Wohnbau-Chef kritisiert hohe Baukosten

Lesedauer: 5 Min
An der Stuttgarter Straße entstehen derzeit 40 Wohnungen der Tuttlinger Wohnbau.
An der Stuttgarter Straße entstehen derzeit 40 Wohnungen der Tuttlinger Wohnbau. (Foto: zoge)

Die Tuttlinger Wohnbau hat seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 vorgestellt. Dabei übte Geschäftsführer Horst Riess Kritik an den hohen Preise der Baubranche.

Mit einem Mietpreis von elf bis zwölf Euro rechnet Riess aktuell bei der Vermietung eines Neubaus. Zum Vergleich: eine Bestandswohnung der Wohnbau kostet derzeit im Durchschnitt unter sechs Euro. Schuld daran sei vor allem die Bauwirtschaft. Denn: Diese passe ihre Preise um die staatlichen Förderprogramme an. Das Ergebnis: der staatlich gewollte Effekt, dass Bauen günstiger wird, verpufft nicht nur, sondern macht das Bauen insgesamt sogar teurer.

„Das macht mir richtig Sorge, dass diese Boomzeit als auch neu aufgelegte Förderprogramme fast missbräuchlich dazu benutzt werden, die Preise zu steigern. Ich halte die Preisentwicklung für unanständig“. Diese Verteuerungen erschwere es in Zukunft, die Mieten in Tuttlingen nicht weiter steigen zu lassen. „Auch wir können keinen Neubau mehr für sieben Euro vermitteln“, sagte Riess.

Laut dem Verband Bauwirtschaft BW sind die Preise in den vergangenen fünf Jahren um 2,5 Prozent gestiegen. Das sei laut einem Verbandssprecher unter anderem auf gestiegene Kosten für die Entsorgung von Erdaushub, zunehmende gesetzliche Vorgaben und die Tariferhöhung im Baugewerbe zurückzuführen.

„Vorzügliche Zahlen“

Doch gestiegener Kosten zog die Tuttlinger Wohnbau einer positive Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr. Riess sprach gar von „vorzüglichen Zahlen“. Die Wohnbau erwirtschaftete einen Überschuss von mehr als 1,5 Millionen Euro – fast eine halbe Millionen mehr als im Jahr zuvor. 1,2 Millionen stellte die Gesellschafterversammlung als Gewinnrücklage ein. Die Dividende betrug vier Prozent des Stammkapitals.

Der Bedarf an Wohnungen in Tuttlingen werde weiter steigen, prognostiziert Riess. Klare Zielgruppe seien dabei die rund 1700 Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit nach Tuttlingen pendeln. „Wir brauchen weniger Sozialwohnungen als für die Mittel- und Oberklasse“, sagte Riess. Natürlich gebe es in Tuttlingen auch Problemfälle. Aber insgesamt herrsche Vollbeschäftigung. „Das bedeutet nicht, dass wir die übersehen dürfen, die Hilfe brauchen. Um die kümmern wir uns.“

Eine Quote von 30 Prozent Sozialwohnungen bei Neubauten sei zum einen nicht realisierbar, zum anderen würde das die Nachfrage nach sozialem Wohnungsraum übersteigen. „Es kann sein, in einem Gebiet gibt es den Bedarf für 30 Prozent, aber in einem anderen sind es nur zehn Prozent“, so Riess. Wichtiger als eine Quote sei es, diejenigen zu versorgen, die wirklich eine Sozialwohnung benötigen. „Ja, wir müssen helfen, aber wir haben kein übertriebenes Problem in Tuttlingen“.

Derzeit beschäftigte man sich mit neuen Projekten. „Wir schauen auch, dass wir in Thiergarten weiter zum Zug kommen werden“, sagte Riess. Dort plant die Wohnbau derzeit einen Kindergarten und 16 Wohnungen. Die Stadt bemühe sich derzeit um die Grundstücke für die Baugebiete Thiergarten I und II. Auch Gespräche zum Storz-Areal würden laufen. „Wir freuen uns darüber, dass der Oberbürgermeister bereits gesagt hat, er könne sich eine Entwicklung der Fläche ohne die Wohnbau nicht vorstellen“, so der Geschäftsführer.

„Ein riesen Brocken“ sei die Entwicklung des Union-Areals. Derzeit ginge es vor allem um die Frage, ob das Enslin-Haus, das unter Denkmalschutz steht, erhalten werde. Hierzu werde gerade eine Dokumentation darüber angefertigt, welche Kosten durch den Erhalt entstehen könnten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen