Zerknautschte Dose oder „Seele der Donau“?

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 Kleine Kunstexperten: Mara Schänzel, Anna-Noelia Brohammer, Lia-Salome Brohammer, Noemi Buhl und Emily Wagner.
Kleine Kunstexperten: Mara Schänzel, Anna-Noelia Brohammer, Lia-Salome Brohammer, Noemi Buhl und Emily Wagner. (Foto: Claudia Steckeler)
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Der niederländische Künstler Herbert Nouwens ist einer von 19 Künstlern, die ihre Werke bei der Donaugalerie 2019 präsentieren. Seine Stahl-Skulptur „Donau“ mit ihren geknautschten und geknitterten Flächen, aufgebaut in der Anlage nahe dem Poststeg, reflektiert die Strahlen der Sonne. Dabei entsteht ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten, das sich im wechselnden Licht stetig verändert und an das bewegte Wasser des nahen Flusses erinnert.

Dem kunstinteressierten Betrachter bleibt es überlassen, was er in dem Kunstwerk sieht: Sich ständig verändernde Wogen, wilde Strudel, Wellen, glitzerndes, schnell, oder träge dahinströmendes Wasser. Wie sehen junge Betrachter dieses Kunstwerk, was verbinden sie damit?

Anna-Noelia Brohammer (elf Jahre) sieht darin eher ein zerknülltes, zerknautschtes Taschentuch, das von jemandem achtlos hingeworfen wurde. Vielleicht sogar in die Donau geworfen wurde, wo es von den Wellen weitergezogen wird. „Wenn die Skulptur groß wäre, dann würde sie eher wie Wellen aussehen“, meint Emily Wagner (neun Jahre). „Sie stellt irgendetwas Zerknülltes, eine Strömung in der Donau dar, die Wellen entstehen lässt. Wenn man die Skulptur senkrecht aufstellen würde, dann wäre es ein Mensch, der in ein Tuch gehüllt ist“, fügt sie hinzu.

Lia Salome Brohammer (zehn Jahre) kommt jedoch zu einer ganz anderen Ansicht nachdem sie die Skulptur noch einmal vorsichtig umrundet und befühlt hat: „Es fühlt sich so an, als ob es die Seele der Donau wäre. Es sieht einerseits so aus wie eine wilde, reißende Donau mit vielen Wellen und Strudeln, zeigt andererseits aber auch, wie geschmeidig fließend und ruhig sie sein kann.“

Noemi Buhl (zehn Jahre) widerspricht ihr, denn für sie sieht die Skulptur eher aus wie eine zerknautschte Dose. „Was“, wie sie erklärt, auch mit dem glänzenden Material, dem Stahl, zu tun hat. „Die Dose erinnert mich daran, dass wir alle umweltfreundlicher sein und keine Dosen in die Donau werfen sollten. Auch kein Plastik, denn das schadet dem Wasser und den Tieren“, betont sie. In ihrer Ansicht wird sie von Mara Schänzel (neun Jahre) bestätigt, für die das Kunstwerk irgendwie zerdrückt aussieht. „Eigentlich schon wie eine Dose, andererseits könnten es aber auch sich kräuselnde Wellen sein“, so die Neunjährige.

„Mir ist gerade eingefallen, dass die Donau ja schon seit vielen, vielen Jahren durch viele Länder fließt“, wirft Anna-Noelia Brohammer ein. „Sie hat nicht immer eine ebene, ruhige Oberfläche. Sie hat Strudel, schlägt Wellen, manchmal auch, wenn jemand hineinspringt oder etwas hineinfällt. Sie ist eine alte Donau, deshalb ist sie zerknittert und faltig, wie so mancher ältere Mensch“, stellt sie die Skulptur nachdenklich betrachtend fest, bevor sich die jungen Kunstbetrachterinnen auf den Weg zu etwas ganz Realem machen – der Eisdiele auf der anderen Seite des Poststeges.

Info:

1954 Geboren in Oegstgeest, Niederlande, stammt Herbert Nouwens aus einer Schmiedefamilie. Er begann sein Bildhauerstudium an der Royal Academy of Fine Arts in Den Haag und setzte es an der Stadtakademie für Angewandte Kunst in Maastricht fort. Hier schloss er mit dem Henriëtte-Hustinkx-Preis für den vielversprechendsten Studenten ab. Es folgte ein Aufbaustudium an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht. Ab Mitte der 80er-Jahre arbeitete er als abstrakter Bildhauer hauptsächlich mit dem Material Stahl.

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