Xylinos-Quintett mit Bravo-Rufen belohnt

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Das Xylinos-Quintett mit Florian Bensch (rechts).
Das Xylinos-Quintett mit Florian Bensch (rechts). (Foto: Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Bravo-Rufe für das Berliner Xylinos-Quintett um den Tuttlinger Fagottisten Florian Bensch: Vier ansprechende Werke aus der Zeit zwischen 1818 und 1953 erklangen am Freitagabend in der auf Kammerkonzertgröße gebrachten Stadthalle.

Als Beitrag für einen Wettbewerb hatte Claude Paul Taffanel anno 1876 ein dreisätziges Bläserquintett in g-Moll komponiert. Das Werk überzeugte mit seiner eleganten Melodieführung und frischen Rhythmik die Juroren der „Societé des Compositeurs“, die dem damals 32-jährigen Flötisten den ersten Preis zusprachen. Wie ein Gespräch unter Freunden klang das „Allegro con moto“, in dem Bensch, der australische Hornist Campbell McInnes, die aus Portugal stammende Flötistin Rita Rocha sowie Lore Neubert (Oboe) und Alina Heinl (Klarinetten) alle „zu Wort“ kamen.

Fast traurig sang das Horn

Fast traurig sang das Horn im Andante, doch der Schlusssatz, der in eine temperamentvolle Tarantella mündete, klang frühlingsfrisch und voller Lebenslust.

Mit „lustig“ überschrieb Paul Hindemith 1922 den ersten Satz seines Opus 24,2, der kleinen Kammermusik für Bläserquintett. Das Xylinos Quintett folgte dieser Anweisung ebenso wie dem „durchweg sehr leise“ des Walzers, bei dem die Pikkolo-Flöte bezauberte. Aus den „schnellen Vierteln“ des vierten Satzes erwuchs ein turbulentes Finale mit jubelnder Oboe und kräftig schallendem Horn: „Sehr lebhaft“, just so wie Hindemith es gewollt hatte.

Auch die hohen Anforderungen, die György Ligeti 1953 in seinen „6 Bagatellen“ stellte, meisterten die zwischen 21 und 26 Jahre alten Interpreten hervorragend. Vom Allegro con spirito mit seinem überraschenden „bop“-Schlusston über das fast aggressive „Rubato-Lamentoso“ bis zum quirligen Schlusssatz. Dazwischen genossen die rund 150 Zuhörer schwebende Bläserklänge über dem gedämpften Fagott im Allegro grazioso, wurden durch die herben Akkorde im 7/8-Takt des Presto ruvido aus dem Traum gerissen und lauschten der Trauer der Flöte in dem Béla Bartók gewidmeten Adagio.

Mit Anton Reichas 200 Jahre altem Quintett in D-Dur erklang dann wieder Musik, die mehr Herz und Seele als den Intellekt ansprach. Besonders der charmante dritte Satz, ein Menuetto, wirkte wie ein tonaler Springbrunnen. Dass sich die fünf Bläser auch im Bereich der komischen Oper wohlfühlen, zeigte die Zugabe: Nemorinos bittersüße Arie aus Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“.

Tags zuvor ein Werkstattkonzert

Nicht nur für das Konzert waren die Studierenden an Berliner Musikhochschulen, die 2014 das Ensemble gründeten, nach Tuttlingen gekommen: Sie hatten tags zuvor ein Werkstattkonzert für Schüler des Otto-Hahn– und Immanuel-Kant-Gymnasiums und einen gut besuchten Workshop an der Musikschule gegeben.

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