Die Restbestände werden noch in den Räumen am Marktplatz gelagert. Doch schon in wenigen Tagen ist das Geschäft „Sportnahrung VS
Die Restbestände werden noch in den Räumen am Marktplatz gelagert. Doch schon in wenigen Tagen ist das Geschäft „Sportnahrung VS“ geräumt. (Foto: m. pohl)
sbo und Michael Pohl

Und nun ist es doch noch passiert: Die dreijährige Baustelle zur Marktplatz-Neugestaltung hat ein wirtschaftliches Opfer gefordert. Andreas Przebilski, Inhaber von „Sportnahrung VS“ hat seinen Laden geschlossen und Insolvenz anmelden müssen.

Zwei Jahre lang betrieb Andreas Przebilski sein Geschäft für Nahrungsergänzungsmittel in der Marktstraße, ehe er im Juli 2015 die Räume des Gebäudes „Am Marktplatz 19“ schräg gegenüber bezog. Etwas mehr als ein Jahr liefen die Geschäfte weiterhin gut, wie Przebilski gegenüber dem Schwarzwälder Boten berichtet. Doch als im Herbst 2016 Baustart für die Marktplatz-Neugestaltung war, ging es abwärts.

Über die vergangenen drei Jahre hinweg hatten auch andere Geschäfte rings um den Marktplatz – je nach Baustellenabschnitt mal mehr, mal weniger – mit Straßensperrungen und Umleitungen zu kämpfen. Die Folgen waren zum Teil massive Einbußen und Umsatzrückgänge. Während ein Großteil der Einzelhändler die schwere Zeit wohl überstanden hat und voller Hoffnung auf die baldige Fertigstellung des Marktplatzes blickt, konnte Andreas Przebilski die Durststrecke nicht überwinden.

„Es hat irgendwann zu viel Geld gekostet. Ich habe die Verluste nicht mehr kompensiert bekommen“, berichtet er enttäuscht. Dabei hatte alles so gut angefangen, denn in Villingen-Schwenningen sei durch die vielen Fitnessstudios großes Potenzial für Kunden vorhanden. „Der Laden hier lief sogar besser als mein zweites Geschäft in Freiburg“, betont Przebilski. Das Problem sei aber gewesen, dass seine Kunden nicht nur aus Schwenningen gekommen seien, sondern aus einem „relativ weiten“ Umkreis von VS. „Die meisten Kunden mussten zwangsläufig mit dem Auto kommen, haben mich damit aber nicht mehr erreicht.“ Das Resultat war, dass viele wieder im Internet gekauft hätten und dabei geblieben seien. „Die Dauer der Baustelle war für mich einfach zu lang.“

Wie den meisten Einzelhändlern, mache auch ihm der Internethandel zunehmend zu schaffen. „Meiner Meinung nach ist bei der Vielfalt an Nahrungsergänzungsmitteln eine Beratung wichtig. Das sehen aber viele Kunden anders und bestellen einfach online.“ Aber nicht nur im Netz, sondern durchaus auch in der Stadt selbst habe er im Laufe seiner sechs Jahre Konkurrenz bekommen. „Das Sortiment vom Müller ist mittlerweile echt groß“, sagt Przebilski über das Angebot im Drogeriemarkt im City Rondell. Und nicht nur das, auch in Sachen Preispolitik hätten so große Ketten Vorteile.

Und so führte die Negativspirale weiter und weiter. Mittlerweile ist der Laden geschlossen und sogar der Insolvenzverwalter eingeschaltet. „Ich habe Insolvenz anmelden müssen“, muss Andreas Przebilski bedauerlicherweise gestehen. Die Banken hätten irgendwann kein Verständnis und auch keine Geduld mehr gehabt. „Die wollten halt Geld sehen und nicht hören, dass ich eine Baustelle vor der Tür habe.“ Und so habe er letztlich nur noch dafür gearbeitet, um seine Kredite abzubezahlen. Übriggeblieben sei dabei nichts.

Das Thema Selbstständigkeit hat sich für den Unternehmer damit erledigt. Der gelernte Netzwerk-Administrator wird wieder in seinen erlernten Beruf zurückkehren. „Ich muss leider sagen, dass die Herausforderungen der Selbstständigkeit mit diesem Hindernis zu groß wurden. Diesen Schritt werde ich wohl nicht erneut wagen“, bilanziert er.

Mittlerweile kleben mehrere Zettel an den Schaufenstern gegenüber des Rathauses, dass die Räume wieder zu mieten seien. Auf Nachfrage beim Vermieter, der namentlich allerdings nicht genannt werden möchte, heißt es: „Es ist ärgerlich, dass diese Baustelle und die Einbußen meinem bisherigen Mieter das Genick gebrochen haben.“ Es wird in den Räumen laut des Eigentümers aller Voraussicht nach jedoch bald weitergehen. Es gebe einen bereits ortsansässigen Interessenten, allerdings sei noch kein Vertrag unterschrieben.

Der Vermieter ist aber zuversichtlich, dass bis Jahresende ein Nachmieter gefunden sein wird – möglicherweise sogar schon im November.

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