„Teelichtöfen“: Wirtschaftlicher Quatsch und brandgefährlich - Feuerwehr warnt vor Hype um „Notheizung“

 Teelichter in mehreren Teelichtöfen haben für die Alarmierung der Tuttlinger Feuerwehr gesorgt. Diese warnt: Ganz schnell könne
Teelichter in mehreren Teelichtöfen haben für die Alarmierung der Tuttlinger Feuerwehr gesorgt. Diese warnt: Ganz schnell können die Dekoelemente für Großbrände sorgen. (Foto: Collage: Matthias Jansen)
Redaktionsleiter

Diese Idee ist brandgefährlich: Der im Internet und sozialen Medien entflammte Hype um sogenannte Teelichtöfen als Selbstmach-Trend kann schlimme Folgen haben.

Dann nämlich, wenn das Deko-Element als vermeintlicher Heizungsersatz eingesetzt werden sollen, um Wohnräume preisgünstig zu erwärmen. So wie am Donnerstag in Tuttlingen. Nur ein Zufall verhinderte einen Großbrand.

HINWEIS: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Top-Text vom Wochenende. Deshalb spielen wir ihn zum Wochenstart noch einmal aus.

In der Wohnung brennen mehrere Teelichtöfen – unbeaufsichtigt

Rauchwarnmelder mit Brandgeruch – so lautete das Einsatzstichwort, als die Tuttlinger Feuerwehr am Donnerstagnachmittag in die Jahnstraße ausgerückt ist. Über ein stark verrauchtes Treppenhaus erreichten die Brandbekämpfer eine Wohnung, in der – unbeaufsichtigt – mehrere Teelichtöfen brannten.

„Das ist der kapitalste Fehler“,

meint Statdtbrandmeister Klaus Vorwalder.

Nie sollte man offenes Feuer aus den Augen gelassen.

Heißer Porzellanteller hätte Brand ausgelöst

In dem Fall hatten die Bewohner es getan. Nur so hatte es zu dem Vorfall kommen können. An einem der Teelichtöfen war ein Porzellanteller – von mehreren Teelichtern erhitzt – gebrochen und heiß auf „brennfähiges Material“ gefallen. So hatte sich der Rauch entwickelt.

Zum Glück war in diesem Raum ein Rauchwarnmelder installiert, der auslöste und die Nachbarn alarmierte. In den anderen Räumen, in denen weitere Teelichtöfen brannten, habe es keine Rauchwarnmelder gegeben, meint Vorwalder. Die Bewohner wären, wenn die Öfen auch bei Nacht gebrannt hätten, bei einem Feuer erstickt oder verbrannt.

30 Teelichter, um 16 Quadratmeter zu erwärmen

„Die Teelichtöfen sind megagefährlich“, sagt Vorwalder und in wirtschaftlicher Hinsicht mehr als zweifelhaft. Um einen Raum zu erwärmen, braucht es 75 Watt Energie pro Quadratmeter. Eine normale Heizung bringt es auf 2000 Watt. Ein Teelicht hingegen nur auf 40 Watt. Also müsste man, um einen 16 Quadratmeter großen Raum zu beheizen, schon 30 Teelichter anzünden.

Allein bei der Menge erscheint das nicht sinnvoll. Zumal Feuer mit offener Flamme Sauerstoff verbraucht, sodass regelmäßig gelüftet werden muss. Und dann ist die mühsam erzeugte Wärme wieder weg.

Bei einem Wachsbrand hilft auch Wasser nicht mehr

Zudem, sagt Vorwalder, bergen die miteinander verschraubten Tontöpfe, die auf einer unbrennbaren Unterlage mit etwas Abstand über den Teelichtern stehen, weitere Gefahren. Kinder könnten sich Brandverletzung an den heißen Tontöpfen holen. Genauso könnten die Teelichtöfen vom Nachwuchs oder Haustieren umgeworfen werden.

Und, woran der Laie nicht denkt: Sind die Teelichter zu nah aneinander gestellt, besteht die Gefahr eines Wachsbrandes. Dieser, erläutert Vorwalder, sei mit Wasser nicht mehr zu löschen. Wenn das zu einer größeren Wachsfläche zusammenlaufe, brauche man schon eine Löschdecke oder ein spezielles Löschspray.

Gegen das Deko-Element sei nichts einzuwenden, so Feuerwehrsprecher Andreas Hand. Allerdings nur, wenn die Teelichtöfen auch richtig genutzt und beaufsichtigt werden. „Die Teelichtöfen sind nicht zum Heizen. Und vor allem nicht, wenn man nicht da ist“, sagt Hand. Am Donnerstag ist der Versuch schiefgegangen – beinahe mit schlimmen Folgen.

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