Eine abgeschlossene Sache zu entwenden, kann als besonders schwerer Diebstahl gelten.
Eine abgeschlossene Sache zu entwenden, kann als besonders schwerer Diebstahl gelten. (Foto: Gebert)
sbo und Felicitas Schück

Er wollte der Umwelt etwas Gutes tun und mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz fahren. Dann aber nach getaner Arbeit am Abend ohne Beförderungsmittel dazustehen, lässt ein Gefühl der Ungerechtigkeit aufkommen. Das Fahrrad weg, einfach geklaut.

Das hat ein Anwohner aus Villingen erlebt, der seinen täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad bestreitet und sein Zweirad seither immer in der Nähe zur Stadtmauer abstellte. Morgens noch fest mit dem Abstellgeländer des Fahrradstellplatzes verbunden, ist am Abend von seinem abgeschlossenen Fahrrad nicht mehr viel zu sehen. Ein Fall von besonders schwerem Diebstahl für Dieter Popp, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Und zwar deswegen, weil das Fahrrad abgeschlossen war.

Im Jahr 2018 gab es nach Angaben der Polizei 40 einfache Fahrraddiebstähle und 114 unter erschwerenden Umständen. Zum Vergleich: Insgesamt wurden zur gleichen Zeit 1410 Diebstähle zur Anzeige gebracht, darunter 437 besnders schwere Diebstähle. Werden die Entwicklungen der beiden Stadtbezirke in den vergangenen Jahren getrennt betrachtet, sie verlief diese bislang unterschiedlich. Mal waren es mehr in Villingen, mal mehr in Schwenningen.

Im Jahr 2014 wurden 94 dieser Diebstahlsdelikte in Schwenningen, 91 in Villingen angezeigt. Ein Jahr später waren es 50 Fälle in Schwenningen und 83 in Villingen. Im Jahr 2016 wurden 74 Fahrraddiebstähle in Villingen und 65 in Schwenningen bei den Polizeirevieren angezeigt. Ein Jahr später waren es 129 Delikte dieser Art, die in Villingen angezeigt wurden und 63 in Villingen. 2018 war dann Schwenningen wieder Spitzenreiter beim Zweiradklau mit 83, 71 in Villingen. Die Zahlen für 2019 werden erst mit der Kriminalitätsstatistik im Frühjahr veröffentlicht.

Aufgeklärt wird unterdessen „so gut wie nichts“, wie Dieter Popp einräumt. Die Aufklärungsquote liege bei den Fahrraddiebstahlsdelikten in einem Bereich von 0,12 bis 0,29 Prozent. Bei Diebstahl unter erschwerenden Umständen bewege sie sich sogar „nahe null“.

Möglicherweise seien von Banden organisierte Fahrraddiebstähle „ein möglicher Erklärungsansatz für die geringe Aufklärungsquote und auch für den unbekannten Verbleib der ’relativ’ vielen gestohlenen Fahrräder, räumt Dieter Popp ein. Im Schwarzwald-Baar-Kreis könnten solche organisierten Diebstähle „nicht völlig ausgeschlossen“ werden.

Hat man Chancen, die gestohlenen Fahrräder wieder zu bekommen? „So gut wie nicht“, räumt Popp ein. „Wenn sie weg sind, sind sie weg.“ So fällt sowohl die Umwelt- als auch Gefühlsbilanz des Villingers, der sein Fahrrad an der Stadtmauer abstellte und nicht wiederfand, für den täglichen Weg zur Arbeit negativ aus. Jetzt fährt er wieder mit dem Bus.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen