Alter Friedhof soll Geschichtsjuwel bleiben

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Das einzig erhaltene Holzkreuz auf dem Alten Friedhof.
Das einzig erhaltene Holzkreuz auf dem Alten Friedhof. (Foto: Streck)
sbo

Die Sorge um den Bestand des Alten Friedhofs an der Dauchinger Straße treibt Peter Hellstern schon länger um. Der Schwarzwälder Bote berichtete bereits im November 2018, dass der Schwenninger Unternehmer einen Freundeskreis gründen wolle. Jetzt ist er seiner Idee ein großes Stück näher gekommen. Unter dem Dach des Schwenninger Heimatvereins soll nun eine Projektgruppe entstehen, die sich um die Bewahrung des seit jeher für die Schwenninger geschichtsträchtigen Orts, umgeben von großen Bäumen und wilder Vegetation, kümmert. Hellstern, dessen Großvater auf dem Alten Friedhof beerdigt ist, hat für sein Vorhaben Bürgermeister Detlev Bührer sowie die Vorsitzende des Heimatvereins, Annemarie Conradt-Mach, Siegfried Heinzmann und Ingeborg Kottmann vom Heimatverein gewinnen können.

Die Projektgruppe, die demnächst entsteht, wird dann im Herbst ein Konzept erarbeiten. Ziel ist es, die rund 180 Grabsteine zu dokumentieren und die Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Historikerin Conradt-Mach freut sich jetzt schon darauf, mit der Dokumentation der Grabsteine ein weiteres Mal die Schwenninger Industriegeschichte darstellen zu können. Zunächst einmal sollen alle Grabsteine aufgenommen und deren Geschichte sowie Personen, die dahinter stecken, aufgelistet werden.

Damit verbunden ist auch ein Aufruf an die Schwenninger, alte Fotos auszukramen und Informationen zum Alten Friedhof zu geben. Aber auch Sponsoren sind erwünscht, denn vor allem eventuelle Restaurierungsarbeiten kosten Geld.

Die Idee von Bürgermeister Bührer vor wenigen Wochen, Bar-Codes an die historischen Grabsteine anzubringen, über die dann die Geschichte der darauf genannten Personen von Besuchern abgerufen werden könne, findet Conradt-Mach besonders interessant.

Beim Rundgang über den Alten Friedhof am Dienstag lieferten die Geschichtskenner schon eine ganze Menge an Informationen. Ingeborg Kottmann dachte schon weiter und will auch andere Kleindenkmäler, zu denen die Grabsteine gehören, in Schwenningen und Mühlhausen einbeziehen und eine Dokumentation nach dem Rottweiler Vorbild herausbringen.

Das Lob galt vor allem den Technischen Diensten mit ihrer Leiterin Marina Kloiber-Jung. Innerhalb von vier Wochen seien Unkraut und Überwucherungen auf dem ganzen Friedhof entfernt worden, so dass so manch zugewachsenes Grabmal ans Tageslicht kam.

Peter Hellsterns erste Überlegungen im vergangenen Jahr, etwas zum Erhalt des Friedhofs zu tun, begründeten sich darauf, dass dieser seiner Meinung nach immer mehr „verlottere“ und deshalb besser gepflegt werden müsse. Normalerweise sei dies die Aufgabe der Stadt, aber da fehle es an Liebe zum Detail, sagte Hellstern damals.

Der Heimatverein hatte in einer Vorstandssitzung über diesen Vorschlag gesprochen. Grundsätzlich habe die Meinung vorgeherrscht, dass es wichtig sei, den Friedhof zu erhalten, weil er ein Spiegel der Schwenninger Sozialgeschichte darstelle, meinte Vereinsvorsitzende Annemarie Conradt-Mach.

Andererseits sei es nicht möglich, an den Gräbern etwas zu verändern, da sie den Familienangehörigen der Verstorbenen gehören. Vor allem die großen Grabstätten der Unternehmerfamilien Kienzle und Bürk werden bis heute von privater Seite hergerichtet, die meisten Gräber seien im Besitz der Stadt. Es gebe aber noch genügend, die nicht zugeordnet werden können. Deshalb sei es wichtig, dass die Besitzverhältnisse geklärt werden. Gleichzeitig werde Eigentümer der Grabstätten geben, die Initiative zu unterstützen. Das Projekt wolle keinesfalls die private Trauer behindern oder stören, betonte Annemarie Conradt-Mach.

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