Ein Fall für den Maulkorb? In einem Wohngebiet in VS sind einige Anwohner wegen eines Rottweilers beunruhigt.
Ein Fall für den Maulkorb? In einem Wohngebiet in VS sind einige Anwohner wegen eines Rottweilers beunruhigt. (Foto: Symbol: Kikovic/sbo)
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Er ist groß, hat vier Pfoten und lässt bei manchen das Adrenalin steigen. Doch ist ein Rottweiler aus dem Oberzentrum tatsächlich so gefährlich, wie ihn einzelne Anwohner darstellen, die sogar die Stadt eingeschaltet haben?

Es ist ein Konflikt, wie er immer wieder vorkommt: Auf der einen Seite der Hundehalter mit seinem mehr oder weniger gut erzogenen Vierbeiner, auf der anderen Seite Bürger, die aus welchen Gründen auch immer verängstigt reagieren, sobald eine größere Spezies vor ihnen auftaucht, vor allem, wenn die Tiere nicht angeleint sind und frei herumspringen. Dem Vernehmen nach brodelt es bei ein paar Anwohnern in einem Wohngebiet in der Doppelstadt. Deren Vorwurf: Ein Hundebesitzer aus der Nachbarschaft der Nachbarn führe seinen Rottweiler regelmäßig ohne Leine, was Ängste und Befürchtungen auslöse.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiere. In Sorge sind vereinzelte Anrainer vor allem deshalb, weil im Wohngebiet auch Kinder spielten. Ihre Befürchtungen schrieben die Anwohner nicht nur in einer Mail an die Stadtverwaltung nieder, sie machten sich in dem Schreiben auch dafür stark, dass dem Hund ein Maulkorb angelegt werde.

Doch die Stimmung im weitläufigen Umfeld ist mehr als gespalten. Wittern die einen große Gefahr, können andere wiederum die teils aufgeheizte Stimmung in keinster Weise nachvollziehen. „Der Hund gehorcht doch“, so eine Stimme, andere reagieren völlig überrascht auf die Frage: „Habe ich noch nie etwas mitbekommen“.

Und was sagt der Halter zu der Unruhe, die sein Hund teils auslöst: „Das verstehe ich nicht.“ Wenn andere ihn auf ihre Ängste vor dem großen Vierbeiner ansprechen, würde er sehr wohl reagieren. Er wisse dies jedoch nur von einer älteren Dame. Von anderer Seite, ergänzt er, sei er nicht angesprochen worden. „Ich habe wirklich keine Ahnung, warum das so ist.“

Bekommt ein großer Hund möglicherweise schneller einen Maulkorb verpasst, als er bellen kann? Während sich die Anwohner in ihrer Bewertung in punkto Gefährlichkeit keineswegs einig sind und einige von einem harmlosen Tier sprechen und den attackierten Halter in Schutz nehmen, reagiert auch die Stadt reserviert auf die Frage nach einem Maulkorb-Muss.

„Ganz sicher geht das nicht so schnell“, sagt Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt VS. Ob oder nicht, diese zeige sich erst nach diversen Wesensteste durch Experten. Doch bevor Hunde auf angeblich aggressives oder gefährliches Verhalten hin getestet werden, stelle zunächst der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) Beobachtungen vor Ort an, wie sich Hund und Halter in der Öffentlichkeit verhalten. Deshalb sei die Stadt auch auf genaue Angaben und Beschreibungen angewiesen.

Auf anonyme Schreiben zu reagieren, betont Brunner, sei dagegen unmöglich. „Gibt es jedoch konkrete Hinweise auf ein aggressives Verhalten, gehen wir denen auch nach“, so die Pressesprecherin. Eine Maulkorbpflicht werde höchst selten verhängt: „Vielleicht ein, zwei Mal im Jahr“, wird sie konkret. Ob zudem ein Hund als Kampfhund eingestuft werde oder nicht, diese Entscheidung treffe in der Regel die Ortspolizeibehörde. „Manche wirken eben schlimmer, als sie in Wirklichkeit sind“, so Brunners Fazit.

Generell sind Hunde und damit mögliche Gefahren oder Ängste auch in VS „ein großes Thema“. Vor allem dann, wenn Tiere nicht an die Leine genommen wreden. „In VS gibt es eine Anleinpflicht“, bekräftigt Brunner, „und die gilt für kleine wie für große Hunde“. Wer seinen Vierbeiner trotzdem frei herumspringen lässt, für den wird ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro fällig, zusätzlich eine Gebühr von knapp 30 Euro. Bei chronischen Wiederholungstätern könne das Bußgeld noch höher ausfallen.

Für die örtliche Polizei sind Beschwerden über Hund und Halter nichts Neues, vor allem mit Blick auf freilaufende Hunde. Diese Meldungen gehen direkt ans Bürgeramt der Stadt, heißt es aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz. Aus Sicht des örtlichen Polizeireviers und der Polizeihundeführerstaffel gebe es in VS kein „großes Problem“.

Registrierte die Polizei auch schon Fälle, bei denen Kinder oder Erwachsene von Hunden bedroht oder gar durch Bisse verletzt wurden? „Natürlich gab es das schon“, hieß es aus Konstanz. Entsprechende Anzeigen werden von der Polizei dann „als fahrlässige Körperverletzung“ bearbeitet und an die Staatsanwaltschaft geschickt. Aktuell sei jedoch kein Fall bekannt.

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