Auf dem Verkehrsübungsplatz des Automobilclubs treffen sich seit ein paar Wochen junge Vereinsmitglieder.
Auf dem Verkehrsübungsplatz des Automobilclubs treffen sich seit ein paar Wochen junge Vereinsmitglieder. (Foto: Kratt)
sbo und Mareike Kratt

Aufheulende Motoren, quietschende Reifen und wummernde Bässe: Die Tuning-Szene sorgt auch in der Neckarstadt VS-Schwenningen immer wieder für Aufruhr. Dass es ebenso Motorsportfans gibt, die sich von derartigen Gruppierungen bewusst abgrenzen, ist vielen nicht bewusst, wie ein aktueller Fall zeigt.

Täglich können auf dem Verkehrsübungsplatz des Schwarzwälder Automobilclubs neben dem Messegelände Anfänger oder Wiedereinsteiger ihr Fahrkönnen trainieren, um mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu gewinnen. Dass der Platz jedoch auch von Verkehrsrowdies genutzt wird, die die Straßen missbrauchen, um ihre illegal getunten Autos zu präsentieren, das wollen Anwohner des angrenzenden Wohngebiets Frühlingshalde in den vergangenen Wochen beobachtet haben. In einem anonymen Schreiben beklagen sich die Anwohner über die Autoposer, die „mit laut aufheulenden Motoren ankommen und Stunden später wieder mit lauten Motoren und quietschenden Reifen davonfahren“.

Kurze Rennen auf Straße

Zudem stiegen die Poser zwischendurch immer wieder in die Autos ein und spielten im Stand mit dem Gas. „Das belästigt uns doch sehr, da es immer häufiger wird“, heißt es im Schreiben weiter. Weitere Beobachtungen der Anwohner: Es seien auch Autos mit Schweizer Nummernschildern dabei, zudem würden nachts kurze Rennen auf der Dürrheimer Straße Richtung Neckarstraße ausgetragen.

Hartmut Machauer, Beisitzer im Automobilclub und Platzwart auf dem Verkehrsübungsplatz, hat für die meisten Beobachtungen eine plausible Erklärung, als er damit konfrontiert wird: Nicht etwa Poser, die sich unberechtigterweise Zugang verschafft haben, sind von Zeit zu Zeit auf dem Verkehrsübungsplatz anzutreffen. Vielmehr sind es Nachwuchskräfte aus dem Schwarzwälder Automobilclub, dich sich mit polizeilicher Genehmigung rund ein mal pro Woche in den vergangenen Wochen dort aufhielten – aber nicht herumführen.

Denn zunächst hatten sich die jungen Autoliebhaber auf den in der Tuning-Szene bekannten Plätzen, mitunter an der Haisch-Tankstelle oder am BSV-Parkplatz, getroffen. Dort seien sie aber immer wieder unberechtigterweise mit ins Visier der Polizei gekommen, weil diese solche Brennpunkte regelmäßig kontrolliert, berichtet Machauer. Irgendwann sei dem Vorstand des Automobilclubs die Idee gekommen, dem Vereinsnachwuchs eine neue und von den Tunern abgegrenzte Treffmöglichkeit auf dem Verkehrsübungsplatz anzubieten.

Angemeldete Treffen

Nachdem er das erste Treffen vor einigen Woche auf der Wache anmeldet hätte, sei die Polizei dennoch abends kurz vorbeigekommen und hätte sich vergewissert, dass alles in Ordnung sei. Rund 40 Autos seien auf dem Platz gestanden – ruhig. Viele Beteiligte kämen aus der Kraftfahrzeugbranche und hätten somit genügend Gesprächsstoff. Um den „Hock“ noch gemütlicher zu gestalten, seien den Jugendlichen Tische und Bänke zur Verfügung gestellt worden.

„Mit quietschenden Reifen umherzufahren, das ist auf dem Platz gar nicht möglich“, sagt Machauer in Bezug auf die Anschuldigungen der Anwohner. Das passiere vielmehr auf der anderen Seite am BSV-Parkplatz. Dort sowie tagsüber auf dem Verkehrsübungsplatz beobachte er im Übrigen immer wieder Autos mit Schweizer Kennzeichen. Einzig beim letzten Treffen vor einer Woche seien zwei neue Autoliebhaber unwissend mit dröhnenden Motoren auf den Platz gefahren, daraufhin habe man sie aufgeklärt.

Auch Kai Stehle, stellvertretender Leiter des Polizeireviers VS-Schwenningen, nennt den BSV-Parkplatz weiterhin als beliebten Treffpunkt der Tuner-Szene, besonders in den Sommermonaten. Dort würde auch regelmäßig kontrolliert. „Im Moment hält es sich wieder in Grenzen.“ Nachdem die Autoabstellmöglichkeiten rund um die Waschanlage an der Haisch-Tankstelle abgesperrt worden seien, hätte sich der andere Treffpunkt Richtung Burger King verlagert.

Grundsätzliches Problem

„Das grundsätzliche Problem ist nach wie vor da – schöne Autos wollen eben präsentiert werden“, kommentiert der stellvertretende Revierleiter. Ab und zu würde im Revier eine Meldung zu Lärmbelästigungen und Geschwindigkeitsüberschreitungen rund um die Dürrheimer- und Neckarstraße eintreffen, aber nicht häufig. Auch hier werde viel kontrolliert. Dass sich die Frühlingshalden-Anwohner nicht bei der Polizei gemeldet haben, überrascht Stehle nicht unbedingt: „Das Veröffentlichen von Kontaktdaten schreckt viele Menschen ab, aber es ist unumgänglich.“

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