Wo führt die Zukunft der Automotive-Branche hin?

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 Bereiten einen Automotiv-Gipfel vor (von links): Bettina Schuler-Kargoll, Thomas Burger, Christoph Münzer und Thomas Albiez.
Bereiten einen Automotiv-Gipfel vor (von links): Bettina Schuler-Kargoll, Thomas Burger, Christoph Münzer und Thomas Albiez. (Foto: Spitz)
sbo und Cornelia Spitz

Autokäufer sind orientierungslos, die Autobranche ist besorgt. Wohin geht die Reise nach dem Dieselskandal? Während die Politik voll auf die E-Mobilität zu setzen scheint, fordern Verbände in der Region erstmals eines: den technologieoffenen Wandel.

Wasserstoff, Brennstoffzelle oder gar elektrisch erzeugte Treibstoffe, so genannte E-Fuels, es gibt viele zumindest denkbare Varianten. Aber der Schrei nach E-Mobilität ist laut, fast unüberhörbar. Doch anstelle sich stumm in das scheinbar prophezeite Schicksal zu fügen oder gar hektisch und wild zu agieren und in andere Branchen zu flüchten, ist für die Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg sowie den Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden, kurz wvib Schwarzwald, klar: Die Rechnung in Sachen Zukunft der Automotive-Branche ist noch lange nicht ordentlich gemacht. Im Gegenteil. Sie fordern eine „Technologie-Offenheit“ in dieser Debatte und sind sich darüber hinaus sicher: „Technologie-Offenheit braucht eine faire Rechnung“, so Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer beim wvib.

Doch genau von dieser fairen Rechnung sei man mit Blick etwa auf viele ungeklärte Fragen zur Entsorgung von Ionen-Lithium-Batterien oder die fehlende Lade-Infrastruktur noch weit entfernt. Im Gegenteil: „Wir dürfen den Diesel nicht verteufeln“, steht für IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez fest, auch wenn klar sei, was das Ziel ist, „das wir erreichen müssen“, nämlich die „klimaneutrale Mobilität“. „Das zweifelt niemand an“, so Albiez. Streng genommen sei der Dieselskandal, so Münzer, auch kein Dieselskandal. „Die Skandalisierung des Skandals ist eigentlich der Skandal„, schlussfolgert er. Doch jetzt ist sie da, die Zukunftsfrage für eine ganz Region. Von den 204 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in der Region sei jeder fünfte in irgendeiner Form der Automotive-Branche zuzurechnen – „die Industrie ist die Lokomotive der Region“. Und auch von den 350 000 Arbeitsplätzen, die der wvib im In- und Ausland betreut, fielen etwa 90 000 in das Automotive-Cluster. Die um sich greifende Panik, stellt Thomas Burger, Mitglied der Vollversammlung der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und wvib-Präsident, klar. „Aber wir gehen am unüberlegtesten mit dem ganzen Thema um.“

Beide, IHK und wvib, wollen nun ihren Beitrag leisten, etwas Ordnung ins Chaos der Region zu bringen. „Kommt jetzt der technologieoffene Wandel?“ – so ist der dritte Automotive-Gipfel für die Region am 12. Dezember in Donaueschingen überschrieben. Schon die beiden Vorgänger-Auflagen des Automotive-Gipfels zeigten, wie sehr man mit dem Thema an sich den Nerv der Zeit trifft, macht IHK-Vizepräsidentin Bettina Schuler-Kargoll deutlich. Wenn der Verbrennungsmotor, in dem 1500 Teile stecken, abgelöst werde von einem E-Motor, in dem nur noch etwa ein Zehntel der Teile verbaut werde, spüre man das in der Region sehr deutlich, so Schuler-Kargoll. Mit umso mehr bedacht gelte es, die Chancen und Risiken in der aktuellen Situation abzuwägen und Entscheidungen zu treffen.

Mit dem jetzt gesetzten Thema, dem technologieoffenen Wandel, soll der Automotive-Gipfel deshalb quasi zum Gipfel der Gipfel werden. Noch nie sind die Zukunftsthemen der Branche so breit gefächert auf den Tisch gekommen. Einen ganzen Tag lang wird bei der Gemeinschaftsveranstaltung das Thema von unterschiedlichsten Blickwinkeln aus betrachtet. Da geht es um die Autobranche im Wandel mit Hanns-Peter Knaebel, dem Vorstandsvorsitzenden der Röchling SE & Co. KG, es geht um Future of mobility mit Jürgen Döring von der Daimler AG, aber auch um E-Fuels, den Wasserstoffverbrennungsmotor, die Brennstoffzelle, Transformationsstrategien für Automobilzulieferer oder das Innovationsmanagement eines mittelständischen Zulieferers oder Energiespeicher.

„Unsere Zulieferer in der Region befinden sich mitten im Transformationsprozess“, weiß Schuler-Kargoll und auch, dass der Antrieb der Zukunft ein Mix sein kann. Wie Unternehmen den Strukturwandel bewältigen und welche Technologien die Automobilproduktion in Zukunft bestimmen, das wird deshalb ein zentrales Thema beim Automotive-Gipfel werden.

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