Zahlreiche Kulturveranstaltungen im „Capitol“ sind bereits abgesagt. Programmchef Elias Raatz rechnet mit weiteren Absagen.
Zahlreiche Kulturveranstaltungen im „Capitol“ sind bereits abgesagt. Programmchef Elias Raatz rechnet mit weiteren Absagen. (Foto: Pohl)
sbo und Michael Pohl

Das Coronavirus macht auch nicht vor der Kultur halt. Während Großveranstaltungen aufgrund der Zuschauerzahlen abgesagt werden, fallen in VS-Schwenningen auch Events mit deutlich weniger Besuchern aus. Darunter leiden vor allem die Organisatoren, so auch Elias Raatz.

Täglich sagen Vereine, Veranstalter und Organisationen ihre Veranstaltungen ab, um dem Coronavirus keine Plattform zu bieten. Angefangen von der zehnköpfigen Gymnastikgruppe, die sich vorläufig nicht mehr trifft, über die vereinsinterne Mitgliederversammlung bis hin zu kulturellen Events mit mehreren hundert Besuchern.

Einer, der jetzt schon erheblich betroffen ist, ist Elias Raatz, Inhaber vom „Dichterwettstreit deluxe“ und Programmleiter des Lichtspieltheaters Capitol. Schweren Herzens musste er sowohl die Veranstaltung „Bumillo – Es muss rauschen!“, die für vergangenen Freitag im Capitol geplant war, absagen, als auch „Best of Poetry Slam #2“, das am Samstag in der Neckarhalle stattgefunden hätte.

„Es ist brutal! Ich hatte nun innerhalb von fünf Tagen die Gewissheit, dass ich in den kommenden zwei Monaten keinen Umsatz haben werde“, schildert Raatz seine Situation. Für eine Absage von Veranstaltungen kann es verschiedene Gründe geben. Entweder werden sie, wie bundesweit mittlerweile praktiziert, aufgrund der Größe und der teilnehmenden Menschen abgesagt. Oder aber, und das trifft auf die meisten kulturellen Veranstaltungen in Villingen-Schwenningen zu, sie fallen mangels verkaufter Tickets aus.

Letzteres macht einem Veranstalter wie Elias Raatz richtig zu schaffen, denn: „Solange es für eine Veranstaltung keine offiziellen Auflagen der Stadt gibt, dass diese nicht stattfinden darf, muss ich bei einer Absage meinerseits die vollen Gagen bezahlen.“ Das bedeutet, dass Raatz in den kommenden Wochen möglicherweise nicht nur nichts verdient, sondern auch noch zusätzliche Ausgaben hat. Sicher ist schon jetzt, dass auch das Event „Science Slam – Der unterhaltsame Wissenschafts-Wettstreit #1“ am 24. April ausfallen wird. „Offen ist bislang noch, was aus dem geplanten Gastspiel von Nora Boeckler wird.“ Sie soll eigentlich am 28. März mit ihrem Programm „5 Sterne Fiasko“ im Lichtspieltheater an der Alleenstraße auftreten. „ Hier ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Raatz. Aber auch dem Veranstalter ist klar, dass bei der aktuellen Dynamik des Coronavirus eine weitsichtige Planung unmöglich ist. Momentan, so sagt er, „muss ich schon davon ausgehen, dass ich bis 9. Mai erstmal keine Veranstaltungen haben werde“.

Das Problem sehen auch andere Veranstalter, die sogar schon in der Anfangsphase der Corona-Krise ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wie berichtet, hatte beispielsweise Bianca Wälde, die als Gastronomin und Inhaberin des Wirtshauses Wildpark immer wieder ein kulturelles Angebot auf die Beinde stellt, schon Ticketreservierungen für eine Lesung. Allerdings sind „aus Angst vor Corona“ diese nicht abgeholt worden. Andere Gäste hätten im Vorfeld abgesagt, und so fiel die gesamte Veranstaltung mangels Zuhörer ins Wasser.

Einen anderen Versuch wagt die Band Senior Council, die am kommenden Freitag, 20. März, im „Wildpark“ auftreten möchte. Die vier Musiker entschlossen sich, die Zuschauer damit zu locken, dass sie kostenlos an dem Konzert teilnehmen können. Ob die Idee tatsächlich aufgeht, wird sich am Ende dieser Woche zeigen. Elias Raatz und all seine Mitstreiter im Veranstaltungsgewerbe werden sich sicherlich nicht nur aus gesundheitlichen Gründen wünschen, dass diese Horrorzeit hoffentlich schnell vorbei sein wird. Denn all denjenigen, die von Kultur, Gastronomie und anderen Kunden leben, bereitet der Virus Existenzsorgen.

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