Céphas Bansah, König von Hohoe/Ghana, trägt sich im Schwenninger Rathaussaal in das Goldene Buch der Stadt ein. Bürgermeister D
Céphas Bansah, König von Hohoe/Ghana, trägt sich im Schwenninger Rathaussaal in das Goldene Buch der Stadt ein. Bürgermeister Detlev Bührer bezeichnete er freundschaftlich als „König von Schwenningen“ und lobte ihn für sein gutes Aussehen. (Foto: Heinig)
sbo und Birgit Heinig

Hohen Besuch hat am Freitag Bürgermeister Detlev Bührer in seinem Rathaus bekommen. König Céphas Bansah, Herrscher über mehr als 200 000 Untertanen in Ghana, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Trat er vormittags im goldblitzenden Ornat und mit gewaltigem Holzzepter auf, so warf sich der 70-Jährige am Nachmittag in den Blaumann, um den Schwenninger Ewald Baumann beim Verladen hauptsächlich von rund 350 Fahrrädern, aber auch Nähmaschinen, Laptops und Werkzeug zu unterstützen. Danach ging der erste Container von Baumanns seit 2015 regelmäßigen Hilfslieferungen nach Afrika auf seine Reise nach Ghana.

Baumann und Bansah duzen sich, sie kennen sich aus Ludwigshafen, wo der König als Kraftfahrzeug- und Landmaschinenmechanikermeister seit 1970 lebt und im eigenen Betrieb arbeitet. Damals kam er anlässlich eines internationalen Austausches nach Bad Godesberg, erzählt er, und staunte über das Land und die Menschen, die es schaffen, Häuser, Autos und Flughäfen zu bauen. Er blieb, bildete sich zum Meister fort, eröffnete 1983 sein Unternehmen, in dem er schon 14 junge Menschen ausbildete, und heiratete eine Deutsche, mit der er zwei Kinder hat.

Mit deutschen Freunden brachte er regelmäßig Medikamente in sein Heimatland. 1992 war ein Schicksalsjahr. Sein Opa, der König von Hohoe, starb, sein Vater, der Bürgermeister, durfte aufgrund seiner Linkshändigkeit nicht König werden. „König sein ist bei uns Familiensache“, erzählt Bansah, der nach einer mehrtägigen Zeremonie schließlich gekrönt wurde – entgegen der Meinung seiner Kritiker, die fanden, er sei „zu klein und nicht dick genug“. Sein hauptsächlicher Wohnort blieb Deutschland, sein Land regiert er per digitalem Datenaustausch. In Ghana habe er gleichwohl bereits mehrere Schulen und ein Frauengefängnis gebaut. Über die Fahrräder für seine Untertanen freut er sich besonders, weil vor allem Landwirte, Frauen und Kinder stundenlange Fußmärsche zurücklegen müssen, um zu arbeiten, einzukaufen oder zur Schule zu gehen.

Céphas Bansah ärgert sich über den „weißen Mann“, dem alle Gold- und Diamantenminen Ghanas gehören und der die Preise von Kakao und Kaffee diktiere. „Damit muss er aufhören und Schwarzafrika einfach in Ruhe lassen“.

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