haus brennt.“ Marc Brzezinka, der vor vier Jahren das Ex-Weinhaus Schunk in der Villinger Bertholdstraße gekauft hat, erinnert sich nur ungern an jenen Moment zurück, als er im Urlaub erfahren hat, dass aus dem Mehrfamilienhaus die Flammen schlagen.

Der jungen Unternehmer, der in Brigachtal aufgewachsen ist, war zwar froh darüber, dass es keine Verletzten gab und ein Übergreifen auf das direkt angrenzende Haus verhindert werden konnte („Die Feuerwehr hat zum Glück ganze Arbeit geleistet“). Doch der Schock nach dem Brand vermischte sich kurz darauf mit Wut.

Denn sechs Tage nach dem Brand flatterte am 3. September ohne vorherige Kontaktaufnahme durch die Stadt eine Verfügung des Baurechtsamts ins Haus, „den Brief hat man abends um 20 Uhr meinen Eltern in die Hand gedrückt“. Darin wurde unter Androhung von Zwangsmaßnahmen und einer Ersatzvornahme das Aufstellen eines Bauzauns um das schon abgesperrte Gebäude bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr gefordert. Der Grund: Es würde aufgrund des vorherrschenden Zustands eine Gefahr für Leib und Leben vorliegen. „Das Haus wurde aber erst am 2. September von der Polizei freigegeben, der beauftragter Statiker hätte mir außerdem sicherlich Bescheid gegeben, wenn von dem Haus eine Gefahr ausgehen würde“, zeigt sich Brzezinka verwundert.

Er kritisiert insbesondere den wirschen Ton in dem Schreiben. Brzezinka: „Die Art und Weise ist einfach nicht in Ordnung.“

Kurios: Angemahnt wurde am 3. September, dass die Verfügung, die auf den gleichen Tag datiert ist, „bis zum heutigen Zeitpunkt“ noch nicht umgesetzt wurde. Der Eigentümer setzte noch in der Nacht alle Hebel in Bewegung, um am nächsten Tag den Bauzaun aufzustellen und in diesem Zug einen Teil des Fahrstreifens zu sperren. Die Zusammenarbeit mit den Vertretern der betroffenen Ämter am nächsten Morgen vor Ort sei hingegen „problemlos“ verlaufen, der Eigentümer will sich aber dennoch gegen das Vorgehen wehren.

Versicherung ist am Zug

Und wie geht es nun weiter? In etwa zehn Wochen würde die genaue Schadensbezifferung der Versicherung vorliegen, vermutet der Eigentümer. Erst anschließend könnten Überlegungen angestellt werden, was mit dem Haus, welches Ende der 1880er-Jahre gebaut wurde, passiert. „Ich möchte da auch in einen Dialog mit der Stadt treten“, so Brzezinka. Grundsätzlich könne er sich einen Wiederaufbau vorstellen, dies hänge aber insbesondere damit zusammen, ob tragende Elemente beschädigt wurden. „Das Gutachten der Versicherung entscheidet darüber, wie es mit den Haus weiter geht – im Moment ist Warten angesagt“, so der 32-Jährige. Grundsätzlich gehe er jedoch davon aus, dass das Haus die kommenden 18 Monate unbewohnbar bleiben wird.

Dies betrifft auch die Bewohner der insgesamt vier Parteien, die seinen Angaben zufolge vor dem Nichts stehen. "Sie hatten alle keine Hausratversicherung", weiß Brzezinka. Die betroffene Wohnung der fünfköpfigen Familie, in der vor anderthalb Monaten noch Renovierungsarbeiten stattgefunden hatten, wurde komplett zerstört. Der Rauch habe aber derweil in der oberen Wohnung großen Schaden angerichtet, während das Löschwasser den beiden unteren Parteien heftig zusetzte. Die Bewohner hätten sich deshalb andere Unterkünfte suchen müssen.

Ursachenforschung läuft

Wie der Eigentümer berichtet, sei der Brand im Bereich eines Handys ausgebrochen, welches sich im Erker im Ladezustand befand. Dieses habe man beschlagnahmt. Seitens der Polizei erklärt Sprecher Michael Aschenbrenner auf Anfrage unserer Zeitung lediglich, dass die Tendenz weiterhin in Richtung einer technischen Ursache gehen würde. Allerdings seien die Ermittlungen noch am laufen, auch die Ergebnisse des Gutachters würden noch nicht abschließend vorliegen, wie Aschenbrenner betont. Jedoch wird von der Polizei auch eine "strafrechtliche Relevanz" – offenbar in Richtung fahrlässige Brandstiftung – geprüft.

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